Heilbronner Falken präsentieren sich beim Tabellenschlusslicht völlig von der Rolle
Beim EV Füssen fällt den Heilbronner Falken herzlich wenig ein, um einen Sieg zu erringen und drei Punkte im Gepäck mit auf die Heimreise zu nehmen.
Wahrlich mit dem letzten Aufgebot treten die Heilbronner Falken heute Abend in der Eishockey-Oberliga beim Schlusslicht EV Füssen an. Zu den verletzten Spielern Gunars Skvorcovs, Robin Just, Leon Fern und Lukas Wagner gesellt sich jetzt auch noch Mittelstürmer Thore Weyracuh. Der hatte in den letzten Minuten des Mittelabschnitts am Freitag gegen die Stuttgart Rebels einen Puck ins Gesicht bekommen, kehrte dann aber zum Schlussdrittel wieder aufs Eis zurück.
Vermutlich hatte der Puck doch mehr Schaden beim Center der Heilbronner Falken als zunächst vermutet hinterlassen, das würde sein Fehlen heute Abend erklären. Seinen Platz zwischen Nolan Ritchie und Calder Anderson nimmt Kapitän Freddy Cabana ein – das hatte am Freitag auch schon hervorragend geklappt. Wie wichtig die Kooperation mit den Eisbären ist, wird in Füssen deutlich. Ohne Förderlizenzspieler Leon Gromov hätten die Falken nicht einmal drei komplette Sturmreihen aufstellen können. Nach 60 Minuten und einer Leistung, die diesen Namen nicht verdient, verlieren die Falken mit 2:4. .
Heilbronner Falken mit Abstimmungsschwierigkeiten und glücklicher Führung
Die vielen Umstellungen machen sich im Spiel der Heilbronner Falken anfangs bemerkbar. Vieles bleibt Stückwerk. Die Paradereihe der Falken setzt die ersten Akzente. Im Powerplay. Doch weder Anderson noch Ritchie treffen. In der siebten Minute klappt dann das Umschaltspiel. Gromov erobert eine Scheibe im eigenen Abwehrdrittel, spielt sie zurück zu Leon Schiller, der mit einem langen Pass den an der generischen blauen Linie lauernden Paul Fabian perfekt bedient. Der setzt sich durch zwei Füssener Verteidiger durch und trifft ins lange Eck zum 0:1.
Allerdings versäumen es die Heilbronner Falken, in den nächsten Minuten die Führung auszubauen. Füssen setzt sich in der Angriffszone fest, Jokinen pariert zweimal glänzend, dann findet Julian Straub die Lücke zum Ausgleich. Nur eine Minute später muss eigentlich das 2:1 fallen. Jokinen verliert den Überblick, der Puck bleibt vor dem leeren Tor liegen, doch Füssen kann das Geschenk nicht annehmen. Überraschend dann die erneute Heilbronner Führung. Schams wirft die Scheibe einfach vors Gehäuse, Gäste-Keeper Timotej Pancur ist die Sicht versperrt, es steht 2:1. „Wir haben Glück, dass wir 2:1 führen“, sagt Sebastian Hon im Pausen-Interview. „Wir haben schlecht gespielt, müssen härter auf den Puck und Mann gehen.“ Eine perfekte Analyse.
Bei den Heilbronner Falken läuft nicht viel zusammen und sie kassieren einen Shorthander
In den Mittelabschnitt starten die Heilbronner Falken in Überzahl. Die ideale Möglichkeit, die Führung auszubauen. Aber statt dem 3:1 fällt das 2:2. Ein ungenauer Pass, ein Break und Füssens Topscorer Bauer Neudecker lässt sich nicht zweimal bitten. Kurz danach erneut Powerplay für die Gäste. Das ist aber einfach nur schlecht. Zu ungenau, zu überhastet, zu kopflos. Gleich danach erste Strafzeit gegen die Heilbronner Falken. Immerhin überstehen sie das unbeschadet.
Auch im weiteren Verlauf des Mittelabschnitts haben die Heilbronner Falken gleich mehrfach Überzahl, können aus der numerischen Überlegenheit aber kein Kapital schlagen. Im Spiel nach vorne unterlaufen weiterhin ungewohnt viele Fehler, Scheiben werden durch Pässe ins Nichts viel zu oft einfach dem Gegner geschenkt. Die Füssener müssen gar nicht viel tun, um die Angriffsbemühungen der Falken zu unterbinden. Sie stehen hinten robust und kompakt, nach vorne erzeugen sie Gefahr durch schnelles Umschalten. Die Falken können froh sein, dass es noch 2:2 steht.
Heilbronner Falken fällt gar nichts mehr gegen den EV Füssen ein
Die kalte Dusche kam dafür mit Beginn des Schlussabschnitts. Anderson kassiert eine Strafzeit, Bullygewinn für Füssen, Pass ans lange Eck und schon steht es 3:2. Aus Heilbronner Sicht wirdes auch in der Folgezeit nicht besser. Einfachste Pässe kommen nicht an, nach vorne wirkt alles ideen- und planlos. Dann das nächste Powerplay. Andersons Kracher landet am Pfosten, endlich einmal ein Powerplay, das diesen Namen auch verdiente, allerdings weiterhin erfolglos.
Dann ein katastrophaler Wechsel der Gäste, Füssen trifft zum 4:2. Das ist jetzt wirklich peinlich, wie sich die Unterländer beim Schlusslicht präsentieren. Auch Trainer Eronen kann im letzten Powerbreak keine neuen Akzente setzen. Die wirklich letzte Chance, in ein bereits verlorenes Spiel zurückzufinden, bekommen die Heilbronner in der 51. Minute. Erneutes Powerplay – und wiederum passierte nichts! Die Minuten tickten herunter. Passender Abschluss: Der 3:4-Anschlusstreffer der Falken durch Hon, 20 Sekunden vor Schluss, wird nach Videobeweis auch noch einkassiert. Wieder einmal haben die Falken ein Spiel gegen ein Schlusslicht zu leicht genommen.
Harte Worte findet Coach Niko Eronen nach der Partie: „Das war eine peinliche und enttäuschende Vorstellung meines Teams. Niemand war bereit, durch harte Arbeit hier zum Erfolg zu kommen. Wir werden die Partie analysieren und schon morgen unsere Konsequenzen daraus ziehen. Ich will mich bei den Fans, die die weite Anreise auf sich genommen haben, für diesen Auftritt entschuldigen.“ Zu den vergebenen Chancen im Powerplay hat er auch eine klare Meinung: „Unser Überzahlspiel war einfach nur arrogant.“
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