Stadion-Odyssee des SGV Freiberg endet in Heilbronn – „Zeitpunkt genau richtig“
Unabhängig von seiner Ligazugehörigkeit wird Fußball-Regionalligist SGV Freiberg seine Heimspiele in der nächsten Spielzeit im Heilbronner Frankenstadion austragen und sich umbenennen. Bis zu dieser Entscheidung war es allerdings ein weiter Weg.
Es ist noch ein weiter, 13 Spieltage andauernder Weg, den der SGV Freiberg in dieser Spielzeit in der Regionalliga Südwest zu gehen hat, bis der Traum von Drittliga-Fußball für Präsident Emir Cerkez Realität werden könnte. Doch besser als dieser Tage waren die Aussichten auf die 3. Liga für den Sport- und Gesangsverein vom Neckar noch nie.
Mit einem Punkt Vorsprung auf Verfolger SG Sonnenhof Großaspach und dem Nachholspiel am heutigen Dienstag, 3. März, zu Hause gegen Eintracht Trier in der Hinterhand (19 Uhr, Kleiner Arena, Nöttingen), geht der Tabellenführer in den Saisonendspurt der Regionalliga und hat am Montag angesichts der sportlich vielversprechenden Ausgangslage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erstmals in seiner Vereinsgeschichte die Lizenzunterlagen für die niedrigste deutsche Profiliga eingereicht.
SGV Freiberg im Heilbronner Frankenstadion: OB Harry Mergel sieht „sehr gute Grundlage“
Weil das heimische Wasenstadion in Freiberg am Neckar den Anforderungen an Drittliga-Fußball jedoch nicht genügt, war einer der wichtigsten und bis zuletzt ungeklärten Punkte die Stadionfrage, die der SGV nun mit dem Heilbronner Frankenstadion beantwortet hat: unabhängig von der Ligazugehörigkeit werden die Freiberger die Heimspiele ihrer ersten Mannschaft in der Saison 2026/2027 im Frankenstadion austragen. Das bestätigten am Dienstag Stadt und Verein in jeweils unabhängig voneinander veröffentlichten Pressemitteilungen.
„Der Zeitpunkt für diese Entwicklung ist genau richtig“, sagt Oberbürgermeister Harry Mergel. „Mit der vorhandenen Infrastruktur im Frankenstadion haben wir eine sehr gute Grundlage, Heimat für hochklassigen Fußball mit einer Strahlkraft weit über die Stadt hinaus zu werden. Jetzt gilt es, diese Chance entschlossen zu nutzen. Der Verein wird künftig auch Heilbronn im Vereinsnamen tragen.“

Von Hansa Rostock bis 1860 München: Traditionsclubs könnten im Frankenstadion Station machen
Sollte dem SGV Freiberg der Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse gelingen, könnten damit ab dem Sommer Traditionsclubs mit reisefreudigen Fans wie Hansa Rostock, Rot-Weiss Essen, 1860 München, Waldhof Mannheim, Alemannia Aachen oder im Falle eines Zweitliga-Abstiegs auch Eintracht Braunschweig oder Dynamo Dresden regelmäßig in Heilbronn Station machen.
„Wir bedanken uns bei der Stadt für die offenen Gespräche und das entgegengebrachte Vertrauen“, betont Emir Cerkez, Präsident des SGV Freiberg Fußball, in der Pressemitteilung der Stadt. „Wir freuen uns auf die zukünftige und langfristige Zusammenarbeit.“
Zwist zwischen SGV Freiberg und Stadt Freiberg am Neckar als Anstoß
Dass erstmals seit der Zweitliga-Saison des alten VfR Heilbronn 1974/1975 wieder der Wind des Profifußballs durch das Frankenstadion wehen könnte, liegt dabei vor allem am Zwist zwischen SGV Freiberg und der Stadt Freiberg am Neckar. Weil sich Präsident Cerkez und die Freiberger Fußballer seit Jahren nicht mit der Stadt über Nutzung, Instandsetzung und Ausbau des Wasenstadions einigen konnten, liebäugelte der Vereins bereits seit mehreren Jahren mit einem Umzug in eine andere Spielstätte. Vor zwei Jahren hatte der SGV schließlich bereits aufgrund der ungeklärten Stadionfrage auf einen Lizenzantrag für die 3. Liga verzichten müssen.
