Jugend forscht bei der SG Schozach-Bottwartal
Drittligist SG Schozach-Bottwartal hat mit einer jungen Mannschaft und einem jungen Trainer-Duo die Arbeit wieder aufgenommen. Knappe Testspielniederlage gegen Zweitligist TG Nürtingen.

Es läuft am Donnerstagabend noch nicht alles rund beim vierten Vorbereitungsspiel der Handballerinnen der SG Schozach-Bottwartal. Gegen Zweitligist TG Nürtingen, in der Vorsaison noch Ligakonkurrent, verliert die SGSB nach 40 guten Anfangs- und 20 weniger guten Schlussminuten letztlich mit 28:31 (15:15), was jedoch unter dem Strich eine Randnotiz bleibt. Denn noch sind sechs Wochen Zeit, bis es für den Absteiger in der 3. Liga um Punkte geht und bis der Findungsprozess zwischen Neuzugängen und Arrivierten sowie zwischen Mannschaft und Trainerteam abgeschlossen sein sollte.
Ex-Trainer Jürgen Krause als Zuschauer auf der Tribüne
"Wir haben in den drei gemeinsamen Wochen bisher schon viel zusammen geschafft. Es geht erst einmal darum, dass Mannschaft und Trainer die gleiche Kommunikation hinbekommen, dass die Spielerinnen wissen, was Adrian und ich von ihnen wollen", sagt Hannes Diller. Der 24-Jährige ist gemeinsam mit Adrian Awad (27) von Oberligist TV Möglingen nach Beilstein gekommen und hat im Bottwartal als Trainer die Nachfolge von Jürgen Krause angetreten. Der 66-Jährige lässt sich das Testspiel gegen Nürtingen nicht entgehen, gibt aber lachend zu, nun deutlich entspannter in die Langhanshalle zu kommen als noch in der vergangenen Saison.

Selbstkritik im Trainerteam
Krause und Diller sind nach dem Spiel zufrieden, auch wenn sich noch etwas Sand im Beilsteiner Getriebe befindet, wie sich an Abstimmungsfehlern und Fehlpässen offenbart. Doch Grund zur Sorge besteht zu diesem frühen Vorbereitungszeitpunkt freilich noch nicht. "Konditionell, körperlich und athletisch sind wir auf einem guten Weg, haben aber auch noch ein bisschen was vor uns", sagt Diller und schiebt selbstkritisch hinterher: "Aber wie man gesehen hat, gab es auch mal Minuten, in denen wir es von der Trainerbank mit unklaren Ansagen verdaddelt haben."
Trainergespann ist gleichrangig
Hannes Diller wirkt zielstrebig und reflektiert, tauscht sich viel mit Adrian Awad aus, gibt phasenweise den stillen Beobachter oder greift situativ ein, weil die Abläufe noch nicht wie gewünscht passen. Das Duo hat sich vor zwei Jahren in Möglingen zusammengefunden, nachdem sich die sportlichen Wege der B-Lizenz-Inhaber schon mehrfach gekreuzt hatten. Diller war zuvor Trainer bei der HBi Weilimdorf/Feuerbach und dem SV Kornwestheim, Awad vor seinem Wechsel neben das Spielfeld für Kornwestheim in der 3. Liga aktiv.
"Mir ist wichtig zu betonen, dass ich das mit Adrian im Team mache. Oft ist von ihm zwar als Co-Trainer die Rede, aber er ist ein Mit-Trainer. Wir sind gleichgestellt und haben dadurch eine andere Kommunikation miteinander und füreinander", unterstreicht Hannes Diller.
Keine Interessenskonflikte durch Doppelfunktion
Dass es angesichts seiner Doppelrolle als SGSB-Trainer und hauptamtlicher Geschäftsführer von Testspielgegener Nürtingen auch kritische Stimmen gibt, kann der Sportökonom nachvollziehen. "Es gibt da aber keine Interessenskonflikte", versichert Diller. "Ich bin in Nürtingen Geschäftsführer des Hauptvereins. Das ist eine rein operative Aufgabe im Hintergrund was Buchhaltung und Organisation angeht." Zudem hätten beide Vereine vor dem Wechsel ihr Okay gegeben.
Nachdem bereits im vergangenen Herbst klar war, dass Diller und Awad ihre Zelte in Möglingen abbrechen würden, haben sie eine Liga höher zunächst für ein Jahr ohne Option unterschrieben, nachdem sich Team-Managerin Denise Geier im Januar um das Duo bemüht hatte. "Die SG Schozach-Bottwartal geht mit uns zwei Jungspunden ja durchaus ein kleines Risiko ein - das verstehe ich. Aber ich denke, wenn wir erfolgreich arbeiten und unsere Arbeit Früchte trägt, dann können wir vielleicht davon träumen, das es noch weiter geht", sagt Diller fast etwas demütig.
Saisonziele werden im Trainingslager festgelegt
Die Hauptaufgabe für ihn und seinen Mit-Trainer sieht er zuvorderst darin, das "große Potenzial" und die "gute Trainingsmoral" weiter herauszuarbeiten und dann in Ergebnisse umzumünzen. Gelingt das wie gewünscht und bleiben die Stammkräfte verletzungsfrei, dann darf in Beilstein ambitioniert gedacht werden: "Wir würden lügen, wenn wir sagen: ‚Wir hoffen, dass wir den Klassenerhalt irgendwie schaffen." Das obere Tabellendrittel ist Pflicht, aber eine genaue Zielsetzung werden wir im Trainingslager erarbeiten. Ich kann als Trainer schließlich keine Ziele ausgeben, die das Team nicht mitträgt", sagt Hannes Diller.
Auf den positiven Start der ersten gemeinsamen Wochen lasse sich aufbauen, die Chemie zwischen Jung und Alt, zwischen neu und etabliert stimme, versichert der Trainer. Die Voraussetzungen scheinen also vorhanden, dass auf 40 gute Anfangs- künftig auch 20 gute Schlussminuten folgen werden.
Personalplanungen: Qualität stimmt, Quantität noch nicht
Neben dem Trainerteam sind auch Jade Oral (18, RM), Nina Dierolf (22, RL), Seema Awad (17, LA) und Aylin Bornhardt (16, KM) aus Möglingen gewechselt. Zudem wurden Torhüterin Alina Eckstein und Helena Amor, die zuvor mit Zweitspielrecht in Beilstein spielte, aus Leinfelden-Echterdingen fest verpflichtet.
„Der Kader ist weiterhin sehr, sehr klein, da müssen wir noch etwas tun, um die hohen Ziele zu erreichen“, sagt Hannes Diller. Die Neuzugänge müssten physisch noch zulegen, um das Niveau der Etablierten zu erreichen, doch die handballerische Qualität sei in jedem Fall vorhanden.


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