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Winterbetrieb

Audi und VW testen künftige E-Auto-Software unter Extrembedingungen

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Der VW-Konzern setzt bei seinen neuen E-Autos ab 2027 auf die Software des US-Konzerns Rivian. Dem Vernehmen nach geht die Entwicklung mittlerweile gut voran. Diese beiden Modelle erhalten die Software als erstes.


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Software im Auto wird zunehmend wichtiger. Aus diesem Grund hat der VW-Konzern mit Cariad einst eine eigene Tochterfirma gegründet. Allerdings war das Unterfangen von wenig Erfolg gekrönt. So kam es bei immens wichtigen E-Autos wie dem Audi Q6 E-Tron und dem Porsche Macan zu massiven zeitlichen Verzögerungen.

Inzwischen haben die Wolfsburger die eigene Software-Entwicklung zum größten Teil eingestellt und sind stattdessen einige Partnerschaften eingegangen. Die bedeutendste ist die mit Rivian: Von dem US-Unternehmen kommt die künftige Software, die ab 2027 sukzessive in den neuen Modellen eingesetzt wird. Nun haben die beiden Konzerne einen Meilenstein erreicht und Prototypen der künftigen E-Autos unter Extrembedingungen getestet.

Audi und VW: Erprobung unter extremen Winterbedingungen

Getestet wurden die neuen Modelle in Kalt 1 in Nordschweden – so nennt man im VW-Konzern das hermetisch abgeriegelte Testgelände in Lappland. 3600 Hektar groß, fast die doppelte Fläche des Frankfurter Flughafens. „Kalt 1“ heißt das Prüfgelände auch deshalb, weil die Temperaturen unter minus 20 Grad sinken können. Tagsüber. Hier werden die Autos über Wochen, teils Monate für den Winterbetrieb auf Herz und Nieren geprüft, auf schneebedeckten Wegen. Fast noch wichtiger sind die zugefrorenen Seen, auf denen sich auch Fahrsituationen im Grenzbereich testen lassen. 

Im nordischen Winter waren drei Referenzfahrzeuge von VW, Audi und der von VW wiederbelebten US-Marke Scout einem Härtetest unterzogen worden, darunter der geplante Einstiegs-Stromer von VW mit dem Projektnamen ID.Every1. Er kommt 2027 auf den Markt und wird das erste Fahrzeug des Konzerns mit der neuen Rivian-Software sein. Gebaut wird der kleine Stromer, der unter Umständen ID.Up heißen könnte, in Portugal, angestrebt wird ein Einstiegspreis von um die 20.000 Euro. „Wir beschleunigen in Richtung Zukunft. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Wintertests zeigt unser Joint Venture erneut, wie schnell und präzise dort gearbeitet wird“, sagt Oliver Blume, Chef des VW-Konzerns.

So könnte der neue Audi A4 Avant E-Tron aussehen. Das E-Auto mit der Rivian-Software wird 2028 vorgestellt und in Ingolstadt gebaut.
So könnte der neue Audi A4 Avant E-Tron aussehen. Das E-Auto mit der Rivian-Software wird 2028 vorgestellt und in Ingolstadt gebaut.  Foto: Christian Schulte

Erster Audi mit der neuen Software wird ab 2028 der A4 E-Tron sein

Nach Informationen der Heilbronner Stimme war Audi beim Test der neuen Software mit dem A4 E-Tron dabei, er wird 2028 vorgestellt und wird am Stammsitz des Unternehmens in Ingolstadt gefertigt. Die Baureihe soll gegen den BMW i3 und die vollelektrische Mercedes C-Klasse antreten. Erhältlich sein wird der A4 E-Tron als Limousine und als Kombi namens Avant. Der A4 E-Tron wird als erster Audi die neue neue Scalable Systems Platform (SSP) des VW-Konzerns nutzen. Sie ist die zukunftsweisende, modulare und rein digitale Elektroauto-Plattform, die ab Ende der 2020er Jahre die bestehenden Fahrzeugbaukästen von Europas größtem Autobauer ablösen soll. 

Standard bei der SSP sind bei Audi und folgenden Konzernmodellen 800-Volt-Technik, teil sogar schon 900-Volt-Technik, und ein zentralisiertes Computersystem. Damit sollen erstmals Reichweiten um die 800 Kilometer und Ladeleistungen jenseits der 300 kW möglich sein. Durch die neue Software-Architektur können Audi und die anderen Konzernmarken künftig Over-the-Air-Updates in deutlich größerem Umfang als heute anbieten und Funktionen nachträglich freischalten. Audi-Chef Gernot Döllner spricht von einem „software-definierten Auto“, das Komplexität reduziere und Entwicklung sowie Produktion beschleunige. 

Audi-Ingenieur: „Probleme behoben und große Schritte gemacht“

Im November 2024 wurde das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Rivian and Volkswagen Group Technologies (RV Tech) gegründet. Der Dax-Konzern Volkswagen lässt sich die Zusammenarbeit bis zu 5,8 Milliarden Dollar kosten. Für die Auszahlung dieser Summe wurden mehrere Meilensteine vereinbart, zu denen auch die Wintertests gehören. Anfangs lief die Entwicklung auch nicht reibungslos, inzwischen aber scheint es gut voranzugehen. „Wir haben viele Probleme behoben und große Schritte gemacht“, sagt ein Audi-Ingenieur, der bei den Tests in Nordschweden dabei war, im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Autobauer senken mit der neuen Technik die Kosten deutlich

Die meisten Autobauer setzen für die Zukunft neue Software und zentralisierte Computersysteme ein. Davon versprechen sie sich niedrigere Kosten, weil Steuergeräte entfallen und einfachere Kabelbäume zum Einsatz kommen. Zudem müssen diese Autos bei Softwareproblemen seltener in die Werkstatt, sie können wie Smartphones etwa leichter aus der Ferne aktualisiert werden. Außerdem kann so die Software getestet werden, ohne dass das Auto selbst fertig entwickelt ist - was die Entwicklungszeiten beschleunigt und weiteres Einsparpotenzial birgt.

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