Wieder in der Weltspitze: Zwei deutsche Hochspringerinnen nutzen Heilbronn als WM-Generalprobe
Imke Onnen und Christina Honsel zählen in dieser Saison zu den besten Hochspringerinnen weltweit. Bei Hochsprung Heilbronn messen sie sich mit der australischen Vorjahressiegerin Eleanor Patterson.

Die Sache erscheint zunächst widersprüchlich. „Ich mag Heilbronn sehr gerne“, sagt Imke Onnen. Bei dem Hochsprung-Meeting auf dem Marktplatz, das 2023 erstmals ausgetragen worden ist, taucht die 30-Jährige bisher allerdings nicht in den Ergebnislisten auf. Vor ihrer Premiere am Samstag (16.15 Uhr) erklärt Onnen: „Online habe ich stets alles verfolgt – und mittlerweile so was wie ein Familiengefühl mit der Hochsprung-Crew und den Mädels.“
Zwei Deutsche in der Weltspitze hat es schon lange nicht mehr gegeben
Die Norddeutsche weiß, dass die wichtigsten Helfer von Eberstadt nahezu identisch sind mit jenem Team, das nun in Heilbronn die Verantwortung trägt. Was zudem gleich ist: Ein international starkes Starterfeld, der Fokus auf die attraktive Disziplin – und Sprünge mit Musik. „Ich liebe und genieße das immer“, sagt Imke Onnen, deren Bruder Eike einst ebenfalls in Eberstadt mit dabei gewesen ist.
Mit Imke Onnen, die im Juni in Essen mit 1,97 Meter Bestleistung gesprungen ist wie der Olympia-Sechsten von Paris, Christina Honsel, die 1,95 Meter als saisonalen Bestwert vorweist und Nummer fünf der Weltrangliste ist, zählen in dieser Saison gleich zwei deutsche Frauen wieder zur Weltspitze. Das hat es seit längerer Zeit nicht gegeben.
Christina Honsel bestich durch ihre Konstanz
Die 28-jährige Honsel besticht insbesondere durch kontinuierlich hohe Sprünge. „Es ist die stabilste Saison, die ich je hatte“, sagt die Frau, die am Sonntag in Dresden den nationalen Titel gewonnen hat – und nur knapp an 1,97 Meter gescheitert ist. Ein Grund: Nach langwierigen Fußproblemen ist die Wattenscheiderin, die von Brigitte Kurschilgen trainiert wird, endlich wieder fit. Die harte Aufbauarbeit zeigt Wirkung. „Darauf kann ich mich gerade voll verlassen“, sagt Christina Honsel, „und ich bin mir sicher, dass da noch der Ausreißer nach oben kommt.“ Warum nicht in Heilbronn, dem ersten von maximal drei Wettkämpfen vor der Weltmeisterschaft in Tokio Mitte September?
Die Generalprobe ist nicht nur dank der australischen Vorjahressiegerin Eleanor Patterson und Morgan Lake (Großbritannien) bestens besetzt. Christina Honsel hat sich inzwischen daran gewöhnt, zu dem Elitezirkel zu gehören und ihre Nervosität darüber abgelegt. Ein Prozess, der begünstigt durch gute Resultate bei den internationalen Höhepunkten wie der WM in Budapest oder Olympia in Paris, nicht nur die Chance auf wertigere Meetings offeriert, sondern auch für einen mentalen Kick gesorgt hat. Um die gestiegenen eigenen Erwartungen zu erfüllen, aber auch um dem Druck von außen standzuhalten, arbeitet Christina Honsel seit 2019 regelmäßig mit einer Psychologin. „Ich merke, dass es funktioniert“, sagt die Frau im Trikot des TV Wattenscheid.
Imke Onnen hat der Vereinswechsel gutgetan
Auch bei Imke Onnen ist seit diesem Jahr die Leichtigkeit zurück. Zwar ist sie in Dresden Zweite geworden, doch bei den deutschen Meisterschaften hat sie noch die Auswirkungen einer Krankheit gespürt: „Da haben mir noch ein bisschen die Körner gefehlt, ich bin von Sprung zu Sprung erschöpfter geworden.“ Doch auch Imke Onnen weiß seit Monaten um ihre Stärke, die allen voran Stabilität heißt. Der Grund: Die Sportsoldatin hat viel in ihrem Umfeld verändert – und Ruhe reingebracht.
„Ich habe auch an meinem Selbstbewusstsein gearbeitet. Gerade das hat mir super viel gebracht“, sagt Imke Onnen. Gepaart mit dem Wissen, was sie wert ist. „Ich lasse es einfach nicht mehr zu, dass jemand dauerhaft auf meinem Wert herumtritt. Daher auch die Vereinswechsel“, sagt die Athletin, die von Hannover 96 zu Cologne Athletics – einem neuen, aber auch nicht unumstrittenen Verein mit Ablegern in anderen Städten um den früheren Hammerwerfer Claus Dethloff – gewechselt hat.
Onnen ist alleine zu den Wettkämpfen in China gereist
Für Imke Onnen passt die Neuorientierung, weil sie sich wertgeschätzt fühlt und nichts mehr auf ihr Gemüt drückt. „Man kann einfach befreiter springen“, sagt sie und lächelt. „Ich weiß, was ich drauf habe und wenn ich kräftemäßig wieder voll hergestellt bin, kann ich das auch dauerhaft zeigen.“ Viel Spaß macht es Imke Onnen, die von ihrer Mutter Astrid Fredebold-Onnen trainiert wird, inzwischen auch alleine zu Wettkämpfen zu reisen. Wie ihre China-Tour zu den Diamond-League-Meetings in Xiamen und dem Yangtze River Delta Meeting. Momente, die ihr einen Extraschub Selbstbewusstsein gebracht haben, aber auch eine gewisse Lebenserfahrung voraussetzen.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare