Stimme+
Reaktion auf Recherchen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Hygienemängel bei Kaufland? Umwelthilfe sieht großes Problem in Massentierhaltung

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Reporter des TV-Senders RTL und des Magazins „Stern“ entdecken gesundheitsgefährdende Keime auf Kaufland-Hähnchenfleisch. Die Deutsche Umwelthilfe sieht den Grund im Preisdruck der Lebensmittelhändler und in der Massentierhaltung.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Reporter des Fernsehsenders RTL und des Magazins „Stern“ haben massive Hygienemängel bei der Neckarsulmer Handelskette Kaufland aufgedeckt. Unter anderem wurden in Hähnchenfleischproben Keime entdeckt. 15 von 30 im Labor untersuchten Proben waren demnach mit Bakterien belastet, darunter auch multiresistente Keime sowie Campylobacter-Keime. Diese meldepflichtigen Keime können Krankheiten auslösen. 

Keime auf Fleisch: Deutsche Umwelthilfe sieht Problem in Massentierhaltung

Vor diesem Hintergrund fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Politik auf, die Marktmacht der Lebensmittelhändler zugunsten von Verbraucher- und Tierschutz einzuschränken. Die DUH sieht ein großes Problem in der Massentierhaltung, die bei Kaufland besonders ausgeprägt sei. Ein Großteil des bei Kaufland angebotenen Fleischs kommt den Berichten zufolge aus der Haltungsstufe 2 (Stallhaltung plus). Dafür trügen die Supermarktkonzerne eine Mitverantwortung, findet die Deutsche Umwelthilfe.

Lieferanten würden mit dem massiven Einsatz von Reserveantibiotika versuchen, Hähnchenfleisch in Massen zu Niedrigstpreisen zu produzieren, teilt die DUH mit. Je mehr Antibiotika bei Tieren eingesetzt werden, desto mehr resistente Krankheitserreger entstünden und verbreiteten sich über das kontaminierte Fleisch bis in die Küchen der Verbraucher. Daher müsse die neue Bundesregierung den Preisdruck in der Lebensmittelkette stoppen und den Schutz von Menschen und Tieren priorisieren.

Deutsche Umwelthilfe: Wir zahlen für Billigfleisch mit unsere Gesundheit

„Wir zahlen für Billigfleisch mit unserer Gesundheit und extremem Tierleid“, sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Mitverantwortlich dafür seien die großen Discounter und Supermärkte, die ihre Lieferanten so unter Druck setzten, dass diese in großem Stil zu Reserveantibiotika griffen, um die Kosten niedrig zu halten. „Wir fordern Kaufland auf, endlich Verantwortung zu übernehmen und Billig-Hähnchen auszulisten“, sagt Müller-Kraenner. Die DUH fordert von Kaufland die Umstellung auf Biofleisch. „Es ist zwingend notwendig, dass Lebensmittelmärkte langfristig kostendeckende Preise zahlen, damit Tierwohlställe überhaupt gebaut werden“, betont der DUH-Bundesgeschäftsführer.

Auf Hähnchenfleisch von Kaufland haben Reporter gefährliche Keime gefunden.
Auf Hähnchenfleisch von Kaufland haben Reporter gefährliche Keime gefunden.  Foto: Britta Pedersen

Angebliche Keime auf Kaufland-Hühnerfleisch: Umwelthilfe rät vom Verzehr von Billigfleisch ab

Angesichts der auf dem Hähnchenfleisch bei Kaufland festgestellten Campylobacter-Keimen rät DUH-Expertin Reinhild Benning vom Verzehr dieser Produkte ab. „Fleisch mit Antibiotikaresistenzen und Ekelkeimen ist eine echte Gesundheitsgefahr. Wir raten Verbraucherinnen und Verbrauchern, Fleisch aus Billig-Erzeugung zu vermeiden.“ Das Problem müsse jedoch auf politischer Ebene angegangen werden, betont Benning. Andere EU-Staaten seien Deutschland hier voraus. „In Spanien, Frankreich, Italien und Belgien gibt es bereits Regeln gegen Preisdrückerei in der Lebensmittelkette, die teils aktuell für die ganze EU diskutiert werden und von der neuen Bundesregierung verbessert und zügig umgesetzt werden müssen“, sagt Reinhild Benning.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben