SGV Freiberg hadert mit dem Scheitern – „in einer Woche alles kaputtgemacht“
Beim SGV Freiberg wissen alle, welch große Aufstiegschance die Mannschaft verpasst hat. „Wir waren so nah dran und sind jetzt so weit weg“, sinniert der Sportliche Leiter Mario Estasi.
Das Stück Pizza mit einer einsamen Scheibe Salami darauf, es wurde kalt. Denn Mario Estasi kam am späten Mittwochabend vor dem Mannschaftsbus des SGV Freiberg gar nicht zum Essen.
Der Sportliche Leiter musste Fragen beantworten. Antworten finden, die so schmerzhaft daher kamen wie die 90 Minuten davor bei der 0:4-Klatsche im Regionalliga-Spitzenspiel bei der SG Sonnenhof Großaspach.
Bittere Niederlage gegen Großaspach lässt Aufstiegsträume des SGV Freiberg platzen
„In einer Woche hast du alles kaputtgemacht“, sagte Estasi über den Drittliga-Aufstieg, der vor drei Spieltagen noch so realistisch erschien. „Wir waren so nah dran und sind jetzt so weit weg“, sinnierte Estasi über die eigentlich beste Saison der SGV-Freiberg-Geschichte, die sich nun so überhaupt nicht danach anfühlt.
Drei Niederlagen in Serie haben aus drei Punkten Vorsprung im Meisterrennen der Regionalliga sechs Punkte Rückstand auf Großaspach werden lassen. Eigentlich sind es deren sieben, wenn man das Torverhältnis noch dazu nimmt, das um 15 Treffer besser für Aspach ausfällt. Es benutzte dann auch keiner der Freiberger irgendwelche Durchhalteparolen im Meisterrennen.
Der Glaube ans Wunder, er ist nicht mehr da bei Freiberg
„Ich glaube nicht, dass sich Großaspach das jetzt noch nehmen lässt“, sagte Estasi: „Es passieren im Fußball ja viele Wunder, aber das Wunder…“ Bei einer weiteren Niederlage an diesem Samstag (14 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 II könnten dann auch schon endgültig alle Freiberger Aufstiegs-Rechenspiele beendet sein. „Wenn du nicht einmal aufs Tor schießt, dann kannst du auch keine Spiele gewinnen“, hatte es kurz davor Trainer Kushtrim Lushtaku ausgedrückt: „Du musst hier mit Eiern spielen.“
Freiberg hatte in Durchgang eins dominiert, ohne daraus Kapital zu schlagen. „Fußball wird bis zum Tor gespielt und nicht bis knapp nach der Mittellinie“, sagte Kapitän Marco Kehl-Gomez über das eine gravierende Freiberger Problem. Das andere stand am Mittwochabend im Tor. Der ärmste Tropf des Tages wollte lieber nichts sagen. Wie soll man so ein Spiel auch erklären?
Es hatte ja auch jeder der 6015 Zuschauer die Patzer von Torwart Benedikt Grawe gesehen. Der Fehlpass vorm 0:1 durch Fabian Eisele (38. Minute), den verschuldeten Foulelfmeter zum 0:2 (42.), auch beim 0:4 (78./Maier) machte Grawe keine gute Figur. Beim Aspacher 3:0 (55.) durch Rahn war er machtlos. „Unser Torwart hat einen Blackout gehabt, das ist ihm so das erste Mal passiert.
Die aufeinanderfolgenden Patzer haben uns komplett gekillt“, sagte Kushtrim Lushtaku über Grawe, der eigentlich eine starke Saison spielt. In zehn Partien ohne Gegentreffer blieb. Den Freibergern ist im Endspurt der Saison die Stabilität abhanden gekommen. „Jetzt haben wir in drei Spielen neun Gegentore gekriegt, die haben wir gefühlt in der ganzen Hinrunde nicht kassiert“, hat Mario Estasi erkannt.
Der Gewinner kriegt alles, der Verlierer Freiberg nun nichts
Während aus der Aspacher Kabine laut die Musik von Andrea Berg dröhnte, hielt sich der Sport- und Gesangsverein an die Stille. Passend wäre „Abba“ gewesen: Der Gewinner kriegt alles. Der Verlierer steht ganz klein daneben. „Platz zwei hat noch nie jemandem was gebracht“, sagte Kapitän Marco Kehl-Gomez. Der Zweite ist immer gefühlt der erste Verlierer.
„Es ist schon bitter, so eine Riesenchance für den Verein herzugeben als Mannschaft“, sagte Estasi über die am Mittwochabend im wahrsten Sinn des Wortes chancenlose SGV-Mannschaft. Die Riesenchance, sie wäre die 3. Liga gewesen. In den vergangenen Jahren spielten die Freiberger oben mit, ohne tatsächlich aufsteigen zu können. Dieses Mal hat der Verein seine Hausaufgaben gemacht, ein passendes Stadion in Heilbronn gefunden. Doch in den entscheidenden Prüfungen war Freiberg sportlich nicht gut genug.
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