„Wie Schwerverbrecher abgeführt“ – VfB-Fan berichtet über strenge TSG-Sicherheitskontrollen
Stuttgarter Fans wurde beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim der Zutritt in die Sinsheimer Arena verwehrt – offenbar auch wegen eines VfB-Schlüsselanhängers. Das Vorgehen sorgt für Verärgerung.
Ein Stadionbesuch ist oft mit Euphorie und Gänsehaut verbunden. So erging es auch einigen Fans des VfB Stuttgart beim Bundesliga-Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim – allerdings mit einem bitteren Beigeschmack.
Die strengen Zutrittskontrollen sorgten bei den VfB-Anhängern für Unmut. Kinder mit Fanutensilien der Stuttgarter wurden nicht ins Stadion gelassen.
„Wie Verbrecher abgeführt“ – Fans des VfB Stuttgart kritisieren TSG Hoffenheim
Michael Lipp, 58 Jahre alt und aus Fellbach, erlebte am vergangenen Sonntag in der Prezero-Arena Ähnliches – zusammen mit seiner Nichte und zwei Bekannten. „Wir waren beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen den VfB im Stadion. Beim ersten Versuch, hineinzukommen, wurden wir von den Sicherheitsleuten abgewiesen“, erzählt er der Heilbronner Stimme.
Der Grund: das Tragen eines VfB-Schals und einer schwarzen Jako-Jacke, die der Ausstattung des VfB ähnlich sieht. Seine Tickets hatte Lipp für Block Q, den die TSG als Heimfanbereich ausweist.
VfB-Fan kommt erst mit TSG-Hoodie in Sinsheimer Arena – „So etwas noch nie erlebt“
Lipp und seine Nichte reagierten kooperativ, berichtet er. „Wir sind dann in den Hoffe-Fanshop gegangen und haben uns jeweils einen TSG-Hoodie gekauft. So durften wir schließlich ins Stadion.“ Weniger Erfolg hatte Lipps Begleiter: „Er trug neutrale Kleidung, wurde aber wegen seines VfB-Schlüsselanhängers nicht reingelassen“, beklagt der 58-Jährige. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“
Als bekennender VfB-Fan besucht Lipp regelmäßig die Heimspiele in der Stuttgarter MHP-Arena. Strenge Kontrollen dieser Art seien ihm dort noch nie aufgefallen. „Da sitzen Leute mit Gästefan-Kleidung über der Cannstatter Kurve (Ultrasektion des VfB). Die werden reingelassen und nicht rausgeschickt.“
Anders lief es in der Hoffenheimer Prezero-Arena: „Wer bei VfB-Fangesängen mitsang oder beim Tor jubelte, wurde von den Sicherheitskräften aus dem Block geschickt“, berichtet Lipp. Er und die umstehenden Fans hielten sich daraufhin zurück. „Es war erschreckend“, ordnet er ein. „Die Fans haben viel Geld bezahlt, reisen von weit her an – und werden dann aus den Blöcken wie Schwerverbrecher abgeführt und rausgeworfen.“ Dass sogar Kinder betroffen waren, erfuhr er aus einem Bericht der Heilbronner Stimme. „Das ist natürlich sehr, sehr traurig – wenn selbst Frauen und Kinder wie Verbrecher behandelt werden.“

TSG Hoffenheim: Sicherheitskräfte handeln nach Stadionregeln rechtens
So befremdlich das Vorgehen für die betroffenen Fans erscheinen mag, es entspricht der Stadionordnung der TSG Hoffenheim. In Paragraf 11 der AGB heißt es: „Da der Club aus Sicherheitsgründen zur Trennung der Fans gegnerischer Mannschaften verpflichtet ist, ist Fans der jeweiligen Gastmannschaft oder Personen, die aufgrund ihres Verhaltens oder äußeren Erscheinungsbilds als Fans der Gastmannschaft angesehen werden können (‘Gästefans’), aus Sicherheitsgründen der Zutritt zum und/oder der Aufenthalt im Heimbereich nicht gestattet.“ Mit dem Kauf von vier Tickets für Block Q befand sich Lipp also offiziell im Heimbereich – das Vorgehen der Sicherheitskräfte war somit regelkonform.
Auf der mobilen Eintrittskarte ist diese Regelung jedoch nicht direkt ersichtlich. Erst durch einen Klick auf den Reiter Ticketinformationen gelangt man zu den Veranstaltungsrichtlinien, wo sich ein Link zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der TSG findet. Wer diese Informationen nicht aktiv sucht, erfährt die Regel möglicherweise erst beim Einlass oder – im schlimmsten Fall – beim Rauswurf. Die TSG betont, dass mit dem Erwerb eines Tickets die Stadionordnung als akzeptiert und gelesen gilt.
TSG Hoffenheim steht hinter Sicherheitsunternehmen und Regelungen
„Wir weisen darauf hin, dass wir die Fantrennung in diesem Bereich nicht aus Schikane durchführen, sondern dass sie der ordnungsgemäßen Durchführung der Veranstaltung und dem Schutz aller Zuschauer dient“, teilt die TSG Hoffenheim auf Anfrage der Heilbronner Stimme mit.
Der Verein selbst gibt an, seit Bestehen der Arena mit dem gleichen externen Sicherheitsunternehmen zusammenzuarbeiten. Die Qualifikation der Mitarbeiter werde vom DFB geprüft. Die Vorgaben und Maßnahmen bei diesem Spiel seien dieselben wie beim vergangenen Aufeinandertreffen mit dem VfB gewesen.
„Es gab diesbezüglich keine Verschärfung“, teilt der Verein mit. Weiter heißt es: „Grundsätzlich gibt es die Anweisung an den Ordnungsdienst, stets freundlich und lösungsorientiert zu handeln. Zu Einzelfällen, in denen dies möglicherweise nicht der Fall war, können wir keine Aussage treffen.“
Verständnis für Regelungen, aber Kritik an strenger Umsetzung
Lipp zeigt Verständnis für eine solche Regelung, kritisiert jedoch die strenge Umsetzung: „Wir sind alle erwachsene Menschen. Keiner von uns hat randaliert. Dennoch so hart durchzugreifen, ist einfach übertrieben.“ Er ergänzt: „Bei Gewalt ist eine solche Regelung natürlich sinnvoll und wichtig.“
Nach dem Vorfall wandte sich Lipp an den Fanbetreuungs-Service der TSG und forderte eine Rückerstattung für das Ticket seines Begleiters, der wegen des Schlüsselanhängers abgewiesen worden war. Die Antwort des Vereins: „Eine Rückerstattung des Ticketpreises wird nicht erfolgen, da gemäß der Stadionordnung der Ticketkäufer keinen Anspruch auf Entschädigung hat, wenn er gegen diese verstößt.“
„Es ist einfach nur traurig“, sagt Lipp. „Es sollte ein Fußballfest werden. Und wenn keine VfB-Fans im Stadion gewesen wären, wäre es vermutlich leer gewesen.“
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