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Heilbronner EC, Eisbären, Falken – wie hängen die drei Einheiten zusammen

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Der Eishockey-Sport in Heilbronn ist mit drei Namen verbunden, dem Heilbronner EC, den Heilbronner Falken und den HEC Eisbären. Doch wer ist wer?


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„Es ist alles der HEC“, sagt Kai Sellers voller Inbrunst. Zumindest lasse sich alles, was mit einer künstlichen Eisfläche in Heilbronn zusammenhängt, auf den Heilbronner Eishockey-Club zurückführen. Aus diesem Grund ist dem HEC-Vorsitzenden auch so daran gelegen, dass die Zukunft des Unterländer Profi-Eishockeys nach der Insolvenz der Falken GmbH & Co. KG nur unter Einbeziehung des Eishockey-Clubs stattfindet.

Denn nur dann lasse sich ein ganzheitlicher Ansatz umsetzen – von der Kindergarten-Kooperation über die Jugendausbildung mit all ihren Facetten von der sportspezifischen bis zur schulischen und beruflichen Entwicklung über den Amateursport bis zum Profisport. Nur dann ließen sich auch die öffentlichen Belange wie unter anderem Publikumslauf und Eisdisco berücksichtigen und neue Sportarten wie beispielsweise Curling oder Eisstockschießen erschließen.

Ursprünge des Heilbronner Eishockeys liegen 1980 beim REV

Außerdem würde die Verzahnung zwischen Stammverein und den in einer Spielbetriebs-GmbH ausgelagerten Profis wieder stärker werden, die seit der Privatisierung der Heilbronner Falken GmbH im März 2017 etwas gelitten hat. 

Das Aushängeschild des Heilbronner Eishockeys ist die Profimannschaft Heilbronner Falken.
Das Aushängeschild des Heilbronner Eishockeys ist die Profimannschaft Heilbronner Falken.  Foto: Mario Berger\

Angefangen hat alles aber 1980. Im März jenes Jahres bildete sich innerhalb des 1934 gegründeten Rollschuh- und Eislaufverein Heilbronn um den ehemaligen tschechoslowakischen Nationalspieler Josef Matousek die erste Eishockeymannschaft in Heilbronn. Mit Unterstützung der vom Kölner EC verpflichteten ehemaligen Nationalspieler Wim Hospelt, Sigi Stotz sowie Detlef und Dieter Langemann, vom Mannheimer ERC und die Verstärkung in Heilbronn stationierter US-amerikanischer Soldaten, begann ziemlich schnell der Aufschwung. Bereits 1985 stiegen die Unterländer in die drittklassige Oberliga auf.

Eishockey-Abteilung des REV wird 1986 in eigenständigen Verein ausgelagert

Der sportliche Aufschwung brachte aber auch Schattenseiten mit sich. Der REV musste immer größere Geldbeträge in die Finanzierung des Spielbetriebs des Eishockeyteams stecken. Deshalb wurde die Abteilung 1986 in den Heilbronner EC ausgegliedert - dieser wurde am 20. März gegründet.

Direkt im ersten Jahr der Eigenständigkeit gelang dem HEC der Sprung in die 2. Bundesliga Süd. Im entscheidenden Spiel bezwangen die Heilbronner den ERC Sonthofen im Penaltyschießen. Die Partie wird aufgrund ihrer Dramatik sowie der überfüllten Zuschauerränge noch heute als das bedeutendste Spiel der Vereinsgeschichte angesehen.


Erste Insolvenz 1989 – wirtschaftliche Entwicklung hält mit sportlicher nicht Schritt

Die wirtschaftliche Entwicklung hielt allerdings nicht Schritt mit der sportlichen. Aufgrund fehlender Sponsoren und des Ausbaus des Stadions stiegen die Verbindlichkeiten des HEC bis Ende der Saison 1988/89 auf rund eine Million DM an. Dies hatte zur Folge, dass der Club im Sommer Konkurs anmelden und auf eine Teilnahme an der folgenden Spielzeit verzichten musste. Erst nach anderthalb Jahren Spielpause startete der HEC in der Saison 1990/91 wieder in der Oberliga Süd, nachdem fast alle Schulden abbezahlt worden waren.

Sportlich gelang der Sprung zurück in die Zweitklassigkeit zwar nicht. Doch mit der Umstrukturierung der Ligen in Folge der Einführung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als höchste nationale Klasse wurden die Heilbronner in der Saison 1994/95 in die 1. Liga Süd eingruppiert. In der zweithöchsten deutschen Liga - Ende der Saison 1997/98 die neue, eingleisige 2. Bundesliga ins Leben gerufen -  spielten die Unterländer bis 2004. Mit null Punkten in der Abstiegsrunde verabschiedeten sie sich sportlich aus der 2. Bundesliga. Kurz darauf erfolgte mit einem Insolvenzantrag der Spieler gegen die GmbH aufgrund fehlender Gehaltszahlungen der zweite wirtschaftliche Niedergang des Clubs.

