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Maschinenbauer mit vollen Auftragsbüchern und unklarer Perspektive

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Unternehmen sind angesichts der schnellen Abfolge verschiedener Krisen zunehmend vorsichtig. Wenn die Preise weitergegeben werden können, erwarten sie aber ein gewinnbringendes Geschäft. Sorgen bereitet der Blick nach China.

Der Stau an Frachtschiffen vor Schanghai macht der Wirtschaft weltweit zu schaffen. Verlierer könnten auch die Chinesen sein, schätzt der VDMA.
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Der Stau an Frachtschiffen vor Schanghai macht der Wirtschaft weltweit zu schaffen. Verlierer könnten auch die Chinesen sein, schätzt der VDMA. Foto: dpa  Foto: DPA-IMG

Die Maschinenbauer in Baden-Württemberg sehen sich "einer nie dagewesenen Kette an Herausforderungen" gegenüber, wie der Vorsitzende des VDMA-Landesverbands, Mathias Kammüller, am Mittwoch im Gespräch mit Pressevertretern erklärt. Wie sich die Geschäfte in diesem Jahr tatsächlich entwickeln, ist wohl erst ab Mitte des Jahres abzusehen. Denn derzeit sind die Auftragsbücher noch außerordentlich gut gefüllt.


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Chips bleiben Mangelware

Für elf Monate reichen die derzeitigen Auftragsbestände im Schnitt und damit bis ins Jahr 2023, berichtet Dietrich Birk, Geschäftsführer des Maschinenbauer-Verbands in Baden-Württemberg. Doch gleichzeitig stehen weiterhin fast fertig produzierte Maschinen bei den Unternehmen, weil wichtige Teile fehlen.

Vor allem Halbleiterchips bleiben in diesem Jahr wohl dauerhaft Mangelware. Selbst ein Maschinenbauer wie Trumpf, an dessen Spitze Kammüllers Frau Nicola Leibinger-Kammüller steht, müsse bei den Chipherstellern schon Druck ausüben, um beliefert zu werden, erzählt Kammüller.

Prognose im vergangenen Jahr wurde klar verfehlt

Mit Prognosen halten sich die Maschinenbauer im Südwesten traditionell zurück. Der Bundesverband hatte Anfang des Jahres ein Produktionsplus von vier Prozent vorhergesagt. Doch die war im Februar schon reduziert worden und ist nach Kriegsbeginn in der Ukraine und dem Lockdown in China längst überholt, wie Birk erläutert.

Von den einmal erwarteten zehn Prozent Umsatzplus im vergangenen Jahr blieben am Ende auch nur 3,5 Prozent übrig.

Thema China. Kammüller sieht den Lockdown in der Metropole Schanghai und die Corona-Politik des Landes insgesamt als einen Faktor, der nicht nur der deutschen Industrie schade. Er erwarte eine Schwächung der chinesischen Wirtschaft insgesamt und insbesondere der chinesischen Maschinenbaus.

Auch deutsche Unternehmen von chinesischer Politik betroffen

"Der chinesische Export ist massiv gebremst." Bei den Hightech-Maschinen und im mittleren Preissegment könne und müsse die deutsche Industrie deshalb weiter punkten. Doch natürlich seien auch die Unternehmen in Deutschland über die unterbrochenen Lieferketten betroffen.

Weiterhin wollen die Maschinenbauer daran arbeiten, bestimmte Vorprodukte vermehrt von europäischen Lieferanten zu beziehen anstatt aus China. Die Beziehungen mit China komplett zu überdenken könnten sich die deutschen Unternehmen aber nicht leisten.

"China ist mit über 50 Prozent Anteil der größte Weltmarkt für Werkzeugmaschinen. Diesen Markt können wir nicht auslassen, auch wenn es dort massive Menschenrechtsverletzungen gibt", so Kammüller.

Konsequenzen habe man in Russland gezogen. Dort hätten sich die meisten Unternehmen komplett zurückgezogen, obwohl die Sanktionen dies teils nicht erforderten. Einige würde das hart treffen, für die Branche sei es zu verkraften. Auch ein Ölembargo unterstützt der Verband und lobt die Arbeit von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Können die Preise weitergegeben werden?

Neben den Lieferketten bleiben Preissteigerungen ein bestimmendes Thema. Die Aufschläge bei Metallen, Elektronik und sonstigen Rohstoffen können häufig nicht weitergegeben werden. "Grundsätzlich kommen Unternehmen mit kurzen Lieferzeiten besser damit zurecht als die mit langen", erklärt Kammüller. Nachverhandlungen bei Preisen seien bisher nicht üblich gewesen. Künftig müssten Unternehmen aber wohl häufiger das Gespräch mit den Kunden zu suchen.

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