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Ein kurzer Kampf für einen teuren Titel: Slawa Spomer ist WBO-Europameister

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Slawa Spomer macht mit Victor Ionascu in der Heilbronner Eissporthalle kurzen Prozess und holt sich den ersehnten Europameistertitel. Finanziell läuft hingegen nicht alles rund.

Kaum eingeläutet, gingen bei Victor Ionascu (am Boden) bereits die Lichter wieder aus. Slawa Spomer (li.) schickte seinen Gegner bereits in der ersten Runde des EM-Kampfes drei Mal auf die Bretter.
Kaum eingeläutet, gingen bei Victor Ionascu (am Boden) bereits die Lichter wieder aus. Slawa Spomer (li.) schickte seinen Gegner bereits in der ersten Runde des EM-Kampfes drei Mal auf die Bretter.  Foto: Seidel, Ralf

Mit dem ersten Schritt in den Ring fixierte Slawa Spomer seinen Gegner. Keine Sekunde ließ er Victor Ionascu aus den Augen. Der hätte besser mal die Gorilla-Maske, die er während des Einlaufs trug, aufbehalten. "Er hat meinen Blick nicht erwidert", wusste Spomer sofort, dass das Psycho-Duell bereits vor dem ersten Gong entschieden war. Noch vor dem zweiten Gong war der Kampf um den Europameistertitel der World Boxing Organization (WBO) auch sportlich entschieden. Nach dem dritten Niederschlag in der ersten Runde brach der Ringrichter das ungleiche Aufeinandertreffen ab, zeitgleich flog das Handtuch aus Ionascus Ecke als Zeichen der Kapitulation.


Spomers achter K.o.-Erfolg im 16. Kampf

"Mit seinen Provokationen beim Wiegen hat er bei mir eine gewisse Grundaggressivität ausgelöst. Ich wollte früh ein Statement setzen, um zu zeigen, wer der Herr im Ring ist", sagte Spomer hinterher. Dass der "Gorilla" gleich nach der ersten harten Rechten am Boden lag, hatte der Lokalmatador nicht erwartet. "Als er angeschlagen war, musste ich nachsetzen. Leider konnte ich den Zuschauern nicht viel bieten, dafür aber was Krasses." Es war Spomers achter K.o.-Erfolg im 16. Kampf.


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Sein Trainer Zoltan Lunka nahm den unerwartet schnellen Erfolg gelassen: "Dafür wird Boxen mit den Fäusten ausgetragen." Geplant war zwar, dass sein Schützling erst einmal seine boxerische Linie finden und nicht sofort die Bestrafung für das Scharmützel vom Vortag suchen sollte. "Ich wollte nicht, dass es so schnell geht. Wir hätten gerne gezeigt, was wir die letzten Wochen aufgebaut haben. Boxen lässt sich aber nicht komplett planen." Dennoch machte der Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner von 1996 deutlich: "Wir wollen im nächsten Kampf eine Stufe höher boxen."

Kampf als Investition in die Karriere

Stellt sich also die Frage, wie viel dieser Erfolg mit Blick auf kommende Aufgaben wert ist? Da Ionascu in der Rangliste weit hinter Spomer stand, wird der Sieg den neuen Europameister nicht weit nach oben katapultieren. "Es ist ein weiterer Titel", sagt der 29-Jährige selbst. Allerdings ein teuer erkaufter. Denn die in Eigenregie organisierte Heilbronner Boxnacht war für Spomer ein finanzielles Verlustgeschäft. "Ich habe für diesen Titel bezahlt - mit Schweiß, aber eben auch mit Geld", räumte der Superweltergewichtler ein und schloss eine Wiederholung in dieser Form aus. "Das war eine Investition in meine Karriere. Bei kommenden Veranstaltungen würde ich gerne interagieren, aber nicht mehr alles alleine in der Hand haben wollen und zudem noch den Hauptkampf bestreiten."

Kein böses Blut mit Ex-Promoter Thomas Holefeld

Wie die kommenden Aufgaben aussehen könnten, darüber wollte Spomer am Samstag noch nicht reden. Ab Montag geht es erst einmal in den Familienurlaub, alles weitere wird anschließend geklärt. Besonders die zentrale Frage, mit welchem Management der Künzelsauer künftig zusammenarbeiten wird. Sein bisheriger Promoter Thomas Holefeld war mit seiner Frau Nina live vor Ort. Das Paar bekam vom Hauptkämpfer persönlich eine Pulle Champus nebst Kühler gebracht. "Ich wäre mit Slawa gerne einen anderen Weg gegangen. Es gibt aber kein böses Blut zwischen uns", sagte Holefeld, der eine Verteidigung des im November vergangenen Jahres gewonnenen Intercontinental-Titel anvisiert hatte. "Slawa braucht gute Gegner", ist Holefeld überzeugt.

1500 Zuschauer feiern die Lokalhelden

"Hakan, Hakan"- und "Ali, Ali"-Sprechchöre trugen am Samstag den Neckarsulmer Hakan Tosun und den Bad Friedrichshaller Ali Hetemi zu klaren Punktsiegen. Im Weltergewicht lieferte der 28-jährige Tosun gegen den Georgier Nika Nakashidze einen starken Kampf ab. "Ich wusste, dass ich kein Fallobst boxe. Das war ein sauber geführter, strategischer Kampf. Ich bin sehr zufrieden", sagte Tosun, der sich nach seinem zweiten Profi-Sieg jetzt auf den in drei Wochen kommenden Nachwuchs freuen darf.

Ein bisschen zu sehr auf einen vorzeitigen Sieg war Hetemi aus. Gegen den erfahrenen Michael Klempert vergeudete der Super-Mittelgewichtler ein paar Körner zu viel und geriet am Ende dadurch etwas in Bedrängnis. Trotz des parallel stattfindenden Lichterfests waren 1500 Zuschauer ins Eisstadion gekommen. "Die Stimmung war phänomenal", freute sich Veranstalter Slawa Spomer.

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