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Audi stellt das Gendern (fast) ein – Kritik kam aus Belegschaft

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Audi hat seine umstrittene Gender-Schreibweise im internen und externen Schriftverkehr wieder abgeschafft. Dennoch sind die Beschäftigten angehalten, auf ihre Formulierungen zu achten.


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Wer zuletzt Pressemitteilungen von Audi erhalten hat, dem ist mitunter etwas aufgefallen. „Mit unserem Dreiklang aus E-Autos, Plug-in-Hybriden und Verbrennern sind wir flexibel und robust für die nächsten Jahre aufgestellt und halten für unsere Kundinnen und Kunden ein vielfältiges Angebot an Premiumfahrzeugen bereit“, lässt sich Audi-Chef Gernot Döllner unlängst zitieren.

Noch vor einem halben Jahr wäre in der zweiten Satzhälfte Kund_innen gestanden. Damit ist Schluss. Statt Audianer_innen gibt es wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Beschäftigte, Kunden und Lieferanten: Audi hat seine Gender-Leitlinien zwar nicht ganz aufgegeben, aber deutlich abgespeckt.

Gendern bei Audi fast eingestellt – teilweise taten es Beschäftigte sogar beim Sprechen

Das Gendern bei Audi hat in den vergangenen Jahren teils kuriose Stilblüten getrieben. Mitunter ging es so weit, dass auf Pressekonferenzen sogar beim Sprechen gegendert wurde. Das sorgte mitunter für Versprecher, Lacher und Kopfschütteln - intern wie extern. Nicht wenig Beschäftigte kritisierten das Thema Gendern mal lauter, mal leiser.

Die damalige Personalvorständin Sabine Maaßen (mittlerweile nicht mehr im Unternehmen) hatte Anfang der 2020er-Jahre einen ganzen Katalog an Vorgaben erstellen lassen. Nicht nur ihr eigenes Team fragte sich hin und wieder, ob es bei der Marke mit den vier Ringen keine anderen Probleme geben würde. Der Unterstrich wurde mit viel Tamtam eingeführt, nun ist er fast unbemerkt wieder verschwunden.

Beschäftigte bei Audi mussten Fallbeispiele üben

In den Jahren zuvor blieb den Beschäftigen bei Audi nichts anderes übrig als zu üben. Mitunter ein Sammelsurium an Absurditäten war der 13seitige Leitfaden, der Ende 220, Anfang 2021 im Unternehmen in Umlauf gegeben wurde.. Die Anrede „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ sei nicht„gendersensibel“, da sie „nicht-binäre Menschen“ ausschließe. Gleiches gelte für das „Gendersternchen“, weshalb Audi den „Gender Gap“ mit Unterstrich verwende – auszusprechen mit „glottoralem Stopp“.

Glottoral? Nicht wenig mussten den Begriff erst einmal bei Google eingeben. Als Glottal oder Kehlkopflaut wird in der Phonetik eine Lautbildung bezeichnet, bei der die Stimmritze, auch Glottis genannt, als Artikulationsorgan dient. Wie sagte doch neulich ein Bandarbeiter so schön im Gespräch mit dem Autor dieses Textes: „Ich schreibe und schwätz so, wie es mir gefällt.“ 

Audi setzt auf eine „sensible Sprache“

Der Unterstrich ist weg. So ganz vom Tisch ist das Thema nicht. „Grundsätzlich kommunizieren wir gendersensibel und inklusiv. In erster Linie sollen Texte dabei verständlich und lesbar sein“, sagt eine Audi-Sprecherin auf Anfrage. „Aufgrund unserer Erfahrungen in der schriftlichen Verwendung des Gender-Gap in den vergangenen Jahren und der großen Bandbreite unterschiedlicher Methoden, geschlechtersensible Sprache sichtbar zu machen, hat sich das Unternehmen entschieden, dieses Sonderzeichen nicht mehr zu verwenden.“


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Im Intranet von Audi finden sich Tipps

Intern betrachteten viele das Formulieren von Texten unter den vorgegebenen Gender-Vorgaben als Zumutung. Ein Mitarbeiter der Audi-Konzernmutter Volkswagen hatte sogar auf Unterlassung geklagt, weil Texte besonders bei exakten technischen Beschreibungen durch die Vorgaben schwer  lesbar waren.

Das Gericht gab damals aber Audi recht.“ Wir setzen weiterhin auf etablierte, gendersensible Formulierungen, die unsere Werte von Gleichstellung und Inklusion betonen“, heißt es offiziell von Audi. Im Intranet klingt das etwas entschärft. Dort steht, man solle  „möglichst genderneutral formulieren“. Und weiter: „Unser Sprachstil ist dynamisch und inspirierend.“ 

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