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U17-Bundesliga-Cup
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Wo ist der nächste Klose? Grundsatzfragen bei Fußball-Talentschau in Heilbronn

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Beim U17-Bundesliga-Cup, den der FC Augsburg gewinnt, geht es auch um Deutschlands Zukunft. Sind die Talente in der Lage, die Fußballnation wieder glücklich zu machen?

Platzsturm der Ersatzspieler und Ausgewechselten: Jubel beim FC Augsburg nach dem 1:0-Finalsieg beim U17-Bundesliga-Cup gegen den Hamburger SV.
Fotos: Ralf Seidel
Platzsturm der Ersatzspieler und Ausgewechselten: Jubel beim FC Augsburg nach dem 1:0-Finalsieg beim U17-Bundesliga-Cup gegen den Hamburger SV. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Der Blondschopf da drüben, am Rand des Rasens, der ist genau der richtige Gesprächspartner zum Thema Krise im deutschen Fußball, Fachbereich: Wo ist er bloß, der nächste Miro Klose? Mike Hanke weiß, wie es geht. Tore schießen. Bälle reinmachen. Chancen verwerten. Von 2002 bis 2014 hat er für den FC Schalke 04, den VfL Wolfsburg, Hannover 96, Borussia Mönchengladbach und den SC Freiburg 284 Spiele in der Fußball-Bundesliga bestritten, in denen er 57 Tore erzielte. Auch das deutsche Nationaltrikot hat Mike Hanke getragen, 12 Mal. 2006 war er beim WM-Sommermärchen im eigenen Land dabei und wurde mit dem DFB-Team Dritter.

Mike Hanke ist als Co-Trainer dabei

Jetzt ist der einstige Mittelstürmer Hanke als Co-Trainer der U17 von Borussia Mönchengladbach nach Heilbronn gekommen. Und sieht erst im vierten Gladbacher Spiel beim stark besetzten U17-Bundesliga-Cup in der Erbe-Arena des FCU ein Tor seiner Mannschaft. 0:3 gegen die TSG Hoffenheim, 0:1 gegen den FC Schalke 04, 0:3 gegen den VfB Stuttgart. Dann im Spiel um Platz sieben immerhin ein 1:0 gegen Eintracht Frankfurt. Vorletzter.

Der vielversprechende neue Mittelstürmer der Borussia-U17 kann angeschlagen nur zuschauen. Sulo Ketola, ein 16-jähriger Finne. 1,96 Meter groß. Eine echte Kante, wie man umgangssprachlich sagt. Typus klassischer Neuner. Aber keiner, der jemals das deutsche Nationaltrikot tragen wird.

Ob es Otto Stange vom Hamburger SV sein könnte, der irgendwann in die großen Fußstapfen des DFB-Rekordtorschützen Klose tritt? Der 16-Jährige ist beim U17-Bundesliga-Cup in Heilbronn als Torschützenkönig ausgezeichnet worden. Drei Treffer gelingen ihm. Allerdings keiner im Finale, das der HSV gegen den FC Augsburg mit 0:1 verliert.

 


 

Der HSV-Mittelstürmer, ein Deutsch-Brasilianer, ist DFB-Jugendnationalspieler. Zuletzt haben diverse deutsche Auswahlmannschaften sehr enttäuscht. Das A-Team von Bundestrainer Hansi Flick mit den schwachen Leistungen beim sieglosen Juni-Testspieltriple, die U21 mit dem Vorrunden-Ausscheiden bei der Europameisterschaft - als Titelverteidiger. Danach gab es die große Generaldebatte: Warum ist der deutsche Fußball so schlecht? Warum bringen die Talente nicht mehr? Was läuft falsch in den Nachwuchs-Leistungszentren?

