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Kriegt die TSG Hoffenheim die Champions-League-Flatter? 

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TSG Hoffenheim stolpert beim 1:1 gegen den VfL Wolfsburg erneut gegen ein Kellerkind. Trainer Christian Ilzer sieht den mentalen Faktor in der Gesamtsituation und setzt auf Vergleiche mit Haien und Meerjungfrauen.  

Hoffenheims Wouter Burger (links) im Duelle mit Wolfsburgs Christian Eriksen.
Hoffenheims Wouter Burger (links) im Duelle mit Wolfsburgs Christian Eriksen.  Foto: Uwe Anspach

Grischa Prömel zuckte ganz kurz, kaum wahrnehmbar, mit den Schultern. War das nun ein gewonnener Punkt für die TSG Hoffenheim oder doch vielmehr zwei verlorene, weil es gegen den Tabellenvorletzten VfL Wolfsburg um den neuen Leitwolf Dieter Hecking für den Überraschungsdritten nur zu einem 1:1 reichte? „Weder noch“, sprach Prömel, der mit seinem Kopfballtor in der 83. Minute dem Kraichgauclub immerhin noch einen Zähler rettete. „Es gab auch schon Spiele in meiner TSG-Vergangenheit, in denen man den Ausgleich nicht mehr geschafft hat“, sagte Prömel. Da war man aber nicht Tabellendritter und auch nicht mittendrin im Rennen um die Königsklasse. Drei Big Points waren eigentlich fest eingeplant gewesen an einem Bundesliga-Spieltag, an dem sich die Champions-League-Konkurrenz aus Stuttgart und Leipzig gegenseitig die Punkte wegnimmt. So wurde dieses erste Hoffenheimer Heim-Unentschieden der Saison nur zu einem kleinen Schritt in Richtung Königsklasse, anstatt zu einem großen.

Hoffenheim hat die Leichtigkeit des Seins verloren 

Seit dem 3:0 gegen Freiburg vor einem Monat ist der TSG 1899 die Leichtigkeit des Seins, die Unbeschwertheit des Moments abhandengekommen. Das ging los mit dem 2:2 beim 1. FC Köln und setzte sich in den Duellen gegen den 16., 17. und 18. der Bundesliga-Tabelle (jeweils zum Zeitpunkt des Spiels) fort. Gegen die drei Kellerkinder St. Pauli (0:1), Heidenheim (4:2) und Wolfsburg (1:1) gab es nur vier von neun möglichen Punkten.So überzeugend wie in den Wochen davor ist die TSG Hoffenheim nicht mehr unterwegs: „Wir sind in einer Phase, in der es etwas schwerer geht, die Punkte einzufahren“, hat auch Trainer Christian Ilzer erkannt.Alles nur Kopfsache? „Natürlich wird viel von außen an uns rangetragen. Wir dürfen nicht so viel in die Zukunft schauen“, sagte Grischa Prömel und bezog das auch sogleich auf seine persönliche Zukunft. Ob die ab dem nächsten Sommer beim VfB Stuttgart oder doch in Hoffenheim liegt, wollte Prömel nicht verraten, weil dazu „bereits genug geschrieben“ wurde.

Tiefstehende Gegner machen es Hoffenheim schwer

Gegen tiefstehende Gegner werden die Hoffenheimer ihrer Stärke des schnellen Umschaltspiels beraubt. Und auch das Flügelspiel kommt gegen einen tiefstehenden Block nicht so zur Geltung. „Wenn die da drei Kanten hinten drin haben, und wir mit Flanken kommen, dann ist das nicht so leicht, wenn die alles wegköpfen“, sagte Grischa Prömel mit Blick auf das Wolfsburg-Spiel. Die Gäste waren unter ihrem neuen Trainer Dieter Hecking griffiger, aggressiver und abwehrstärker als zuletzt. Konstantinos Koulierakis (65.) hatte die Gäste nach einem Eckball mit 1:0 in Führung geköpft. Christian Ilzer, ein Sprachfreund der blumigen Vergleiche, begab sich zur Betrachtung der Hoffenheimer Gesamtsituation als Schwimmer hinaus aufs offene Meer.

Der Österreicher hat ja auch schon stürmische Zeiten im Kraichgau erlebt, als man davon ausgehen musste, dass die Turn- und Schwimm-Gemeinschaft (samt Trainer) absäuft. Untergeht. Jetzt ist die Situation eine andere. Hoffenheim schwimmt ganz vorne im Bundesligafeld 2025/26 auf etwas Schönes zu (Champions League) und nicht vor etwas weg (dem Abstieg). „Jetzt wartet eher was auf uns“, sagte Christian Ilzer: „In der Regel schwimmst du schneller, wenn dir ein Hai nachschwimmt, als wenn du auf eine Meerjungfrau zuschwimmst.“

Auch der Trainer sieht den mentalen Faktor 

Ja, das Gefühl, nun etwas verspielen zu können, von dem man zu Saisonbeginn nie gewagt hätte zu träumen, es ist bei den Hoffenheimern da. „Vielleicht ist es schon ein bisschen ein mentaler Faktor“, sinnierte Ilzer hinterher in kleiner Journalistenrunde und sprach vom gestiegenen Erwartungsdruck, auch intern, wenn der Gegner wie zuletzt tabellarisch ganz unten steht. Man müsse aufpassen, „dass wir nicht in eine Frustrationsfalle reingehen. Nicht zu selbstkritisch werden. Wir hatten viele Phasen, in denen es sehr leicht war, jetzt ist es schwerer“, sagte Ilzer.Schwer wird es definitiv auch am Freitag (20.30 Uhr/Sky) bei RB Leipzig. Das Hoffenheimer Ziel ist klar, auch wenn es Ilzer nur umschreibt. An einen siebten oder achten Platz werde sich in ein paar Jahren in Hoffenheim keiner mehr erinnern: „Aber an andere Plätze.“

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