Spannung bei den Red Devils Heilbronn bleibt − dank Fritsch

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Mit viel Kampfgeist gelingt den Red Devils Heilbronn im Playoff-Viertelfinale gegen Kleinostheim eine Aufholjagd zum 12:12.

Mit dem Überlegenheitssieg von Abdolmohammad Papi kommt die Hoffnung zurück. "Er hat uns gerettet", sagt Devils-Cheftrainer Adam Juretzko.
Mit dem Überlegenheitssieg von Abdolmohammad Papi kommt die Hoffnung zurück. "Er hat uns gerettet", sagt Devils-Cheftrainer Adam Juretzko.  Foto: Veigel, Andreas

Als ob sich ein unsichtbares Gatter öffnet, stürmen alle los. Ihm entgegen. Strahlend wendet er sein von der Anstrengung gezeichnetes Gesicht, genießt den Moment. Begleitet von lautem Jubel, Geschrei und stehenden Ovationen von der Tribüne umarmen gestandene Mannsbilder ihren Helden. Vorneweg Heilbronns Cheftrainer Adam Juretzko. Kernig-kraftvoll herzt er Robert Attila Frisch, hievt ihn kurz hoch, ehe er binnen Sekunden in einer dichten Traube rot gewandeter, glückseliger Kerle untertaucht.


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Im letzten Kampf des Playoff-Viertelfinales der Red Devils Heilbronn gegen den SC Kleinostheim ermöglicht der Ungar am Samstagabend mit einer enormen Energieleistung sich und seinen Teamkollegen einen wunderbaren Feier-Abend. Zur Halbzeit liegt Robert Attila Fritsch 0:7 gegen den international schon hochdekorierten Jungspund Alexandrin Gutu zurück. Mit einer Mischung aus unbändigem Willen, viel Können und noch mehr Herzblut holt der Europameister auf - und zieht 18 Sekunden vor dem Gong einen Griff zum 8:7-Punktsieg.

Keinen hält es mehr auf dem Sitz

Die Fans toben, keinen hält es mehr auf dem Sitz, denn damit sichert Robert Attila Fritsch dem Heilbronner Bundesligisten noch ein 12:12-Unentschieden, über das Adam Juretzko vor dem Rückkampf am Samstag bei den Unterfranken sagt: "Das werte ich wie einen Sieg, vor allem wegen der personellen Probleme, die wir in den Hinkämpfen haben."

Zur Halbzeit liegen die Red Devils 3:9 zurück. Weil die Klasse bis 57 Kilo einmal mehr unbesetzt bleibt und im Limit bis 66 Kilo das junge Eigengewächs Damian Emin Macun mit seinem fünften Bundesliga-Einsatz in dieser Saison zwar das Vakuum füllt, aber gegen den Weltklassemann Zelimkhan Abakarov ohne Chance ist. Eine schwere Hypothek gegen Kleinostheim, die sich in ernsten Blicken neben der Matte und konzentrierten Gesichtern auf der Matte widerspiegelt.

Der Sieg von Papi ist für das Team motivierend

Der mitgereiste lautstarke Fantrupp des SC dominiert die Szenerie, gelbe Flaggen und Motivation aus dem Megafon auch, als Freistil-Ass Radoslav Baran (bis 98 Kilo) gegen den ausgebufften Magomed Ramazanov seine erste Niederlage (0:2) im Trikot der Red Devils fair akzeptiert und Marius Braun gegen Ex-Teufel Pascal Eisele 1:3 verliert.

Was folgt, beschreibt Marius Braun so: "Es war schon sehr wichtig, dass Papi den Charakter gehabt hat immer weiterzumachen. Das war für alle motivierend." Obwohl den gebürtigen Iraner derzeit private Probleme plagen und er wegen eines erneuten Umzuges nicht trainiert hat, ist er Juniorenmeister Artur Tatarinov technisch überlegen. "Ich habe für Adam gerungen", sagt Papi. Der sagt etwas pathetisch: "Papi hat uns gerettet." Vier Punkte für das Team, die das Publikum aufwecken und einen Domino-Effekt erzeugen.

Robert Attila Fritsch nutzt eine Bodenlage für einen Durchdreher

Zwar unterliegt Ilyas Özdemir mit 0:7, doch stilartenfremd schlägt sich der Tontechniker im Freistil bravourös, gibt nur zwei Mannschaftspunkte ab. "Hut ab, ich hätte nicht gedacht, dass er das Ding so gut über die Zeit bringt. Das war noch unerwarteter als der Sieg von Robert", sagt Marius Braun. Auf den Ungarn kommt es an, nachdem Ramazan Ramazanov mit seinem Überlegenheitssieg vier Zähler aufholt.

Die Trainer Adam Juretzko (M.) und Andrei Puscas (li.) haben den kürzesten Weg, sind in der tosenden Römerhalle die ersten Gratulanten bei Robert Attila Fritsch, der mit seinem Punktsieg das 12:12 gegen Kleinostheim gesichert hat.
Fotos: Andreas Veigel
Die Trainer Adam Juretzko (M.) und Andrei Puscas (li.) haben den kürzesten Weg, sind in der tosenden Römerhalle die ersten Gratulanten bei Robert Attila Fritsch, der mit seinem Punktsieg das 12:12 gegen Kleinostheim gesichert hat. Fotos: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Eben jener Robert Attila Fritsch nutzt Minuten später eine Bodenlage Gutus für einen Durchdreher zum 4:7. "Von da an habe ich geglaubt, dass ich es noch schaffe", sagt der 28-Jährige, "ich wollte es allen zeigen, für die Mannschaft das Beste geben. Es ist ein sehr schönes Gefühl." Sein Blick schweift ab. Dorthin, wo ein geknickter Alexandrin Gutu versucht, das Geschehene irgendwie zu verarbeiten.

Auf Fritsch warten in Ungarn ein paar Stunden Zweisamkeit

Zeit für eine Belohnung bleibt Robert Attila Fritsch nicht. Mit der Mama und seinem Bruder fährt er flugs zurück in die ungarische Heimat. Zehn Autostunden. Sie wechseln sich ab. "Nachtfahrten allein sind zu gefährlich", sagt der Greco-Mann, denn ewig putscht das Glückshormon Adrenalin nicht. Immerhin trifft er am Sonntagnachmittag seine Freundin.

Auch sie ist Ringerin. Wenigstens ein paar wenige Stunden Zweisamkeit als schönste Art der Regeneration. "Am Montag muss ich schon wieder ins Camp mit der Nationalmannschaft und meine Freundin reist ins Trainingslager nach Kirgisistan. So ist Ringen nun mal", sagt Robert Attila Fritsch und setzt doch sein Siegerlächeln auf.

Die Kämpfe

Red Devils Heilbronn - SC Klein-ostheim 12:12

57 kg FS: kein Vertreter - Niklas Stechele 0:4; 61 kg GR: Dovudzhon Toshev - Krisztian Kecskemeti PS 2:0; 66 kg FS: Damian Emin Macun - Zelimkhan Abakatov SS (0:4); 71 kg GR: Abdolmohammad Papi - Artur Tatarinov TÜ (4:0); 75 kgA FS: Ramazan Ramazanov - Aaron Melle TÜ (4:0), 75 kg B GR: Robert Attila Fritsch - Alexandrin Gutu PS 8:7; 80 kg FS: Ilyas Özdemir - Christoph Henn PS 0:7; 86 kg GR: Marius Braun - Pascal Eisele PS 1:3; 98 kg FS: Radoslav Baran - Magomed Ramazanov PS 0:2; 130 kg GR: Eduard Popp - Marc Bonert PS 4:0. red

 
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