Vorwürfe und Stimmen – Nachwehen zum Aus der Neckarsulmer Tischtennis-Männer
Bei der Sport-Union Neckarsulm endet die Ära der Männer im höherklassigen Tischtennis-Ligabetrieb. Vorwürfe und Entgegnungen, Stimmen und Stimmungen zum Aus nach der Saison.

Die Nachrichten, Reaktionen und Telefonanrufe seit dem das Aus der Tischtennis-Drittliga-Männer der Sport-Union Neckarsulm feststeht, Abteilungsleiter Julian Mohr kann sie kaum zählen. Aus Frust werde der eine oder andere seine Vereinsmitgliedschaft kündigen, hat der 29-Jährige erfahren. Julian Mohr will Aussagen des Vereinsvorsitzenden Rolf Härdtner geraderücken, die dieser gegenüber der Heilbronner Stimme getroffen hat.
„Die Tischtennis-Abteilung besteht nicht aus 400 Mitgliedern, sondern aus 200, davon sind 50 Kids. Zudem lebt unser serbischer Spieler Aleksa Gacev in Deutschland, wird deshalb nicht eingeflogen“, sagt der Tischtennis-Abteilungsleiter. Daran sehe man, wie wenig der Vorstand über die Abteilung wisse, findet Mohr. Der bisherige Hauptvereinszuschuss von 40 000 Euro an die Tischtennis-Abteilung entfällt zur Saison 2025/2026, wodurch die Finanzierung der Männer-Drittliga-Mannschaft nicht mehr gewährleistet ist, was im freiwilligen Rückzug resultiert.
Aus der Tischtennis-Männer: Das steckt hinter der Sportförderung Neckarsulm
In die Abteilung fließen nur noch 10 000 Euro aus der Sportförderung Neckarsulm, „einem Förderverein für den Spitzensport“, erklärt Rolf Härdtner als Gründungsmitglied (und damit auch Geldgeber). Darin enthalten sei auch Geld der Stadt Neckarsulm (für Zuschüsse zur Teilnahme an deutschen Meisterschaften, Bundesliga-Fahrten etc.), erklärt Härdtner, das Geld ist demnach an Spitzen- und Leistungssport-Faktoren geknüpft. Von einer abteilungsinternen Rettungsaktion über Spenden, wie von Härdtner vorgeschlagen, hält Julian Mohr nichts. Auch weil die Finanzlage des Hauptvereins zu angespannt sei.
„Wenn jedes Mitglied jetzt schon im Mai eine Sonderzahlung an den Hauptverein leisten muss, eine Erhöhung der Jahresmitgliedsbeiträge auch noch ansteht, dann kann ich doch nicht auch noch eine Sonderumlage in der Abteilung einfordern“, sagt Julian Mohr über eine mögliche Rettung in Zeiten von allgemeinem Sport-Union-Sparzwang. Rolf Härdtner entgegnet: „Etliche Mitglieder in dieser Abteilung sind gar kein Mitglied im Hauptverein, zahlen dementsprechend auch nur einen Abteilungsbeitrag, das ist ein Problem.“
"Nicht nur für den Handball" – Neckarsulmer Tischtennis-Boss Mohr kritisiert Sponsorensuche
Für den Tischtennis-Abteilungsleiter hingegen mangelt es der Sport-Union Neckarsulm an Transparenz und an tragfähigen Strukturen: „Die Geschäftsstelle wurde einst eingerichtet, um Gelder für den Leistungssport zu generieren – und nicht nur für den Handball“, sagt Julian Mohr, der kritisiert, nie bei Sponsorenterminen eingebunden gewesen zu sein. Beim Sponsoren- und Netzwerktreffen der Handball-Bundesliga-Frauen im vergangenen Herbst bei der Genossenschaftskellerei Heilbronn waren laut Sport-Union-Geschäftsführer Hannes Diller aber auch Vertreter der Tischtennis-Abteilung um Julian Mohr eingeladen und anwesend.
Der Etat der Tischtennis-Abteilung schmilzt zur nächsten Saison auf weniger als die Hälfte zusammen. Es fallen neben dem Zuschuss des Hauptvereins auch eigene Sponsoren weg, welche die Männer auf dem Weg in die 2. Bundesliga unterstützen wollten. Zudem Eintrittsgelder. Von insgesamt 55 000 bis 60 000 Euro weniger als bisher spricht der Abteilungsleiter. „Aber wir können uns künftig selbst finanzieren“, sagt Julian Mohr mit Blick auf Jugendarbeit und Drittliga-Frauen: „Wir können jetzt unser eigenes Ding machen.“
Neckarsulmer Tischtennisverein war Vorbild für die Konkurrenz aus Stuttgart
45 Jahre lang spielten die Neckarsulmer Männer auf nationalem Niveau, in der zweit- oder dritthöchsten Liga. Aktuell ist der Verein der einzige in ganz Deutschland, der mit den Frauen und den Männern in der 3. Liga antritt. „Neckarsulm war für mich immer ein Vorbildverein. Das sage ich aus Verbands- und aus Vereinssicht“, sagt Thomas Walter. Der Geschäftsführer von Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) hat als Teamchef jahrelang eine Frauen- und Männer-Drittliga-Mannschaft mitverantwortet, DJK SB Stuttgart. Vor der laufenden Saison wurden die Männer aus der 3. Liga zurückgezogen, spielen jetzt nur noch in der fünftklassigen Oberliga. „Die Budgets sind so hoch geworden. In den vergangenen Jahren haben sich die Drittliga-Etats der Herren nahezu verdoppelt“, sagt Thomas Walter.
Eine Rolle spielt dabei das Regelwerk. Spieler in der Regionalliga (Vierte Liga) dürfen auch noch bei einem ausländischen Club (zum Beispiel Niederlande, Frankreich, Schweiz, Belgien) aktiv sein, in der 3. Liga ist das nicht erlaubt. Wer sich einem Drittligisten anschließt, lässt sich das „Exklusivspielrecht“ dementsprechend vergüten. Wie künftig in Stuttgart, sind nun die SUN-Frauen intern die Nummer eins. Die Stuttgarterinnen führen derzeit das Drittliga-Feld vor Neckarsulm an. Spannend ist nun, wie sich beide Aushängeschilder entwickeln.
Doch zunächst stehen noch drei Doppel-Heimspieltage in dieser Saison an, bis das Aus der Tischtennis-Herren aus Neckarsulm ansteht. Der nächste findet am Sonntag um 14 Uhr in der Ballei statt. Es ist der letzte gemeinsame Auftritt am traditionellen Sonntagstermin für die Tischtennis-Teams der Sport-Union Neckarsulm. Die anderen beiden Doppel-Heimspiele sind auf einen Samstag terminiert.
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