Klare Sache für die Red Devils Heilbronn unter der Pyramide
In ungewohntem Ambiente kommen die Red Devils beim 24:7-Sieg in der Kreissparkasse gegen Witten zurück in die Spur. Schon zur Pause liegt Heilbronn mit 16:0 in Führung.

In den Ecken dehnen sie sich - ohne Matte, dafür mit Publikum. Neugierige verfolgen das Aufwärmen der Bundesliga-Ringer der Red Devils Heilbronn. "Es ist ein bisschen anders, wir sind große Hallen gewohnt", sagt Cheftrainer Adam Juretzko über den ungewöhnlichen Heimkampf "Unter der Pyramide" in der Kreissparkasse statt in der Neckargartacher Römerhalle.
Ralf Peter Beitner, Vorsitzender des Vorstandes, strahlt. Nicht nur wegen des überaus klaren 24:7-Erfolges am Samstagabend gegen den KSV Witten oder weil ihm der einstige Angestellte und Olympia-Fünfte von Rio, Eduard Popp, zuvor ein Ringertrikot mit den Unterschriften aller Roten Teufel schenkt. Ihm gefällt vielmehr das Premieren-Ambiente, der in Rot getauchte Veranstaltungsort. "Ringen hatten wir noch nie", sagt Ralf Peter Beitner, "aber ich habe das Gefühl, der Architekt hat die Pyramide dafür gebaut. Das ist doch ein Fingerzeig, den kann man nicht ignorieren." Allerdings sind nicht alle der 260 Stühle besetzt.
Abdolmohammad Papi hat den Gewichts-Fauxpas aus dem letzten Heimkampf verarbeitet
Diejenigen, die nah wie nie an der Matte sitzen, erleben überaus dominante Red Devils. Zur Halbzeit führen die Heilbronner mit 16:0, weil gleich drei Wittener technisch unterlegen sind - darunter Kufkagan Öztürk, der von Abdolmohammad Papi mächtig umhergewirbelt wird. Der 36-Jährige, nach seinem folgenschweren Fehler auf der Waage beim letzten Heimkampf, liegt nicht nur mit 65,5 Kilo locker unter dem Limit von 66, sondern zeigt auch, dass der Kopf den Fauxpas verarbeitet hat. "Ich musste ihn aufbauen, er wollte nicht mehr ringen", sagt Adam Juretzko, "hat sich schon verabschiedet und gesagt, er habe uns alles versaut. Aber wir sind eine Mannschaft, gewinnen und verlieren zusammen."
MMA-Profi Absupiyan Mamogedov ringt, weil es seine Leidenschaft ist
Bei seinem Heim-Debüt hat auch Absupiyan Magomedov drei Punkte fürs Team beigesteuert. "Das ist sehr wichtig für mich gewesen", sagt der 33-Jährige nach dem ungewöhnlich leichten Schwergewichtskampf mit dem ebenso hochgewachsenen Kiril Kildau. Zwei mit langen Hebeln, die nur 96 und 89 Kilo wiegen, "das ist viel schwieriger gegen so jemanden zu ringen", sagt Magomedov.

Mental hat der MMA-Profi mit großen Fights in Übersee die Herausforderung angenommen - und bestanden. "Ringen mache ich nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil es meine Leidenschaft ist seit ich ein kleiner Junge bin." Daher wird er auch bis zum Saisonende für die Red Devils parat stehen, denn den nächsten MMA-Kampf in Riad hat sein Manager erst für den 2. März 2024 terminiert. Ebenfalls ein Wanderer zwischen den Welten ist Karan Mosebach. In der Kreissparkasse jubelt der 26-Jährige mit Fäusten und einer Radwende Salto rückwärts nach seinem Überlegenheitssieg gegen Noah Englich. Nicht nur Adam Juretzko sieht, dass Mosebach nach seinem letzten MMA-Einsatz wieder voll bei Kräften ist. "Ich hatte schon eine harte Zeit mit einer Riesendiät und ein paar Krankheiten, daher freut es mich einfach zurück zu sein, eine super Leistung abzuliefern und ein bisschen Show zu liefern. Dafür kommen die Leute ja."
Nach zwei Niederlagen und einem Remis feiern die Red Devils Heilbronn den ersten Rückrundensieg
Weil auch Robin Pelzer und Taimuraz Friev Punktsiege beigesteuert haben, ist der erste Erfolg in der Rückrunde nach zwei Niederlagen und einem Remis früh unantastbar - auch die Niederlage von Lom-Ali Eskijev und das 0:15 von Alexander Jakob gegen den internationalen Topmann Andrei Perpelita sind keine bösen Überraschungen.
Dennoch sitzt das Eigengewächs der Red Devils nach dem Kampf erstmal geschlaucht da. Fünf Kilo Gewicht machen, dazu erst zwei Wochen wieder im Training. Das hinterlässt Spuren. "Nach meiner Kapselverletzung ringe ich noch mit Tape", sagt der Student, "dann hatte ich noch eine OP." Alle Weisheitszähne sind nun raus.
Die Einzel-Ergebnisse
Red Devils Heilbronn - KSV Witten 24:7 57 kg GR: Dovudzhon Toshev - Mika Labes 4:0, TÜ 15:0; 61 kg FS: Recep Topal - Milad Fuladi Aloutsche 4:0, TÜ 20:4; 66 kg GR: Abdolmohamad Papi - Kufkagan Öztürk 4:0, TÜ 17:2; 71 kg FS: Alexander Jakob - Andrei Perpelita 0:4, TÜ 0:15; 75 kg GR: Robin Pelzer - Burak Emin Salviz 2:0, PS 6:1; 75 kg FS: Lom-Ali Eskijev - Levan Keleksashvili 0:3, PS 1:10; 80 kg GR: Karan Mosebach - Noah Englich 4:0, TÜ 15:0; 86 kg FS: Taimuraz Friev - Gregor Eigenbrodt 2:0, PS 6:0; 98 kg GR: Etka Sever - Nico Brunner 1:0, PS 4:2; 130 kg FS: Abus Magomedov - Kiril Kildau 3:0, PS 11:0.


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