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VfB-Fans in Europa unerwünscht – ein großes Problem und viele Beteiligte

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Auswärtsfans sind in Europa nicht mehr gerne gesehen. Ein Problem, zu dem alle Beteiligten – von Fan bis Verband – ihren Teil beitragen. Die VfB-Anhänger haben es mehrfach erlebt.


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Gäste sind nicht willkommen. König Fußball schließt die Türen für Fans und Kultur in Europa. Gastfreundschaft ist nur noch eine Plattitüde. Das erleben die Fans des VfB Stuttgart auf vielen Reisen. Ob in der Champions League in Belgrad oder in der Europa League in Istanbul, Deventer und nun in Rom, wo es am Mittwochabend zu einer Gewalt-Attacke auf VfB-Anhänger kam

Die Fans des VfB Stuttgart haben sich auf Europa gefreut. „Nach all der Scheiße geht’s auf die Reise“, lautete das Motto, das nun umgeschrieben werden darf: „Auf jeder Reise erlebt man Scheiße“ wäre treffender. Dabei nehmen die Anhänger, ob Fan oder Ultra, ob vom VfB Stuttgart oder anderen Vereinen, einen großen Aufwand in Kauf, um ihr Team auch in der Ferne zu unterstützen. Schikane ist an vielen Stellen die Belohnung. Doch warum? Alle Beteiligten tragen ihren Teil dazu bei.

Wieder Auswärtsvorfall beim VfB Stuttgart: Ein Problem, viele Beteiligte

Die UItras: In der Cannstatter Kurve der MHP-Arena prangerte wieder der Spruch, ganz Stuttgart würde die Polizei hassen. Eine Hundertschaft im Einsatz gilt bei Ultras als Provokation. Die Anti-Einstellung der Ultras gegenüber Behörden, Auflagen und allem, was nicht zum eigenen Bild passt, fördert das Miteinander nicht. Gewalttaten kommen in der Regel auch eher aus dem Umfeld der organisierten Fanszene, ohne es zu pauschalisieren. Nicht alle sind gleich, nicht alle gewaltbereit. Meist ist es ein kleiner Teil. Auch in Rom waren es vermutlich Hooligans, die ihr Revier markieren wollten. Solche Vorfälle gibt es nicht nur in Italien, sondern auch andernorts in Europa. Der kleine Teil wirft allerdings ein schlechtes Bild auf die breite Masse in den Kurven der Stadien, die sonst so stimmungsvoll sind und für spektakuläre Choreos sorgen. 


Die Behörden: Auflagen der Städte machen es nicht immer einfacher. Vorurteile noch weniger. Weil einmal etwas vorgekommen ist, muss es nicht wieder passieren. Deeskalation sollte im Vordergrund stehen, Schlagstock-Hiebe zur Begrüßung zählen nicht dazu. Die Polizei ist da, um Ordnung zu wahren und Sicherheit zu gewährleisten. Wenn schon im Vorfeld Warnungen an auswärtige Fans kursieren, beginnt das Unbehagen und die Anspannung bereits Tage vor dem Ereignis. Informieren ja, aber der Ton macht die Musik. Oft wird anreisenden Fans schon vorab ein Zwischenfall unterstellt. Auch die VfB-Fans können davon ein Lied singen. Restriktionen und Gewalt seitens der Polizei in Richtung Fans wie in Deventer und Belgrad sind skandalös und deplatziert. Klar ist aber auch: Die Polizei muss einschreiten, bevor etwas geschieht.

Fans und Medien: Ultras und Fans sind zwei unterschiedliche Gruppen. Beide sind Fans, haben aber durchaus ein anderes, teils intensiveres Grundverständnis. Der Fingerzeig der Stadiongänger bei Problemen geht oft in Richtung UItras, doch auch der „Normal-Fan“ trägt seinen Teil zum Problem der Fankultur und Auswärtsfahrten in Europa bei. Der übermäßige Konsum, der die Sportart zu König Fußball macht, sorgt für die Machtstellung, die das runde Leder nunmal hat. Fußball ist groß genug, um teilweise auch die Politik zu beeinflussen. Das sollte keine Sportart können. Das Interesse der breiten Masse macht es möglich. Sogar während Corona-Zeiten bekam der Fußball eine Sonderstellung. Und da kommen auch die Medien ins Spiel, denn wenn das Interesse vorhanden ist, ist es die Berichterstattung wert. So fördert eine Seite die andere – und am Ende profitiert der Fußball, der machen kann, was er will.

Die Vereine und Verbände: Die Vereine verschreiben sich der Professionalisierung. Zensur, Exklusivität und die Steuerung des Informationsflusses sind an der Tagesordnung. Das Saubermann-Image will gepflegt sein. Ecken und Kanten gibt es viel zu selten. Beispiel VfB Stuttgart: Deventer und Belgrad wurden zwar einmal deutlich angesprochen, in der Öffentlichkeit aber auch nicht mehr groß aufgegriffen. Gerade eingeschlafene Hunde müssen auch nicht mehr geweckt werden. Viel schlimmer, und mitunter die größte Wurzel des Problem-Baums, sind die Verbände. Der DFB, als einer der mitgliederstärksten Verbände der Welt, hält sich raus. Nicht zuständig. Auf die Uefa trifft das Bild der drei Affen am besten zu: Wollen nicht hören, nichts sehen und schon gar nichts dazu sagen. Anfragen werden nicht beantwortet. Verantwortung weitergeschoben. Wenn es um das Geld geht oder um die eigenen Vorteile ist die Uefa schnell laut. Geht es um die Basis und das Miteinander pflegt der europäische Laden, der an Kopfschüttel-Momenten nur von der Fifa übertroffen wird, populistische Floskeln. Belgrad, Deventer, Istanbul und auch Rom – dafür sieht sich die Uefa nicht zuständig, obwohl sie der Veranstalter des Wettbewerbs sind. Verrückte Welt. 

Mehr Miteinander in Europa – Gegner im Fußball nur auf dem Platz

Auswärtsfans sind nicht mehr nur nicht willkommen. Es scheint fast so, als seien sie auch unerwünscht. Dazu tragen genannte Beteiligte alle einen Teil bei, und noch viele weitere, wie die Politik und auch Nicht-Fußball-Fans. Das große Problem: Es ist ein Kreislauf, der kein Ende findet. Ein Zurück gibt es wohl nicht mehr, dafür vielleicht einen großen Knall?

Es bleibt zu hoffen, dass der Rums ausbleibt. Dass Fußballabende im Europapokal wieder zu einem die Menschen verbindenden Fest werden. Ohne im Vorfeld Angst zu schüren und am Spieltag Schikane zu erleben. Dass es anders geht, haben Spiele wie in Madrid gezeigt. Auch die EM 2024 in Deutschland. Der Lösungsvorschlag: Etwas mehr friedliches Miteinander um die Spiele herum und das Gegeneinander auf dem Platz austragen lassen.

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