„Unter diesen Umständen können wir in Freiberg keine Regionalliga mehr spielen. Wir werden durch unsere eigene Stadt vertrieben“, hatte Cerkez Ende Februar gegenüber der „Ludwigsburger Kreiszeitung“ noch einmal unterstrichen und zugleich einen Umzug der ersten Mannschaft in eine andere Stadt in Aussicht gestellt.
Aalen, Aspach und Ludwigsburg sind schnell aus dem Rennen
Die zweitligaerprobte Centus Arena von Oberligist VfR Aalen, in der in der Spielzeit 2023/2024 schon kurzzeitig der damalige Drittliga-Aufsteiger SSV Ulm seine Winter-Heimspiele aufgrund einer seinerzeit noch fehlenden Rasenheizung im heimischen Donaustadion ausgetragen hatte, war aber aufgrund der geografischen Entfernung trotz beidseitigem Interesse ebenso schnell aus dem Rennen wie die Arena in Aspach.
Die dortige Doppelbelegung mit Regionalliga-Konkurrent SG Sonnenhof Großaspach und des VfB Stuttgart, der sich mit seiner in der 3. Liga spielenden zweiten Mannschaft dort eingemietet hat, machte einen weiteren Untermieter unmöglich. Weil unter anderem auch das Ludwigsburger Ludwig-Jahn-Stadion, Spielstätte des damaligen Regionalligisten SpVgg 07 Ludwigsburg, die DFB-Auflagen nicht erfüllt, nahm der SGV schließlich Gespräche mit der Stadt Heilbronn und Frankenstadion-Ankermieter VfR Heilbronn auf, die auch weiterhin andauern.
Taugen der Sportpark Höhenberg und die Akon Arena als Vorbilder?
Nachdem die Stadt Heilbronn in der Folge angekündigt hatte, das bisher ebenfalls nicht drittligataugliche Frankenstadion unter anderem mit einer Flutlichtanlage und der Sanierung der Laufbahn modernisieren zu wollen, hatten sich die Anzeichen für einen Freiberger Umzug in den vergangenen Wochen bereits verdichtet. Klar ist allerdings auch: auch nach der Umsetzung beider baulicher Maßnahmen erfüllt die größte Sportstätte der Stadt die Auflagen des DFB für Drittliga-Fußball noch nicht.
So fehlen im weiten Rund unter anderem eine Rasenheizung und die mindestens erforderlichen 2000 Sitzplätze. Abhilfe könnten hier provisorisch errichtete Stahlrohrtribünen schaffen, wie sie schon dem Sportpark Höhenberg des FC Viktoria Köln oder der Akon Arena der Würzburger Kickers zu erforderlichen Mindestkapazitäten und damit dritt- beziehungsweise zweitligatauglichen Spielstätten verholfen haben. Über entsprechende Investitionen soll der Heilbronner Gemeinderat „voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung abstimmen“, wie es in der Pressemitteilung der Stadt heißt.
VfR Heilbronn ist „offen für konstruktive Gespräche“
Keinen Einfluss soll der Umzug des SGV Freiberg auf die Heimspielstätte des Verbandsligisten VfR Heilbronn haben. Wie die Stadt mitteilt, liege die Entscheidung über die Zulassung des Frankenstadions für den Drittliga-Spielbetrieb nun beim Deutschen Fußball-Bund.
„Ungeachtet davon wird der VfR Heilbronn seinen Trainings- und Ligabetrieb weiterhin im Frankenstadion ausüben“, heißt es weiter. „Wir unterstützen das Ziel, Drittliga-Fußball in Heilbronn zu etablieren und sind offen für konstruktive Gespräche, die die Tradition und die Identität des VfR berücksichtigen“, betonen die beiden Vereinsvorsitzenden des VfR, Onur Celik und Wolfgang Gottwald.
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