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Wird das Bier teurer? „Preis spiegelt Wert nicht wider“

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Inflation und Kostendruck gehen auch an mittelständischen Brauereien nicht vorbei. Trotzdem zeigen sich Verbände und Brauer in Baden-Württemberg zurückhaltend, was baldige Preissteigerungen bei Bier betrifft. 


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Das Bier in Deutschland ist zu billig. Dieser Ansicht ist zumindest der Chef des Deutschen Brauerbundes Holger Eichele und hat deshalb gefordert, dass die Bierpreise eigentlich steigen müssten. Ansonsten seien die steigenden Kosten in der Produktion für Brauereien nicht zu tragen.

Hinzu kommt, dass die Deutschen immer weniger Bier trinken. Im Jahr 2024 wurden rund 8,3 Milliarden Liter Bier abgesetzt, was einem Rückgang von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bereits 2023 war der Absatz um 4,5 Prozent gesunken. Im Vergleich zu 2013 ist der Bierabsatz um 13,7 Prozent zurückgegangen.

Brauereien spüren Kostendruck: Preissteigerungen „existenzsichernd“

Hans-Walter Janitz, Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Brauerbundes, sagt auf Anfrage unserer Redaktion: „Den Preis des Bieres legt jede Brauerei für sich selbst fest. Das können und wollen wir als Verband nicht. Der Wert unserer Produkte, auch für den Verbraucher, liegt aus unserer Sicht aber deutlich über dem derzeitigen Verkaufspreis.“ Das „Missverhältnis“ zwischen Inflation und Kostensteigerung „werden die Brauer vermutlich auf Dauer nicht aushalten können“. Mögliche Preissteigerungen seien keine Gewinnmaximierung, sondern eine Existenzsicherung. Mittelständische Brauereien sehen das ähnlich.

„Von der Kostenseite her wäre eine Preiserhöhung begründbar“, sagt Christian Wunderlich von der Herbsthäuser Brauerei in Bad Mergentheim. „Die Kaufkraft am Markt in unserer Gegend gibt dies jedoch aus unserer Sicht aktuell nicht her.“ Deshalb plane die mittelständische Brauerei auch keine Preiserhöhungen in „naher Zukunft“ in ihrem Sortiment. Den gestiegenen Kostendruck spürt das Unternehmen trotzdem. Bisher konnte „ein Teil dieser Kosten durch Effizienzsteigerung der Produktion und im Vertrieb kompensiert werden“, sagt Christian Wunderlich. Wenn das aufgrund weiterer Kostensteigerungen nicht mehr möglich sei, könne eine Preiserhöhung mittelfristig allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Brauereien in Baden-Württemberg: Keine direkten Preiserhöhungen in Sicht

Der Meinung von Holger Eichele schließen sich Moritz Bauer und Christoph Ebers von der Brauerei Distelhäuser in Tauberbischofsheim grundsätzlich an. Allerdings zweifeln sie daran, ob eine Kostensteigerung sinnvoll ist, gerade in Konkurrenz mit nationalen Bierkonzernen, die diese Situation mit „ihren regionalen Pseudomarken“ nutzen würden. Denn sie haben die Möglichkeit, Bier weiter billig zu verkaufen. „Unsere letzte Preiserhöhung kommt aus dem August 2023. Aktuell bemühen wir uns, die steigenden Kosten intern aufzufangen. Wie lange das möglich ist, können wir noch nicht vorhersagen“, sagen die Geschäftsführer. 

Auf die großen Schocks, ausgelöst vor allem durch die Energiekrise und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, hat die Brauerei Haller Löwenbräu in Schwäbisch Hall bereits früh reagiert. „Wir haben hier bereits unsere Preise erhöht“, erklärt Peter Theilacker, geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei. Für dieses Jahr seien deshalb keine geplant, doch auch er vermutet, dass das auf mittelfristige Sicht nicht zu vermeiden sei.

Doch er weist auch darauf hin, dass die Bierpreise in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren wenig gestiegen seien. „Die Branche insgesamt war lange mengenfixiert“, sagt er. Kunden müssen also keine Sorge vor schnellen Preissteigerungen haben - doch auf lange Sicht, werden auch die Brauereien ihre Preise anpassen müssen. 

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