Ceracon gerettet: EBM-Papst-Gründerfamilie steigt bei Weikersheimer Maschinenbauer ein
Der Maschinenbauer Ceracon stand nach Auftragseinbrüchen vor großen Problemen. Nun ist das Family Office von EBM-Papst-Mitgründer Gerhard Sturm eingestiegen.

Der insolvente Maschinenbauer Ceracon ist gerettet: Das Sturm Family Office der EBM-Papst-Gründerfamilie ist beim Maschinenbauer und Lohnfertiger aus Weikersheim eingestiegen. Das bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage der Heilbronner Stimme. Die gute Nachricht hatte sich abgezeichnet: Kurz vor Weihnachten war das Engagement eines damals namentlich nicht erwähnten neuen Gesellschafters bekanntgeworden. Nun vermeldete das Amtsgericht in Crailsheim, dass das Insolvenzverfahren aufgehoben sei.
Mitte des vergangenen Jahres war eine Schieflage bei Ceracon bekanntgeworden. Hatte das Unternehmen im Geschäftsjahr zuvor nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von 25 Millionen Euro – davon 17 Millionen alleine im Maschinenbau – noch einen historischen Höchststand erreicht, ging es schnell bergab. „Der plötzliche Wegfall staatlicher Förderungen für Elektromobilität sowie globale Handelskonflikte führten 2024 zu einem drastischen Einbruch der Auftragseingänge“, teilt Ceracon mit.
Schutzschirmverfahren sei notwendig geworden, um Handlungsfähigkeit zu sichern
Um die Liquidität langfristig zu sichern und das Unternehmen handlungsfähig zu halten, leitete Ceracon im Juni 2025 ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung ein. „Dieser Schritt war notwendig, um die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten abzusichern und das Unternehmen strukturell an die veränderten Marktbedingungen anzupassen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Andreas S. Kreissl. Zur Rettung trägt auch ein neuer Gesellschafter bei.

Bei dem neuen Partner handelt es sich um das Sturm Family Office. Die Investmentgesellschaft ist die Fortsetzung des unternehmerischen Lebenswerks von Gerhard Sturm, dem Mitgründer von EBM-Papst. Seine Kinder Heide Stober-Sturm und Ralf Sturm gehören zur dreiköpfigen Geschäftsführung. Die Investmentgesellschaft hat ihren Sitz in Bad Mergentheim und beteiligt sich seit Jahrzehnten sowohl an globalen als auch regionalen Technologiefirmen und Start-ups – fortan auch an Ceracon. Dort ist das Sturm Familiy Office Mehrheitseigner.
Erste Großkunden haben bei Ceracon schon neue Maschinen bestellt
Das Sturm Family Office stärke die Eigenkapitalbasis und ermögliche die notwendige Flexibilität für zukünftiges Wachstum, teilt der Maschinenbauer aus Weikersheim auf Anfrage mit. Die bisherige Geschäftsführung bleibe an Bord und soll Kontinuität in der operativen Leitung sowie der Kundenbetreuung garantieren. Die Neuausrichtung zeige bereits positive Signale: „Erste Großkunden haben ihr Vertrauen durch neue Maschinenaufträge bestätigt.“
Dem Maschinenbauer sei es gelungen, die „wesentlichen Know-how-Träger“ zu halten, dadurch sei die „sofortige Umsetzung der Projekte in gewohnt hoher Qualität“ sichergestellt. Als Stabilitätsanker diene der stark ausgelastete Bereich der Lohnfertigung: Dass die Mitarbeiter aus dem Maschinenbau die Fertigungskapazitäten unterstützen, deutet das Unternehmen als deutliches Indiz für eine generelle Markterholung. „Ceracon blickt nun gestärkt und mit solidem Fundament auf neue Zielmärkte und zukünftige Innovationen“, heißt es. Im Zuge der Insolvenz hatte Ceracon die Belegschaft von zuvor 173 auf nun rund 130 Mitarbeiter reduziert.
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