Vor vier Jahren erst hat Continental 14 Millionen Euro in zusätzliche Kapazitäten und nachhaltige Produktionsbedingungen an seinem Standort in Weißbach investiert. „Damit sichern wir die Zukunftsfähigkeit unseres Werks für Oberflächenmaterialien und geben gleichzeitig unseren rund 1000 Mitarbeitern eine Perspektive für die Zukunft“, sagte Dirk Leiß, der bei Continental die Geschäftseinheit Oberflächen leitet, damals. Zwölf Millionen Euro flossen damals in eine Anlage zur Folienherstellung, weitere zwei Millionen Euro in eine zusätzliche Abluftreinigungsanlage.
Contitech vor Verkauf – Belegschaft am Standort Weißbach verunsichert
Der Automobilzulieferer Continental will sich zeitnah von seiner Kunststofftechniksparte Contitech trennen. Das bedeutet Veränderungen für den Standort in Weißbach. Die Mitarbeiter sind verunsichert.
Auf die Mitarbeiter der ehemaligen Konrad Hornschuch AG in Weißbach kommen unruhige Zeiten zu. Wieder einmal. Der Automobilzulieferer Continental spaltet nicht nur seine schwächelnde Autozuliefersparte ab und bringt sie als sogenanntes reines Spin-off an die Börse. Vielmehr trennt sich das Unternehmen in dem Zuge auch von seiner Kunststofftechniksparte Contitech, zu der auch das Werk in Hohenlohe gehört.
Wie es am Standort in Weißbach für die inzwischen 1050 Mitarbeiter konkret weitergeht, kann im Moment zwar niemand verlässlich sagen. „Aber es wird, wie schon oft in der Vergangenheit, wieder Veränderungen geben“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Sabine Kühn und spricht von einem gewissen Gefühl der Erschöpfung. Das vor 120 Jahren von Konrad Hornschuch als Textilfabrik gegründete Unternehmen produziert inzwischen Folien und Kunstleder für Fassaden, Möbel und Schiffe und gehört seit 2017 zu Continental.
Verkaufspläne für Contitech? Mitarbeiter in Weißbach verunsichert
Seither, so der Tenor, wurde das Werk in Weißbach mehrfach von links auf rechts und wieder zurück gedreht. Mit der Absicht, Synergien zu schaffen und effizienter zu werden, seien bestehende Teams häufiger aufgebrochen und im Anschluss neu zusammengesetzt worden, dazu habe es immer wieder neue Vorgesetzte gegeben. „Jetzt folgt die nächste Runde“, beschreibt Sabine Kühn die Lage. Die Kolleginnen und Kollegen seien verunsichert.

Zumal auch in Hannover, dem Hauptsitz von Continental, gerade erst die Vorbereitungsphase inklusive „Analyse und Bewertung der infrage kommenden Transaktionsformen für eine Verselbstständigung“ des Bereichs Contitech angelaufen ist, wie es auf Anfrage der Heilbronner Stimme heißt. In einem nächsten Schritt wird der Vorstand dann einen Zeitplan für das weitere Vorgehen erarbeiten.
Continental sieht Verkauf als wahrscheinlichste Option an – schon 2026?
„Nach aktuellem Stand sieht Continental einen Verkauf von Contitech als wahrscheinlichste Option an“, richtet ein Sprecher auf Nachfrage aus. Dieser soll zeitlich nach dem Spin-off des Unternehmensbereichs Automotive und erst nach dem Verkauf des Contitech-Geschäftsfelds Original Equipment Solutions (OESL) umgesetzt werden. Heißt für Contitech: Die angesprochene Verselbstständigung könnte im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Für eine konkrete Einzelstandortbetrachtung sei es aber „zum jetzigen Zeitpunkt noch eindeutig zu früh“, heißt es von Continental.
Die Gewerkschaft hegt Zweifel, dass Continental andere Optionen als einen Verkauf in Erwägung zieht. „Conti will Geld generieren“, sagt Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Schwäbisch Hall. Sowohl die IG Metall als auch der Betriebsrat rechnen bei einem Käufer aber allenfalls mit einem Finanzinvestor, der nur einzelne Standorte und Bereiche optimiert, um sie gewinnbringend wieder zu verkaufen. Im Vergleich zu einem strategischen Investor, der ein Interesse daran hätte, das Geschäft weiterzuentwickeln, die schlechtere Option.
„Wir sind ein toller Betrieb mit tollen Produkten. Und wir sind damit auch erfolgreich.“
Sabine Kühn
Dass es aber Kaufinteressenten geben wird, daran hat Bauer keine Zweifel. „Contitech hat Produkte, die gerade im Industriebereich sehr interessant sind“, sagt der Erste Bevollmächtigte. Das gelte umso mehr für den Standort Weißbach, der mit seinen Produkten als Exot im Bereich der Kunststofftechnik gilt. „Wir sind ein toller Betrieb mit tollen Produkten. Und wir sind damit auch erfolgreich“, verweist auch Sabine Kühn auf gute Zahlen.
Betriebsrat und IG Metall von Contitech in Weißbach rechnen mit heißem Herbst
Mit einem Personalabbau in größeren Stil rechnet die Betriebsratsvorsitzende zwar auch bei einem Verkauf nicht. Aber im Sinne der Mitarbeiter fragt Sabine Kühn schon, was aus den schönen Betriebsvereinbarungen in Zukunft werden würde. „Die müssen wir wahrscheinlich alle neu verhandeln“, sagt sie mit Blick auf Errungenschaften wie die Wettbewerbszulage oder die Aufzahlung bei Kurzarbeit. Uwe Bauer kündigt an, alles dafür zu tun, damit die Beschäftigungsstandards erhalten bleiben.
Entsprechend rechnen Betriebsrat, IG Metall und Mitarbeiter mit einem heißen Herbst, derartige Vereinbarungen müssten schließlich noch vor einem möglichen Verkauf geschlossen werden. Dinge, die allen Beteiligten viel Zeit und Kraft abverlangen. „Dabei wünschen sich die Kolleginnen und Kollegen hier, dass sie sich auf ihre originäre Arbeit konzentrieren können.“

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