2018 gehen 1991 gegründete Eisbären als Abteilung im HEC auf

Bereits 1991 gründete sich aus dem offiziellen HEC-Fanclub Eisbären Lauffen eine Eishockeymannschaft, die zunächst als Hobbymannschaft gegen andere Freizeitclubs aus dem Raum Heilbronn antrat. 1998 schloss sich der Verein mit dem SC Ilsfeld zur Spielgemeinschaft Eisbären Ilsfeld zusammen, die fortan bei verschiedenen tiefklassigen Turnierwettbewerben und Hobbyligen aufliefen. Im Jahr 2005 wurde der heute bestehende EHC Eisbären Heilbronn gegründet, der den Spielbetrieb im Eissportverband Baden-Württemberg aufnahm und bereits im ersten Jahr in die viertklassige Regionalliga aufstieg. 

Zur Saison 2018/19 ging der EHC Eisbären Heilbronn im HEC auf, wurde eine Abteilung des Heilbronner Eishockey-Clubs. „Für die Fusion werden wir heute noch von den Verantwortlichen bei der Stadt gelobt wie beispielsweise Bürgermeisterin Agnes Christner und Karin Schüttler, der Leiterin des Schul-, Kultur- und Sportamts, wie geräuschlos dies vonstatten gegangen ist  und bis heute zu keinen Problemen geführt hat“, berichtet der HEC-Vorsitzende Kai Sellers.

2003 wird Profiteam als GmbH ausgegliedert – zweite Insolvenz verhindert das nicht

Den finanziellen Kollaps hatten die Heilbronner im Jahr davor dadurch versucht zu verhindern, indem sie die Profimannschaft als Spielbetriebsgesellschaft Heilbronner Falken GmbH aus dem Hauptverein ausgegliedert hatten, nachdem die Schulden auf mehr als 430.000 Euro angestiegen waren. Nur die strikte Durchführung eines Insolvenzplans in der Sommerpause 2004 konnte der Mannschaft, die zu dieser Zeit mit mehr als 1,3 Millionen Schulden Euro belastet war, überhaupt die Lizenz für die folgende Saison in der Oberliga Süd erhalten.

Der Neuanfang mit einem komplett neu aufgebauten Team, in dem aufgrund einer Kooperation mit den Adler Mannheim viele junge talentierte Spieler der Mannschaft aus der Quadratestadt in Heilbronn auf Punktjagd gingen, gelang aber. Aufgrund steigender Zuschauerzahlen und guten Krisenmanagements vermeldete der Verein zum Ende der Saison, dass die Schulden innerhalb von nur zehn Monaten um die Hälfte auf 700.000 Euro reduziert werden konnten. Und mit der Oberliga-Meisterschaft 2007 kehrten die Heilbronner wieder in die 2. Bundesliga zurück. 

Zwei Mal Klassenerhalt in der zweiten Liga über Hintertür – Heilbronner Falken sind Nachrücker

Die gescheiterten Versuche, in Heilbronn eine Spitzenmannschaft in der zweithöchsten Spielklasse - seit der Saison 2013/14 führte sie den Namen Deutsche Eishockey Liga 2 (DEL2) - zu etablieren, waren mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. Dieser Umstand sorgte in der Saison 2014/15 erneut für eine Zäsur. Die Verantwortlichen verordneten den Falken einen rigorosen Sparkurs. Dies führte ein Jahr später zum sportlichen Abstieg in die Oberliga. Dieser wurde nur durch eine für die Unterländer glückliche Fügung verhindert. Mitten in der Vorbereitung wurde dem Zweitligisten EV Landshut die Lizenz entzogen. Da die Falken das erste Nachrückrecht besaßen, verblieben diese in der DEL2. 

Der Kader der Heilbronner war aber für die Oberliga zusammengestellt und in der zweiten Liga nicht konkurrenzfähig. Es folgte der zweite sportliche Abstieg in Folge. Nur weil die Fischtown Pinguins Bremerhaven nach dem Rückzug der Hamburg Freezers deren Platz in der DEL übernahmen, verblieben die Falken erneut als Nachrücker in der DEL2.

2023 müssen Heilbronner Falken zum dritten Mal in Oberliga absteigen

Nach einem leichten sportlichen Aufwärtstrend in den folgenden Spielzeiten vor allem unter Trainer Gerhard Unterluggauer mussten die Heilbronner 2023 dann aber doch in die Oberliga. Dort entwickelten sie sich nach einer Eingewöhnungsphase zu einem Spitzenteam, kamen in den Playoffs aber nie über das Halbfinale hinaus. 

Bereits im März 2017 wurde die Heilbronner Falken GmbH privatisiert. Für insgesamt 150.000 Euro kauften Rainer Maurer, Franz Böllinger und Atilla Eren die Spielbetriebsgesellschaft dem bisherigen Alleingesellschafter und Stammverein Heilbronner Eishockey Club ab und tilgten damit alle Schulden des HEC.

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