Arbeitslosigkeit in Heilbronn und Region steigt im Dezember leicht
Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen in Heilbronn und Umgebung leicht gestiegen. Die Arbeitsagentur sieht dafür saisonale Gründe, aber auch die Konjunktur.
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland und in der Region ist im Dezember 2025 leicht gestiegen.
Im Agenturbezirk Heilbronn waren zum Jahresende 13.386 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, das sind 48 mehr als im November und 531 mehr als im Dezember 2024. Die Quote liegt unverändert bei 4,7 Prozent.
Arbeitslosigkeit in Heilbronn und Region steigt im Dezember leicht an
„Für den Winteranfang ist es typisch, dass es auf dem Arbeitsmarkt etwas verhaltener zugeht. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesem Dezember ist aber auch auf die wirtschaftliche Abkühlung zurückzuführen“, sagt Katrin von Löwenstein, Leiterin der Heilbronner Arbeitsagentur.
Schwache Konjunktur belastet den regionalen Arbeitsmarkt
Im gesamten abgelaufenen Jahr habe der konjunkturelle Gegenwind den Arbeitsmarkt erheblich unter Druck gesetzt und werde die Arbeitsagentur auch im neuen Jahr vor große Aufgaben stellen, sagt von Löwenstein.
Gleichzeitig verzeichne die Behörde einen weiteren Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Stadt- und Landkreis Heilbronn. „Wir werden auch weiterhin in Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen investieren. Denn gut ausgebildete Fachkräfte haben immer noch die besten Chancen am Arbeitsmarkt“, sagt Katrin von Löwenstein.
Mehr Arbeitslose in Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim und stagnierende Beschäftigung
Im Agenturbezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim waren Ende Dezember 13.203 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet – das sind 198 mehr als im November und 362 mehr als im Dezember 2024. Die Quote stieg leicht auf 3,8 Prozent.
Im Hohenlohekreis liegt die Quote unverändert bei 3,6 Prozent. Hier wurden zuletzt 2520 Arbeitslose gezählt, das sind neun weniger als im November und 95 mehr als im Dezember 2024. Erstmals seit 2020 gab es einen leichten Rückgang bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. „Arbeitslosen fällt es zunehmend schwer, eine neue Beschäftigung zu finden, und das, obwohl über 5000 freie Arbeitsstellen bei uns gemeldet sind“, sagt Elisabeth Giesen, Leiterin der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Auch sie setzt auf berufliche Qualifizierung.
„Dafür haben wir in diesem Jahr 17,5 Millionen Euro investiert“, betont Giesen. Für Arbeitnehmer sei die zentrale Herausforderung, mit den Veränderungen der Arbeitswelt Schritt zu halten.
In Baden-Württemberg fanden mehr Geflüchtete eine Stelle
Einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit gab es im Dezember auch in Baden-Württemberg. Hier wurden 291.017 Arbeitslose gezählt, das sind 0,2 Prozent mehr als im November. 2025 verzeichnet Baden-Württemberg im dritten Jahr in Folge einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt waren knapp 294.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Jahresdurchschnitt waren mehr als 75.000 offenen Stellen bei der Arbeitsagenturen registriert.
Positiv verlief im Land die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter. Beim Personenkreis der acht wichtigsten Asylherkunftsländer stiegen die Beschäftigungsaufnahmen 2025 um 14,1 Prozent. Martina Musati, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, bewertet diese Entwicklung positiv. „Das Plus bei den Beschäftigungsaufnahmen, vor allem bei den Geflüchteten, ist der Erfolg aller beteiligten Arbeitsmarktakteure, insbesondere der Unternehmen, die den Menschen eine Chance geben“, sagt Murati. 2026 gelte es, diesen Weg weiter zu forcieren , denn Integration und gesellschaftliche Teilhabe vollzögen sich über Erwerbsarbeit.
In Deutschland stieg die Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent
In Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 23.000 auf 2,908 Millionen gestiegen. Das sind 101.000 mehr als im Dezember 2024, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum November um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent. Höher lag die Arbeitslosigkeit zuletzt im Dezember 2010, damals waren 3,012 Millionen Menschen ohne Job.
„Diese Zahlen sind keine Folge einer vorübergehenden konjunkturellen Schwächephase, sondern einer tiefen strukturellen Krise unseres Landes“, erklärte Stefan Küpper, UBW-Geschäftsführer für Bildung, Arbeitsmarkt und Landespolitik. „Gerade für ein exportorientiertes Bundesland wie Baden-Württemberg hat der zunehmende Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gravierende Folgen“, warnte Küpper, der auch Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Arbeitgeberverbands ist.
Besonders kritisch bewertet er den ungebremsten Anstieg der Lohnzusatzkosten. „Unser Land liegt bei den Arbeitskosten seit Jahren im europäischen Spitzenfeld, und weitere Erhöhungen der Sozialabgaben zeichnen sich bereits ab. Das setzt Beschäftigung und Investitionen gleichermaßen unter Druck“, sagte Küpper. Nötig sei daher dringend eine wirksame Abgabenbremse. „Wer Arbeitsplätze im Land sichern will, muss die Lohnzusatzkosten nachhaltig senken. Und wer die Lohnzusatzkosten senken will, braucht den Mut zu echten strukturellen Reformen.“
„Dem Arbeitsmarkt fehlt weiterhin wirtschaftlicher Rückenwind“, erklärte die Chefin der Bundesagentur, Andrea Nahles. „Auch zum Jahresende hält daher die schwache Entwicklung an.“ Dass die Arbeitslosigkeit im Dezember zunimmt, ist üblich. Vor dem Jahresende stellen Unternehmen erfahrungsgemäß weniger neue Beschäftige ein. Zudem gibt es in der kalten Jahreszeit weniger Außenjobs etwa im Baugewerbe oder der Landwirtschaft.
Behördenchefin Nahles ist vorsichtig optimistisch
Für 2026 erwartet Nahles angesichts der konjunkturellen Prognosen eine leichte Erholung auf dem Arbeitsmarkt. „Nimmt die Wirtschaft Fahrt auf, erholt sich auch der Arbeitsmarkt mit zeitlicher Verzögerung“, sagte die Chefin der Bundesagentur. Im Jahresverlauf sei dann erstmals seit drei Jahren ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit möglich – jedoch nicht vor Mitte 2026.
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