Süßer Sieg der Sport-Union Neckarsulm mit einem bitteren Beigeschmack
Ein souveräner Auftritt beschert dem Neckarsulmer Handball-Bundesligisten gegen die Bad Wildungen Vipers zwei wichtige Punkte. Doch Union Halle-Neustadt verdirbt den perfekten Abend.

Es hätte alles so schön, so perfekt sein können: Mit einem Heimsieg gegen die HSG Bad Wildungen Vipers zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf sammeln, sodann zugleich einen direkten Konkurrenten in Richtung 2. Bundesliga schicken und selbst zum ersten Mal seit dem zweiten Spieltag für mindestens eine Nacht aus der Abstiegszone springen. Vorhaben Nummer eins und Vorhaben Nummer zwei sind Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm am Samstagabend gelungen. Vorhaben Nummer drei allerdings nicht.
Trotz eines ungefährdeten 35:27 (17:10)-Erfolgs gegen die Vipers aus Südhessen, die dadurch zwar noch nicht rechnerisch, wohl aber der eigenen Wahrnehmung nach, abgestiegen sind, bleibt die Neckarsulmer Mannschaft mit ihrem Trainer Thomas Zeitz und 10:38 Punkten vorerst auf Abstiegsplatz zwölf.
Im Tabellenkeller bahnt sich ein Herzschlagfinale an
Denn der SV Union Halle-Neustadt, der sich am Freitag von Trainer Till Wiechers getrennt hatte und im Saisonendspurt nun von Sportdirektor Jan-Henning Himborn betreut wird, teilte sich mit dem bisherigen Tabellenzweiten Borussia Dortmund beim 30:30 (18:19) die Punkte und bleibt somit dank nun 11:37 Zählern in der Tabelle knapp vor der Sport-Union. So süß der eigene Erfolg also auch schmeckte, so bitter war der Beigeschmack, nachdem das Ergebnis aus Halle an der Saale in Neckarsulm die Runde gemacht hatte.
Die Lage im Tabellenkeller spitzt sich somit zwei Spieltage vor dem Saisonende immer weiter zu. Mit einem Auswärtssieg im NRW-Duell bei Bayer 04 Leverkusen könnte der personell angeschlagene Aufsteiger HSV Solingen-Gräfrath am Sonntagnachmittag wieder an der Sport-Union vorbeiziehen und aus dem Rennen um den Klassenerhalt zwei Spieltage vor dem Saisonende endgültig ein Herzschlagfinale machen.
Voller Fokus auf die HSG Blomberg-Lippe
„Wir hatten Ende Februar noch vier Punkte. Damals konnte man nicht unbedingt davon ausgehen, dass wir – wie jetzt – wieder mittendrin statt nur dabei sind“, ordnete Thomas Zeitz die Lage im Tabellenkeller ein und prophezeite noch bevor er den Endstand aus Halle kannte: „Die bekommen nach dem Trainerwechsel jetzt noch einmal einen Schub.“
Er und die Mannschaft wollen ungeachtet der Konkurrenz jedoch weiterhin einen Schritt nach dem anderen gehen. Das schwere Auswärtsspiel am nächsten Samstag beim Tabellenfünften HSG Blomberg-Lippe vorzeitig abzuhaken und sich mit vollem Fokus auf das vermeintliche Endspiel um den Klassenerhalt am letzten Spieltag gegen den HSV Solingen-Gräfrath zu konzentrieren, kommt für den Trainer nicht in Frage: „Es ist top, dass wir uns in den vergangenen Wochen in diese Situation gebracht haben, aber wir können trotz dessen jetzt nicht sagen ‚Das Blomberg-Spiel schenken wir ab‘. Wir sind in einem Flow und in dem Flow möchte ich bleiben!“
Abwehrarbeit macht den Unterschied
Wie gut so ein wenig angesammelter Rückenwind tun kann, bekamen die seit nun zwölf Partien sieglosen Bad Wildungen Vipers am Samstagabend in der Ballei-Sporthalle schnell zu spüren. Ohne spielerisch den allerbesten Tag erwischt zu haben, ließ die Sport-Union den von Neckarsulms ehemaligem Trainer Mart Aalderink betreuten Gästen kaum eine Chance.
Obwohl die Sport-Union nur selten ins Tempospiel fand stand nach 20 Minuten bereits ein 12:5 auf der Anzeigetafel, denn die aufmerksamen Zeitz-Schützlinge hatten beinahe jeden technischen Fehler ihrer Gäste ausgenutzt.
Den Unterschied machte neben der Chancenverwertung vor allem die tolle Neckarsulmer Abwehrarbeit. Spielführerin Sharon Nooitmeer und vor allem Kim Hinkelmann isolierten im Verbund mit der omnipräsenten Nina Engel über weite Teile der ersten Hälfte die favorisierte linke Angriffsseite der Vipers und störten mit ihrem aggressiven Herausschieben Norma Goldmann und Spielmacherin Anika Hampel, die trotz ihres ausgerenkten Zeigefingers mit einer bandagierten Hand spielte, immer wieder empfindlich.
Mart Aalderink sieht eine zu nervöse Mannschaft
Weil Engel über die gesamte Spielzeit auch im Angriff kaum etwas verwarf und Amber Verbraeken mit sechs Toren von der Siebenmeter-Linie zu gefallen wusste, konnte die Sport-Union ihren Sieben-Tore-Vorsprung zur Pause (17:10) nach dem Wiederbeginn souverän verwalten. Ohne zu brillieren, aber auch ohne aus dem Tritt zu geraten und ohne an die letzten Kraftreserven zu müssen.
„Das Spiel war rückblickend eigentlich nach 13 oder 14 Minuten gelaufen, weil wir den großen Vorsprung von Neckarsulm nicht mehr aufholen konnten“, sagte Bad Wildungens Trainer Mart Aalderink niedergeschlagen. „Wir sind einfach zu nervös gestartet. So ein Spiel wird nicht durch taktische Dinge, sondern mit Konzentration, Wille und Kampfgeist entschieden, und das war bei Neckarsulm heute einfach ein bisschen mehr vorhanden.“
Eine ausführliche Berichterstattung folgt.
Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (7 Paraden); Salamakha (2 Paraden) – Verbraeken (8/6), Hoitzing, Engel (12), Nooitmeer (3), Smits, Riner (3); Bruggeman, Gorb, Pollakowski (3), Hinkelmann (2), Andrysková (1).
Erfolgreichste Werferinnen HSG Bad Wildungen: Anouk Nieuwenweg (8/4), Anika Hampel (6/1).
Schiedsrichter: Jan Lier/Manuel Lier.
Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 6/6; HSG Bad Wildungen: 6/11.
Zeitstrafen: 1/0.
Zuschauer: 1051.
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