Vor Achtelfinale gegen Dänemark: Experten aus der Region blicken auf DFB-Elf und Taktik
Rüdiger Rehm fordert mehr Tiefenläufe, Uwe Rapolder möchte Zielspieler Niklas Füllkrug und Martin Lanig warnt vor den Dänen. Thomas Kettner ist "von Wirtz und Kimmich enttäuscht."

Die Zeit der Europameisterschaft ruft, wie üblich, rund 80 Millionen Bundestrainer auf den Plan. Trotz erfolgreicher Gruppenphase des DFB-Teams gibt es kritische Stimmen: Aufstellung, Taktik, Personalie Niclas Füllkrug – jeder weiß es besser. Diese Fachmänner aus der Region schauen mit etwas mehr Expertise und Erfahrung auf die bisherigen Leistungen und die mögliche Herangehensweise gegen den Achtelfinalgegner Dänemark:
Rüdiger Rehm: "Da fehlt für mich ein Lauf in die Tiefe eines Mitspielers"

Der 251-fache Drittliga und 62-malige Zweitliga-Trainer sieht die deutsche Elf auf einem taktisch sehr guten Niveau. „Wir spielen dominant, mit immer viel Ballbesitz und einer entschlossenen Mentalität, Zweikämpfe für uns zu entscheiden“, sagt der 45-Jährige. Die große Stärke der Deutschen liege in der Besetzung der Halbräume, mittig rechts und links vor dem Strafraum. „Da bekommen wir natürlich Musiala und Wirtz perfekt ins Spiel, die diese Räume lieben.“ Folgend passiere für Rehm aus diesen Situationen allerdings zu wenig. „Da fehlt für mich ein Lauf in die Tiefe eines Mitspielers, um der gegnerischen Abwehr noch mehr wehzutun. Vor allem Stürmer Kai Havertz nutzt dieses Element zu selten. Für meinen Geschmack kommt er zu oft entgegen für ein Anspiel.“
Einen Grund, die Startelf zu wechseln, sieht Rehm allerdings erstmal nicht, da Trainer Nagelsmann einen Plan verfolgt. „Wenn es dann nicht funktioniert, hat man mit Niclas Füllkrug oder Maximilian Beier andere interessante Spielertypen auf der Bank.“ Rehms Tipp für das Achtelfinale, wenn die Stürmer seine geforderten Tiefenläufe intensivieren: 3:1 für Deutschland.
Martin Lanig: "Vor keinem Gegner im Turnier verstecken"

Der ehemalige Bundesligaspieler und bis zuletzt Trainer des Oberligisten FSV Hollenbach bewertet das bisherige deutsche Auftreten so positiv, dass „wir uns vor keinem Gegner im Turnier verstecken müssen“.
Aber Achtung: Dänemark habe er beim letzten Gruppenspiel live gesehen – „sie sind eine gute Mannschaft, die durch kurze Abstände und Passwege glänzt.“
Der erfahrene Christian Eriksen, der wuchtige Stürmer Rasmus Højlund und der körperlich starke Innenverteidiger Jannik Vestergaard seien die Schlüsselspieler. Wenn die Dänen „aus ihrer Kompaktheit hoch pressen und aggressiv sind“, wird es für die Deutschen schwer, wie zuletzt gegen die Schweiz. Hinzu kommt das Problem durch den Ausfall von Jonathan Tah in der Innenverteidigung.
Dennoch: „Wenn wir das Tempo hochhalten und keine Fehler machen, gewinnen wir mit 3:1“, tippt der langjährige VfB-Stuttgart-Spieler Martin Lanig.
Uwe Rapolder: "Da würde ich Füllkrug bevorzugen“

Der 66-jährige Fußballfachmann, der zuletzt dem VfR Heilbronn in beratender Funktion zum Aufstieg in die Verbandsliga verhalf, ist mit der Rückkehr zum 4-2-3-1-System der Deutschen mehr als zufrieden. „Es erfordert eine hohe Agilität und eine enorme Laufbereitschaft“, so Rapolder. Vorne brauche es zudem einen Zielspieler, der mit Havertz nicht optimal besetzt sei. „Er ist für meinen Geschmack zu wenig anspielbar. Da würde ich Füllkrug bevorzugen.“
Sonst brauche es allerdings keine Änderungen in der deutschen Startformation. „Deutschland bekommt gegen Dänemark keine großen Probleme“, kündigt er an. „Sie haben keine schnellen und technisch versierten Spieler. Das ist die größte Waffe gegen uns.“ Die erste echte Härteprobe komme dann im Viertelfinale gegen Spanien. Rapolders Tipp also: ein souveränes 2:0 für die Nagelsmann-Elf.
Thomas Kettner: "Von Florian Wirtz und Joshua Kimmich bin ich ein wenig enttäuscht"

Trotz seiner kurzen Zeit als Trainer beim VfR Heilbronn (2023) ist Kettner das taktische Wissen nicht abzusprechen. Die bisherigen deutschen Spiele stimmen ihn positiv. „Man muss auch mal überlegen, was bei den letzten Turnieren war.“
Julian Nagelsmann mache das Bestmögliche aus den verfügbaren Spielern und darf auf deren „individuelle Qualität und Zusammenspiel“ vertrauen.
Dennoch gibt es für manche noch Luft nach oben. „Von Florian Wirtz und Joshua Kimmich bin ich ein wenig enttäuscht. Sie spielen noch unter ihren Möglichkeiten“, analysiert Kettner. Gegen Dänemark erwartet er dennoch einen 2:1-Sieg für die deutsche Elf.
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