Nach VfB-Spiel: Schafft den Fußball-VAR ab – er zerstört die Magie des Moments
Ja, der Video-Schiedsrichter hat statistisch für mehr Gerechtigkeit in den Fußballstadien gesorgt. Auch beim VfB-Spiel in Heidenheim. Aber der Spaß an der Sache geht kaputt, findet unser Autor.
Es war spät geworden im Heidenheimer Stadion. Die TV- und Radio-Interviews über Sinn und Unsinn des Video-Schiedsrichters (VAR) hatten einiges an Zeit beansprucht. Sebastian Hoeneß, der Trainer des VfB Stuttgart, war nach dem 3:3 seines Teams erzürnt. Er sah eine klare Benachteiligung durch den VAR. Das war dann auch in der abschließenden Pressekonferenz das Hauptthema.
Als Hoeneß einmal mehr sein Unverständnis über diverse Szenen des Spiels beim 1. FC Heidenheim geäußert hatte, sagte sein Trainerkollege Frank Schmidt einen wichtigen Satz über all die Aufgeregtheiten und Diskussionen des Sonntagabends: „Das ist der Grund, warum die Stadien so voll sind, warum der Fußball so schön ist, dass man dann über solche Dinge reden kann.“ Nichts polarisiert die Massen so sehr wie König Fußball. Nichts anderes nimmt so viele Menschen emotional mit. Es ist ein Spiel zwischen Himmel und Hölle, Triumph und Tragödie, Jubel und Jammer.
Nach Torklau beim VfB Stuttgart : Schafft den VAR wieder ab
Es ist ein Spiel, das ganz wesentlich von den Gefühlseruptionen des Moments lebt - genau deshalb ist der VAR ein großes Übel. Die pseudowissenschaftliche Gerechtigkeitssuche hat insgesamt eine gute Bilanz, ja. Dazu gibt es Zahlenmaterial. Es werden viele Fehlentscheidungen revidiert. Aber es gibt eben auch VAR-Eingriffe, bei denen der Fußball vermeintlich millimetergenau vermessen wird und hinterher irgendwelche Linien und Computergrafiken das Falsche vom Richtigen trennen wollen, aber sie zerstören den Kern des Spiels, die Unmittelbarkeit der Emotionen.
Lasst doch lieber dem Fußball seinen Lauf, manchmal ungerecht, manchmal vom Schiedsrichter jämmerlich verpfiffen, aber authentisch. Es traut sich doch heutzutage keiner mehr, unbeschwert ein Tor zu bejubeln. Es könnte sich sogleich der VAR melden! Es könnte alles revidiert werden. So macht der Stadionbesuch keinen Spaß mehr. Lasst den Fußball wieder fehlerhaft sein, lasst uns die Ungerechtigkeiten genießen, weil sie - wie es Frank Schmidt gesagt hat - der Grund sind, dass der Fußball prickelt, dass er so anziehend ist für die Massen. Der VAR ist ein immens aufwändiges Getue, das den Moment zerstört. Schafft ihn wieder ab.
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