An der Debatte ist nichts falsch

Der Hamburger U17-Trainer Marcus Rabenhorst sagt am Rand des Turniers in Heilbronn: "Es ist gut, die Debatte so zu führen und Dinge zu hinterfragen." Denn ein grundlegender Wandel ist eine Sache von vielen Jahren. "Man muss klein anfangen, um gewisse Spielertypen zu entwickeln." Dass es dem in früheren Jahrzehnten mit starken Mittelstürmern sehr gut versorgten Fußball-Deutschland an Weltklasse auf dieser Position fehlt, ist längst bekannt. "Aber wenn diese Spieler nicht geboren werden, wo soll man sie herzaubern?", fragt Marcus Rabenhorst. "Spieler haben gewisse Attribute. Und wir wollen keinen auf links drehen."

 


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Emotionales Heimspiel für Heilbronner Talente beim U17-Bundesliga-Cup


 

Beim U17-Bundesliga-Cup in Heilbronn geizen die Teams in den entscheidenden Spielen am Sonntag mit Toren. Der VfB Stuttgart verliert sein Halbfinale durch ein Tor in letzter Sekunde unverdient mit 0:1 gegen den FC Augsburg. Die TSG Hoffenheim spielt im zweiten Halbfinale 0:0 gegen den HSV, unterliegt dann mit 2:4 im Elfmeterschießen.

Dann kommt das Gladbacher 1:0 gegen Frankfurt im Spiel um Platz sieben, das 1:0 des FC Schalke 04 im U17-Revierderby um Platz fünf gegen Borussia Dortmund sowie das 2:1 der TSG Hoffenheim im badisch-schwäbischen Prestigeduell mit dem VfB Stuttgart um Platz drei durch ein Tor in der vorletzten Minute. Im Endspiel ist es dann wieder nur ein Treffer, der entscheidet.

Kaum Tore. Viel Taktik. Und die Frage: Woran klemmt es da vorne? Talent ist das eine, Ausbildung das andere. Mike Hanke, der einstige Klasse-Mittelstürmer, glaubt, dass man in den Nachwuchs-Leistungszentren der Fußball-Bundesligisten wieder mehr auf Spezialisierung setzen muss. Und zwar früh, "schon in der U13 und U14". Wenn er zum Beispiel auf die Gladbacher U17 schaue, "dann haben wir in der Mannschaft Stürmer mit Torinstinkt. Aber man müsste das noch früher fördern - auch wenn in diesem Alter dann die körperlichen Voraussetzungen vielleicht noch fehlen." Für Mike Hanke ist klar, dass im deutschen Fußball nach dem WM-Triumph 2014 Fehler gemacht wurden. "Das fällt uns jetzt auf die Füße, dass man da nicht mehr konsequent war." Aber: "Wir sollten ein bisschen Geduld haben. Solche Löcher hatten auch andere Nationen." Hankes letzter Satz lautet: "Wir arbeiten dran."

VfB-Trainer Kirchhoff sieht eine gute Basis

So sieht es auch Jan Kirchhoff, der U17-Trainer des VfB Stuttgart, einst Profi unter anderem beim FC Bayern München. "Wir haben momentan nicht die Königslösung", sagt er. "Aber wir arbeiten daran, dass die Jungs hungrig sind und den absoluten Willen haben."

Auch er hat bei der aus deutscher Sicht enttäuschenden U21-EM hingeschaut, "was die aktuellen Trends sind". Jan Kirchhoff glaubt: "Der generelle Abgesang auf den deutschen Fußball ist ein bisschen falsch." Er sieht viele Spiele im Nachwuchsbereich. "Und es gibt auf jeder Position herausragende Talente. Die Basis ist da. Es liegt allerdings auch an den Spielern, was letztlich aus den Möglichkeiten wird. Persönlichkeitsentwicklung ist da ein großes Thema. Jeden Tag fragen: Wie sehr willst du es? Das ist schwer, gerade in einer Gesellschaft, in der vieles immer weicher wird." Mal schauen, wie sich die Talente entwickeln werden, die nun beim U17-Bundesliga-Cup auffällig waren, etwa der Hoffenheimer Luca Erlein, der als bester Spieler des Turnier geehrt worden ist. Meinung "Geht doch"

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