Ein Punkt für die Moral: TSV Neuenstein trotzt Spitzenreiter Remis ab
Die Neuensteiner Pink Ladies erkämpfen sich gegen Hessen Wetzlar ein 1:1 und stürzen damit den Regionalliga-Tabellenführer. