Hohe Sprünge, große Ziele: Joshua und Noah Weinmann setzen Aufwärtstrend fort
Weinmann-Brüder aus Weißbach-Crispenhofen machen beim Seitenwagen-Motocross den nächsten Schritt nach vorne. Die beiden Hohenloher stehen 2024 vor einem vollen Rennkalender mit DM- und WM-Läufen.

Wer beim Seitenwagen-Motocross hoch hinaus möchte, der muss auch auf den mal unangenehm staubigen, mal schwerfällig schlammigen Strecken regelmäßig hoch hinaus, wenn es mit dem Motorradgespann Sprünge über Rampen und Schanzen zu bewältigen gilt. Letzteres ist Joshua und Noah Weinmann in ihrer zweiten vollen Rennsaison regelmäßig gelungen, was im Umkehrschluss ersteres Vorhaben deutlich erleichtert und dem Brüder-Paar Selbstvertrauen und Rückenwind für die Zukunft gibt.
Brüder blicken auf erfolgreiches Jahr 2023 zurück
"Es war definitiv ein erfolgreiches Jahr. Wir haben unsere Ziele erreicht und sind mit unseren Abschneiden sehr zufrieden", sagt Joshua Weinmann stellvertretend für das Duo. Die Saison des 21-jährigen Fahrers und seines drei Jahre jüngeren Bruders und Beifahrers Noah ist inzwischen beendet, nur Joshuas gebrochener und inzwischen wieder gerichteter Ringfinger erinnert noch an den letzten Weltmeisterschaftslauf im französischen Castelnau-de-Lévis.
"Wir haben unsere Geschwindigkeit verbessert, die gute Fitness beibehalten und sind am Start deutlich besser als im Vorjahr", sagt Joshua Weinmann. Trotzdem gebe es beim Rennbeginn weiter das größte Verbesserungspotenzial. Dennoch schlossen die "Weinmänner" die Deutsche Meisterschaft mit 217 Punkten als Dritte von 25 Gespannen ab, nachdem sie im Vorjahr bei zwei mehr absolvierten Läufen Siebte (190) geworden waren.
Hohenloher haben sich in Deutschland etabliert
Vier Podestplätze und drei weitere Top-Fünf-Ergebnisse belegen, dass die Brüder nicht nur aufgrund der Anzahl ihrer Rennstarts, sondern auch dank vorderen Platzierungen zu den Top-Gespannen in Deutschland zählen. Auch wenn der Platz ganz oben auf dem Podest eines DM-Rennens in ihrer sportlichen Vita noch fehlt, hat sich das seit 2017 aktive und für den MSC Wieslauftal startende Duo in der Szene schnell etabliert.

So waren Weinmann/Weinmann auch international häufiger als geplant bei WM-Läufen am Start. "Eigentlich wollten wir im Frühjahr gar nicht zu den Läufen nach Spanien und Portugal, doch als wir einen Sponsor für die Reisen gefunden haben, sind wir das Risiko eingegangen", erzählt Joshua Weinmann. Es zahlte sich aus, denn die Vorqualifikation für die Rennen glückte, so dass die Beiden noch vor dem ersten Lauf zur diesjährigen Deutschen Meisterschaft vier Rennen und zwei Qualifikationsläufe absolviert und somit nach einem langen Winter Wettkampfpraxis gesammelt hatten - "und das merkt man dann auch", sagt Joshua Weinmann.
Hohen finanzielle und logistische Hürden
Bei den fünf Minuten längeren WM-Läufen fanden sich die Brüder gegen die starke Konkurrenz aus den Niederlanden, Frankreich und Belgien bald zurecht und wurden im Gesamtklassement mit 99 Zählern als 17. gewertet. Elf von 14 Läufen absolvierten die Brüder, nachdem ursprünglich nur ein halbes Dutzend Starts geplant war.
"Die finanzielle und logistische Frage ist nicht ganz ohne", bemerkt Weinmann, der sich als Elektroniker für Betriebstechnik im dritten Lehrjahr befindet und dem Urlaub und Gleitzeit viel Flexibilität ermöglichen. Bruder Noah musste sich als Schüler eines Technischen Gymnasiums hingegen mehrfach freistellen lassen, wenn es mit dem Gespann auf Reisen quer durch Europa ging. Das Duo sucht daher noch nach Unterstützung bei Wartung und Pflege ihres Motorrads, um es unter der Woche zu entlasten.
2024 verspricht ein neues Gespann mehr Power
Ein Rückschritt kommt für das das Brüder-Paar jedoch nicht in Frage; für das nächste Jahr sind Starts bei allen WM-Läufen anvisiert. "Die Top Zehn sind bei etwas mehr Geschwindigkeit möglich, wenn man regelmäßig punktet und nicht ausfällt", mutmaßt Joshua Weinmann. Letzteres gelang bereits in diesem Jahr - auch, weil ein defektes Hinterrad, ein defekter Kühler oder Getriebeprobleme noch an den Strecken behoben werden konnten.
Für mehr Power soll 2024 ein neues Gespann mit 60 ccm mehr Hubraum sorgen. Wenn es mit dann 670 ccm über die Strecken geht, wollen die Weißbacher national vorne mit dabei sein. Gelingt dann auch das Startprozedere noch besser, dürften Joshua und Noah Weinmann mit ihrem Linksläufer-Gespann gute Chancen haben, weiter hoch hinaus zu kommen. Auf und neben der Strecke.
Hohenlohe wird zur Seitenwagen-Hochburg
Neben den Weinmann-Brüdern gibt es in Hohenlohe noch zwei weitere Seitenwagen-Gespanne, die perspektivisch in der Deutschen Meisterschaft antreten wollen. Gemeinsam firmiert das Trio unter den Namen "Sidecarteam Hohenlohe" bzw. "Hohenloher Sidecarcross". David Schellmann (23, Mulfingen-Ailringen) und Moritz Kilian (24, Weißbach) sind seit 2019 aktiv, Eugen (22) und Henry Herz (18) aus Weißbach stiegen im Vorjahr in den Sport ein. "Das ist eine schöne Entwicklung", sagt Joshua Weinmann. "Wir trainieren, vor allem was die Fitness angeht, ab und an zusammen."



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