Die neue Falken-Taktik: Erst einlullen, dann zuschlagen
Am drittletzten Hauptrunden-Wochenende holen die Heilbronner Falken erstmals die vollen sechs Punkte - ausgerechnet gegen zwei Topteams der DEL2. Gegen Ravensburg gelingt am Sonntag ein 3:2-Erfolg.

Es hat sechs Monate und hat 48 Spiele gedauert: Auf der Zielgeraden der DEL2-Hauptrunde haben die Falken doch noch ihr erstes Sechs-Punkte-Wochenende in dieser unbefriedigenden Saison eingefahren. Gegen die Ravensburg Towerstars gelang am Sonntag ein 3:2 (1:2, 0:0, 2:0)-Erfolg - nach dem es zwei Drittel lang überhaupt nicht aussah.
"Der frühe 0:2-Rückstand hat mir schon Sorgen gemacht. Erst im Laufe des Spiels sind wir in die Zweikämpfe gekommen und haben die Beine bewegt", sagte Falken-Coach Martin Jiranek.
Lustloser Beginn der Gastgeber
Die Falken waren im Vergleich zum starken Auftritt beim 4:3-Sieg am Freitag in Krefeld zunächst nicht wiederzuerkennen. Regelrecht lustlos wirkten die Gastgeber zu Beginn. Die Towerstars hatten leichtes Spiel. Bereits nach 98 Sekunden brachte Louis Latta die Gäste in Führung. Locker spazierte der 24-Jährige durch die Heilbronner Statisten und vollendete formvollendet mit der Rückhand zum 1:0 (2.).
In dem Stil ging es weiter. Robbie Czarnik fälschte einen Schuss zum 2:0 unter die Latte ab (7.). Luigi Calce, Sohn der gleichnamigen Falken-Legende, hätte drei Minuten später nach einem Fehler von Alex Tonge um Haaresbreite das 3:0 nachgelegt. Gefühlt wäre das schon die Vorentscheidung gewesen.
Verteidiger Fischer ist zu Beginn der gefährlichste Angreifer
Erst nach dem Powerbreak begannen auch die Falken mit dem Eishockeyspielen. Zumindest ein bisschen. Als gefährlichster Angreifer betätigte sich dabei Verteidiger Christopher Fischer. Sein abgefälschter Schuss in Überzahl (14.) und ein Strahl auf die Maske von Ravensburgs Goalie Jonas Langmann waren die besten Gelegenheiten für die Gastgeber. Mit der Schlusssirene gelang dann sogar noch der schmeichelhafte Anschluss. Justin Kirsch traf an Freund und Feind vorbei ins lange Eck (20.).
Im Mitteldrittel wurde es kein besseres Eishockeyspiel. Ravensburg hatte zwei längere Druckphasen, aus denen aber nichts Zählbares heraussprang. "Wir hatten viel Puckbesitz und waren viel im gegnerischen Drittel, aber das bringt ja nichts, wenn davon keine Gefahr ausgeht", sagte Towerstars-Coach Peter Russell.
Kein Schwindel in der Ravensburger Waschmaschine
Die Falken bekamen weiter wenig auf die Reihe, besaßen aber zumindest zwei hochkarätige Ausgleichchancen. Alex Tonge (31.) traf den Pfosten, Stefan Della Rovere scheiterte am stark parierenden Langmann. Ansonsten ähnelte das Zusammenspiel stark dem ersten Vorbereitungsspiel gegen Weiden im vergangenen September. Vieles blieb Stückwerk.
Auch im Schlussdrittel waren die Gäste über weite Strecken der Taktgeber. "Scheibenbesitz ist eine Spezialität der Ravensburger. Wenn bei denen die Scheibe läuft, dann fühlst du dich wie in einer Waschmaschine. Uns ist darin zum Glück nicht schwindelig geworden, wir sind unserem System treu geblieben", lobte Jiranek die Disziplin seiner Mannen, gab aber auch zu, dass er in der zweiten Drittelpause deutlich gemacht hatte, dass jetzt endlich mehr Einsatz kommen müsse.
Die Wiederentdeckung der eigenen Körper
Tatsächlich entdeckten die Falken in den letzten 20 Minuten ihre Körper wieder. Endlich wurde mal dem Mantra des Trainers Folge geleistet, Zweikämpfe zu führen und zu gewinnen. Die Belohnungen für den erhöhten Einsatz folgten schnell. In doppelter Überzahl gelang der 2:2-Ausgleich. Della Rovere staubte vor dem Tor ab (47.). Ryan Valentini hatte beim Teamkollegen genau hingeschaut und tat es ihm vier Minuten später gleich. Das 3:2 (51.) war der erste Treffer für den Neuzugang im vierten Spiel und gleichzeitig die Entscheidung.
Tor: Mnich, Andryukhov; Abwehr: Rymsha - Preto, Leitner - Fischer, Mapes - Krenzlin; Angriff: Della Rovere - Valentini - Tonge, Sternberg - Cabana - Kirsch, Thiel - Lautenschlager - Ramoser, Tosto - Volkmann - Dunham, Elias.
Tore: 0:1 (2.) L. Latta, 0:2 (7.) Czarnik, 1:2 (20.) Kirsch, 2:2 (47.) Della Rovere, 3:2 (51.) Valentini.
Schiedsrichter: Kilian Hinterdobler, Martin Holzer. Strafminuten: 8/8.
Zuschauer: 1491.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare