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Bosch will 22.000 Jobs streichen – Einigung auf Stellenabbau in Zuliefersparte

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Betriebsrat und Geschäftsführung des Technologiekonzerns Bosch treffen Vereinbarungen zum Arbeitsplatzabbau. Insgesamt sollen 22.000 Jobs in der Zuliefersparte gestrichen werden. Der Entwicklungsstandort Abstatt ist von den Regelungen aber nicht betroffen.


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Der Autozulieferer Bosch will in den kommenden Jahren rund 22.000 Stellen in Deutschland streichen. Nun wurden an den meisten betroffenen Standorten Vereinbarungen über den Abbau getroffen. Das teilte Frank Sell, Betriebsratschef der Zuliefersparte, am Donnerstag in Stuttgart mit. Nur bei Bosch Digital am größten deutschen Standort in Stuttgart-Feuerbach werde noch mit der Geschäftsführung über die Abbaupläne verhandelt, sagte Sell.

Stellenabbau bei Bosch: Diese Werke sind von den Vereinbarungen betroffen

„Die Verhandlungen waren extrem schwierig“, sagte der Betriebsratschef. Oberstes Ziel sei gewesen, das Schlimmste zu verhindern und den Abbau zu reduzieren. An vielen Standorten sei es gelungen, dass Auszubildende übernommen werden und es auch in Zukunft Qualifizierungsmöglichkeiten gibt. Zudem wurde laut Sell versucht, so gut es geht Produkte und Zukunftsthemen für die einzelnen Standorte festzuschreiben.

Die Vereinbarungen haben verschiedene Laufzeiten. Von 2029 bis 2032 sei alles dabei. Wie viele Stellen nun insgesamt weniger gestrichen werden, ist bisher nicht bekannt. Sell nannte aber ein Beispiel: Am Standort Feuerbach sollten nach den ursprünglichen Plänen der Bosch-Führung 3325 Jobs wegfallen – nun seien es 2500. Bei diesen Zahlen sei Bosch Digital noch ausgeklammert. Neben dem Werk Feuerbach und der Zentrale betroffen sind unter anderem die Standorte Schwieberdingen, Waiblingen und Bühl/Bühlertal in Baden-Württemberg sowie das Werk im saarländischen Homburg.

Bei Bosch in Abstatt läuft der Stellenabbau in verschiedenen Bereichen bereits

Der Entwicklungsstandort von Bosch in Abstatt, an dem verschiedene Geschäftsbereiche angesiedelt sind, ist von der Einigung nicht betroffen. „Für Abstatt gibt es nichts Neues“, sagt Helmut Meyer, Betriebsratsvorsitzender der Robert Bosch GmbH in Abstatt, auf Stimme-Anfrage. Für den Geschäftsbereich Cross–Domain Computing Solutions (XC) gelte nach wie vor die im Oktober 2025 erzielte Einigung, so Meyer.

Auch am Bosch-Entwicklungsstandort in Abstatt werden viele Stellen abgebaut. Von der jetzt getroffenen Vereinbarung ist der Standort aber nicht betroffen.
Auch am Bosch-Entwicklungsstandort in Abstatt werden viele Stellen abgebaut. Von der jetzt getroffenen Vereinbarung ist der Standort aber nicht betroffen.  Foto: Lina Bihr

Damals hatten sich der Betriebsrat und das Unternehmen darauf geeinigt, dass bis Ende 2027 insgesamt 1500 Arbeitsplätze im Bereich XC abgebaut werden – das sind 350 Stellen weniger als Bosch ursprünglich geplant hatte. Bei XC arbeiten in Abstatt derzeit rund 800 Beschäftigte. Zudem wurden an allen deutschen XC-Standorten betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausgeschlossen. Dafür mussten die Mitarbeiter jedoch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Die im Juli 2024 vereinbarte Reduzierung der Arbeitszeit von 38 beziehungsweise 40 Wochenstunden auf 35 Wochenstunden mit entsprechend geringerer Bezahlung gilt weiterhin.

Ebenfalls in Abstatt angesiedelt ist der Bosch-Geschäftsbereich Vehicle Motion, der sich vor allem mit Bremssystemen beschäftigt. Hier sind Meyer zufolge rund 2000 Männer und Frauen beschäftigt. Für die Mitarbeiter von Vehicle Motion gebe es jedoch keinen Sozialplan, sagt der Betriebsratschef. „Hier baut man Stellen über die natürliche Fluktuation ab, sagt Meyer. Dieser Geschäftsbereich sei aktuell vergleichsweise stabil und laufe im Normalbetrieb. Außerdem arbeiten noch etwa 120 Beschäftigte in Abstatt für die Bosch-Softwaretochter Etas, dazu kommen rund 800 Mitarbeiter in sogenannten Standortfunktionen wie Verwaltung und Facility Management. Diese Mitarbeiter sind von den Stellenabbauplänen nicht betroffen.

Bosch Engineering in Abstatt spielt eine Sonderrolle im Konzern

Eine Sonderrolle in Abstatt spielt die Bosch-Tochter Bosch Engineering. Sie ist als eigenständiges Unternehmen nicht tarifgebunden und von der jetzt erzielten Einigung auf den Stellenabbau im Konzern nicht betroffen. Gleichwohl werden auch bei Bosch Engineering Arbeitsplätze abgebaut. Wie berichtet sollen dort weltweit rund 460 Stellen bis Ende 2027 wegfallen, davon rund 380 in Abstatt und Holzkirchen bei München. In Abstatt waren zuletzt rund 2000 Mitarbeiter bei Bosch Engineering beschäftigt, in Holzkirchen waren es rund 200. 

Wie eine Sprecherin von Bosch-Engineering auf Stimme-Anfrage mitteilt, gibt es seit Januar dieses Jahres ein offizielles Abfindungsangebot für die Beschäftigten. „Dieser Prozess läuft jetzt“, sagt die Sprecherin, konkrete  Zahlen über die Resonanz des Programms gibt es noch nicht. Das bestätigt Miguel Fernandez, Betriebsratsvorsitzender bei Bosch Engineering. „Das Abfindungsprogramm wird angenommen“, sagt er. „Wir sind nach den ersten zwei Monaten zufrieden.“ Das Programm ist auf drei Jahre angelegt, wird aber beendet, sobald das Ziel von 380 eingesparten Arbeitsplätzen erreicht ist, sagt Fernandez.

Bosch-Betriebsrat rechnet nicht mit betriebsbedingten Kündigungen

Falls die für ein Jahr im Bosch-Konzern gesteckten Abbauziele nicht erreicht werden sollten, sind laut Betriebsratschef Frank Sell in allerletzter Konsequenz auch betriebsbedingte Kündigungen in einigen Bereichen möglich. Er gehe aber nicht davon aus, dass es dazu kommen wird: Die Ziele seien so gewählt, dass man sich zutraue, das mit dem Werkzeugkasten aus Abfindungen, Vorruhestand und Demografie hinzubekommen. Bis Ende 2027 sind betriebsbedingte Kündigungen in der Zuliefersparte ohnehin ausgeschlossen.

Außerdem sehen die Vereinbarungen auch „Hagelschlag- und Sonnenschein“-Klauseln vor. Soll heißen: Falls sich die Lage weiter verschlimmern sollte, kann Bosch nachverhandeln. Gleiches gilt für den Betriebsrat, falls sich die Situation in der Branche bessern sollte. (jüp/dpa)

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