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Wer dreht ab? Die Energiefrage stellt sich jetzt

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Wenn Gas und Geld zu Waffen werden, sollte sich Europa jetzt auf einen kalten Winter einstellen. Denn nicht nur die EU könnte die Energielieferungen aus Russland stoppen.

Die stark gestiegenen Energiepreise sorgen dafür, dass Verbraucher Einsparmöglichkeiten suchen und nutzen.
Die stark gestiegenen Energiepreise sorgen dafür, dass Verbraucher Einsparmöglichkeiten suchen und nutzen.  Foto: Aurel Obreja/AP/dpa

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ruft zum Energiesparen auf. Robert Habeck plädierte in dieser Woche ebenso dafür. Kurzfristig sorgen schon die stark gestiegenen Energiepreise dafür, dass Verbraucher Einsparmöglichkeiten suchen und nutzen.

Doch das wird kaum ausreichen, um über den nächsten Winter zu kommen, sollte aus Russland kein Gas mehr geliefert werden, warnen Experten. Es gilt also, sich vorzubereiten.

 


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Kurzfristig könnten Europa einen Gasstopp verkraften

Wer den Hahn zudreht, das lässt sich derzeit nicht absehen. Die Diskussion aber gewinnt an Fahrt. Russlands Präsident Wladimir Putin hat das Gas als Druckmittel einkalkuliert, wie jüngste Drohungen seines Vize-Regierungschefs zeigen.

Die deutsche Wissenschaftsakademie Leopoldina erklärte daraufhin, es sei für Deutschland möglich, erst einmal ohne russisches Gas auszukommen. Anders sehe das im kommenden Winter aus.

Krieg führen mit dem Geld für Öl und Gas?

Genau aus diesem Grund werden Stimmen lauter, die fordern, dem Kreml-Chef zuvorzukommen. "Der Krieg wird so dramatisch, da bleibt aus vielen Gründen kaum etwas anderes, als die Swift-Blockade auf alle Banken auszudehnen, und damit schalten wir letztlich auch das Öl und Gas selber ab", prognostiziert Bruno Burger, Energieexperte am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg.

Während die EU derzeit eine Milliarde Euro pro Tag an Russland überweise, koste der Krieg Russland ebenfalls schätzungsweise eine Milliarde Euro am Tag, wie Burger ausführt.

 


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Auch der neue Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, forderte in dieser Woche ein Embargo von Energieimporten aus Russland. Die Bundesregierung, allen voran Energieminister Robert Habeck, warnte dagegen wiederholt vor den unabsehbaren volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.

Die Gasspeicher müssen auf jeden Fall aufgefüllt werden

Ob mit oder ohne Importstopp: Der Sommer muss genutzt werden, um mit Flüssiggas aus den USA und anderen Teilen der Welt eine robuste Reserve anzulegen. Ohne gut gefüllte Gasspeicher wären Deutschland und Europa im nächsten Jahr auf jeden Fall erpressbar.

Denn kurzfristig alternative Energiequellen zu erschließen, ist schwierig. Der Ausbau der erneuerbaren Energien braucht Zeit. "Wir können nicht das, was wir in den letzten 20 Jahren verbockt haben, in einem Jahr aufholen", fasst Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU), zusammen.

"Wir müssen über regulatorische Maßnahmen sicherstellen, dass die Gasspeicher mindestens zu 80 oder 90 Prozent gefüllt werden", erklärt Michael Sterner, Leiter der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher in Regensburg.

 


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Allerdings: Der größte Speicher in Deutschland, der allein 20 Prozent der Reserve vorhalten kann, gehört zur russischen Gazprom. Weitere Kavernen sind ebenfalls in russischer Hand. Sie wurden im vergangenen Sommer nicht wie üblich aufgefüllt - weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Immerhin wäre es nun wohl auch möglich, Pipelines, die üblicherweise Gas Richtung Spanien transportieren, in entgegengesetzter Richtung zu nutzen.

Abhängigkeit von Russlands Gas ist groß

Während Litauen oder Polen ihre Abhängigkeit von russischem Gas in den vergangenen zehn Jahren sukzessive auf Werte um und unter 50 Prozent reduzierten, erhöhte Deutschland seinen Importanteil aus Russland stetig auf nun 55 Prozent.

Zusammengenommen bezieht die EU Erdgas zu mehr als 40 Prozent aus Russland. Norwegen, woher ein Viertel der Importe stammt, ist mit seinen Kapazitäten bereits am Limit. Als Ersatzlieferanten kommen Länder in Afrika sowie die USA infrage.

Darüber hinaus komme man ums Energiesparen nicht herum, warnen die Experten. Es sei kaum zu verhindern, dass im Fall der Fälle Strom und Gas für die vielen Heizungen und Industriebetriebe in Deutschland knapp würden. Es gelte also, jetzt die Prioritäten neu zu setzen, sagt Sterner. "Wir haben viel Aufmerksamkeit für Digitalisierung und IT, aber wir sehen jetzt mit der Ukraine, was essenziell ist: dass ich Energie habe."

 

 
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