Hoffenheims Andrej Kramaric findet: "Wir hätten Europa verdient"
Hoffenheims Rekordstürmer Andrej Kramaric spricht im Interview über den Saisonendspurt, die vielen Gegentore und seine Zukunft.

Seine Tore eröffnen der TSG Hoffenheim die Chance auf die vierte Europapokalteilnahme der Vereinsgeschichte. "Ich hoffe sehr, künftig wieder donnerstagabends Fußball zu spielen", sagt Rekordtorjäger Andrej Kramaric vor dem Auswärtsspiel bei Schlusslicht SV Darmstadt 98 am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN).
Herr Kramaric, sind Sie ein Frühlingsmensch?
Andrej Kramaric: Nein, aber ich weiß, warum Sie das fragen (schmunzelt).
Sie treffen eigentlich Bundesliga-Jahr für Bundesliga-Jahr häufiger in der Rückrunde als in der Hinrunde. Warum gilt jedes Jahr: Kommt der Frühling, trifft Kramaric?
Kramaric: Ich habe keine wirkliche Antwort darauf. Eigentlich bin ich eher ein Sommertyp - vielleicht liegt es ja daran, dass immer mit dem Frühling auch so langsam der Sommer kommt.
Ihre Aussage "99 Prozent der Fans haben keine Ahnung von Fußball", sorgte neulich bundesweit für große Schlagzeilen.
Kramaric: Ich habe nicht 99 Prozent der Fans gemeint, sondern an dem Abend nach dem Spiel in Bochum den einen Fan auf dem Zaun, der mich und uns als Mannschaft, nennen wir es hier: "scharf angegangen" ist. Er hat gesagt, dass er "zu 99 Prozent keine Ahnung von Fußball" hat. Ich war sauer wegen ihm und wegen unserer 2:3-Niederlage. Das war von beiden Seiten sicher nicht optimal in dem Moment. Die Sache ist ausgeräumt, und da bleibt nichts hängen. Unsere Fans waren vergangenen Freitag gegen Leipzig top.
Zuletzt in Mainz und Bochum entstand bei vielen Fans aber der Eindruck, dass die TSG nicht kämpferisch dagegenhalten kann.
Kramaric: Bayer Leverkusen hat sein letztes Spiel wo verloren? In Bochum. Auch die Bayern haben dort wie wir ein 2:3 kassiert, keine Punkte geholt. Wenn die dort verlieren, dann kann uns das auch passieren. Deshalb kann man uns kritisieren, aber es gibt keinen Raum für Beleidigungen. So wie zuletzt beim 1:1 gegen Leipzig muss es sein, dass wir die positive Energie unserer Fans spüren, das hat mir sehr gut gefallen.
Die TSG Hoffenheim hat in dieser Saison sehr viele Punkte gegen Teams von ganz unten in der Tabelle verspielt. Wie lässt sich das erklären?
Kramaric: Es ist für mich schwierig, dieses Rätsel zu lösen. Und auch schwierig, darüber zu sprechen, weil das eigentliche Thema für mich die kommenden beiden Spiele sind.
In jedem Spiel setzt es Gegentore. In mittlerweile 27 Liga-Partien nacheinander gab es immer mindestens ein Gegentor für die TSG Hoffenheim. Ist das ein taktisches Problem, fehlt es an Qualität, an Mentalität?
Kramaric: Es sind auf jeden Fall zu viele. Natürlich wollen wir das gerne ändern. Gegen Leipzig hat das schon besser ausgesehen. Wir müssen endlich den großen Schritt machen, mal über 90 Minuten kein Gegentor zu kassieren, endlich einmal zu Null zu spielen.
Es war noch nie so einfach, sich für Europa zu qualifizieren. Wenn Borussia Dortmund tatsächlich die Champions League gewinnt, dann reicht wohl selbst Rang sechs, den aktuell Eintracht Frankfurt belegt, mit rund 50 Punkten für die Teilnahme an der Champions League. Wie sehr ärgert Sie es, dass die TSG aktuell Tabellenachter ist?
Kramaric: Die ersten Fünf in der Liga waren ganz klar besser als alle anderen. Aber der sechste Platz ist wirklich lange in Reichweite gewesen. Wir haben in zu vielen Spielen Punkte liegen lassen.
Was ist noch drin für die TSG in den beiden abschließenden Spielen am Sonntag gegen Darmstadt und danach noch gegen Bayern München?
Kramaric: Rang sechs ist wohl fast nicht mehr möglich (Frankfurt hat fünf Zähler mehr, Anmerkung der Redaktion). Aber alles andere schon, die Europa League oder die Conference League. Dafür werden wir die letzten beiden Spiele alles geben und am Ende sehen wir, was dabei herauskommt.
Ist es denn nur mit einer erfolgreichen Europapokal-Qualifikation eine gute Hoffenheimer Saison?
Kramaric: Am Ende hängt es an ein oder zwei Punkten, vielleicht an einem Tor. Europa war schon vor der Saison in meinem Kopf und wäre eine Belohnung für alle im Verein. Es wäre schön, wieder europäisch zu spielen, dieses Gefühl zu haben. Der Verein, wir alle hätten es aus meiner Sicht verdient. Wir werden Vollgas geben und ich hoffe sehr, künftig wieder donnerstagabends Fußball zu spielen.
Es gibt gerade viele Diskussionen um die Zukunft von Sport-Geschäftsführer Alexander Rosen. Überdenken Sie Ihre Zukunft, falls er im Sommer weg sein sollte?
Kramaric: Ich denke gerade nur daran, fit zu bleiben, an das Saisonfinale mit der TSG und an die EM. Ich fühle mich wohl hier, aber ich merke natürlich auch, dass es unruhige Zeiten im Verein sind. Ich persönlich bin auch wegen Alexander Rosen seit 2016 hier. Er hat aus meiner Sicht in den vergangenen zehn Jahren einen sehr guten Job gemacht.
Sie haben neulich erwähnt, auch noch mit 40 Jahren spielen zu wollen. Ihr Vertrag in Hoffenheim läuft in einem Jahr aus, dann sind Sie 33. Gibt es bereits Gespräche über eine Vertragsverlängerung, um 2026 die zehn Jahre TSG voll zu machen?
Kramaric: Bis wann und wo ich spiele, das weiß ich nicht. Ich bin hier glücklich und zufrieden, und manchmal auch sauer, weil wir viel besser spielen könnten (lacht).
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