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SKV Oberstenfeld: Warum ein traditionsreicher Name aus der Handball-Landschaft verschwindet

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Der SKV Oberstenfeld geht in der Habo SG auf. Der Absteiger aus der Württembergliga bekam keine Mannschaft mehr zusammen.

So voll wie hier im Jahr 1999 im Regionalliga-Derby gegen Oppenweiler war die Oberstenfelder Halle in den vergangenen Jahren nur noch selten.
Foto: Archiv/Kuhnle
So voll wie hier im Jahr 1999 im Regionalliga-Derby gegen Oppenweiler war die Oberstenfelder Halle in den vergangenen Jahren nur noch selten. Foto: Archiv/Kuhnle  Foto: Kuhnle

Es waren immerhin 200 Zuschauer zum letzten Saisonspiel Ende April in die Sporthalle in den Bäderwiesen gekommen. Eine stattliche Zahl, schließlich stand bereits seit Wochen fest, dass der heimische SKV Oberstenfeld nach zehn Jahren in Folge aus der Württembergliga absteigen würde. Tatsächlich waren der Großteil Gästefans, die nach Spielschluss den Klassenerhalt des TV Oeffingen feierten. Für die Gastgeber war es nicht nur ein Abstieg, sondern ein endgültiger Abschied. Der traditionsreiche Name SKV Oberstenfeld ist Geschichte. Die Handball-Abteilung fusioniert mit der benachbarten Habo SG.

"Es tut sehr weh, dass der Name aus der Handball-Landschaft verschwindet", sagt der größte Sohn des Vereins, der 61-malige Nationalspieler Adrian Pfahl. Auch Horst Keppler "blutet das Herz". 20 Jahre lang war er Abteilungsleiter. Aus seiner Sicht begann das Dilemma mit der Aufgabe der eigenen Jugendarbeit. Bereits 2014 trat der SKV in die Habo JSG ein. Notgedrungen: es fehlte nicht nur an Nachwuchs, sondern auch an Trainern. Im Aktivenbereich wollte der SKV aber selbstständig bleiben - was auch fast zehn Jahre lang funktionierte.

 


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Jäher Absturz mit 16 Niederlagen in Folge

Zweifellos der größte Spieler, den der SKV Oberstenfeld hervorgebracht hat: Eigengewächs Adrian Pfahl spielte 61 Mal für Deutschland.
Zweifellos der größte Spieler, den der SKV Oberstenfeld hervorgebracht hat: Eigengewächs Adrian Pfahl spielte 61 Mal für Deutschland.  Foto: Veigel

Doch in der gerade beendeten Saison folgte der jähe Absturz. Die erste Mannschaft stieg nach einer beispiellosen Serie von 16 Niederlagen in Folge sang- und klanglos ab. Die zweite Mannschaft verpasste den Klassenerhalt in der Landesliga, die dritte Mannschaft war in der Kreisliga kaum mehr spielfähig.

Im März vor dem Derby gegen die zweite große Spielgemeinschaft in direkter Nachbarschaft - die SG Schozach-Bottwartal - hatte SKV-Trainer Timo Stauch noch gehofft, "dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft für die nächste Saison zusammenbekommen". Doch schon einen Monat später war klar, dass dies nicht gelingen würde. Es blieben nur die Notbremse und die Fusion. Aufgrund bereits verstrichener Fristen kann die allerdings erst 2024 offiziell vollzogen werden.

Habo SG darf in der Verbandsliga starten

Über eine sogenannte Spielklassenübertragung erhält die Habo SG das SKV-Startrecht für die Verbandsliga. "Wir führen jetzt zu Ende, was vor zehn Jahren begonnen wurde", blickt Habo-Pressesprecher Arndt Bock nüchtern auf das Prozedere. Zumindest bei den Minis und im F-Jugendbereich bleibe der SKV ja selbstständig.

Auch Keppler sagt: "Kaum ein Verein in dieser Größenordnung kann heute noch allein bestehen. Der Schritt in die SG war absehbar." Dass der nun hopplahopp erfolgen musste, hat verschiedene Ursachen. Finanziell schmerzten die durch die Corona-Pandemie ausgefallenen Pfingstturniere. "Dadurch fehlten Einnahmen im hohen fünfstelligen Bereich. Es mussten kleinere Brötchen gebacken werden", erklärt Keppler.

Ligakonkurrent fischte im selben Teich

Es wurde immer schwerer, hochkarätige Spieler von außerhalb zu gewinnen. Den Nachwuchsspielern aus der Habo JSG fehlte die Bindung zum SKV und oft auch die Qualität für die Württembergliga. Mit der SG Schozach-Bottwartal direkt vor der Haustür fischte zudem ein Ligakonkurrent im selben Teich.

Außerdem wuchsen offenbar die Spannungen mit dem Hauptverein. Die Handballer galten nicht mehr als das unumstößliche Aushängeschild des Sport- und Kulturvereins mit seinen acht Abteilungen. Der Fokus wurde zunehmend auf den Breiten- und weniger auf den Leistungssport gelegt. "Der Hauptverein hat uns am langen Arm verhungern lassen", drückt es Keppler drastisch aus, verhehlt aber nicht, dass auch innerhalb der Abteilung Fehler begangen wurden.

Was bleibt, sind Erinnerungen. An große Spiele und große Spieler des SKV Oberstenfeld.

 
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