Die Red Devils Heilbronn und ihr Schockerlebnis auf der Waage
Das 15:15 des Heilbronner Ringer-Bundesligisten gegen Köllerbach ist wertlos, weil Abdolmohammad Papi zu schwer ist und die Red Devils so nur acht Athleten stellen. Der Deutsch-Iraner wiegt 50 Gramm zu viel.

Wortlos schleppt er seine Ringermatten. Die Augen: leer. Der Blick: gesenkt. Die Haltung: geduckt. Die Miene: schuldbewusst. Abdolmohammad Papi läuft am späten Samstagabend wie ein geprügelter Hund durch die Römerhalle. Lange hat sich der 36-jährige Griechisch-Römisch-Spezialist zuvor ins Innerste der Römerhalle verzogen, bekommt kaum etwas vom 15:15 im Bundesliga-Kampf der Red Devils Heilbronn gegen den KSV Köllerbach mit, registriert bestenfalls das dumpfe Trommeln, mit denen die Fans zur guten Stimmung der mehr als 450 Zuschauer beitragen.
Kämpfe der Red Devils Heilbronn sind nicht mehr als Show-Einlagen
Weil sie enge Duelle erleben, spektakuläre Aktionen. Der Schweiß der Roten Teufel ist ebenso echt wie ihr Ehrgeiz, das Beste aus ihrem Körper zu holen. Ihre Punkte samt der Aufholjagd nach dem 5:13 zur Halbzeit hart erarbeitet - und doch ohne jeglichen Wert. Makulatur. Ihre Kämpfe sind nicht mehr als Showeinlagen. Was ein spannender Ringerabend hat werden sollen, ist bereits vor dem ersten Griff jäh zerstört. Weil unprofessionelles Verhalten alles zunichte macht.
Denn noch ehe Kamprichter Mario Schmidt ein erstes Mal auf die Matte bittet, ist klar: Der Bundesligist aus Heilbronn verliert mit 0:40. So besagen es die Statuten des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), wenn eine Mannschaft nur mit acht Ringern antritt. "Peinlich", sagt Robin Pelzer. Etka Severs Reaktion: "Blöd gelaufen." Und Eduard Popp meint: "Ich bin noch sprachlos."
Cheftrainer Adam Juretzko stellt sich schützend vor seinen Athleten

Weil er beim obligatorischen Wiegen vor Kampfbeginn mit ansieht, wie die Digitalanzeige bei Abdolmohammad Papi auf 66,1 Kilo Körpergewicht springt. Zu viel. 50 Gramm. Schockzustand bei den Red Devils. Auch bei dem gebürtigen Iraner, der nach eigenen Angaben zuvor auf einer anderen Waage 66,0 gewogen hat. Das hätte gepasst, es wäre ein Kampfabend mit all seinen Routinen geworden - und dem Sport im Vordergrund.
So aber versucht jeder unter den Red Devils den Schock auf seine Art wegzudrücken. Kopfschütteln. Kapuze auf, warmmachen und so die Gedanken sortieren. "Ich muss das auf meine Kappe nehmen, ob ich will oder nicht", wird Cheftrainer Adam Juretzko später sagen und sich mit dem Schuldeingeständnis schützend vor seinen Profi Abdolmohammad Papi stellen. "Ringer sind Chaoten. Ich habe ihm vertraut, aber ich muss eben alles kontrollieren. Nun haben wir diese bittere Pille zu schlucken."
Im Limit bis 130 Kilogramm Freistil stellt Heilbronn keinen Ringer
Zum Drama wird Papis Gewicht auch deshalb, weil die Red Devils im Schwergewicht keinen Vertreter aufgestellt haben. Abus Magomedov liegt nach seinem MMA-Kampf in Amerika noch immer klar unter dem Limit bis 130 Kilo. Und einen anderen Athleten haben die Heilbronner gegen Köllerbachs Topmann Oleksandr Khotsianivskyi nicht gestellt.
"Wir sind selber schuld", sagt Robin Pelzer über den folgenschweren Patzer im Personalpoker. Noch ärgerlicher wird der Fauxpas ausgerechnet des teuersten Akteurs im Heilbronner Team, als bekannt wird, dass Tabellenführer ASV Mainz gegen Adelhausen nur ein 16:16 gelingt. Nicht einzig im Bewusstsein, die Rückkehr an die Tabellenspitze verschenkt zu haben, sagt Adam Juretzko: "So etwas darf nicht passieren" und stellt zugleich klar: "Papi leidet auch. Aber wir können das nicht akzeptieren und werden ein Wörtchen mit ihm reden." Ob dies schon auf der gemeinsamen Heimfahrt passiert, lässt der 52-Jährige allerdings offen.
Die Enttäuschung bei den Red Devils Heilbronn ist groß
Bei aller Enttäuschung ist klar, dass die Red Devils nun die vier noch ausstehenden Kämpfe erst recht gewinnen wollen. Und müssen. Neben der Matte herrscht Redebedarf. "Die Mannschaft und der Verein sind stark genug, das zu verarbeiten", meint Adam Juretzko. "Es gilt nun nicht auf einen mit dem Finger zu zeigen . Jetzt zeigt sich wirklich, aus welchem Holz die Mannschaft geschnitzt ist."
Das Duell am Samstag in Adelhausen wird zur Charakterfrage.
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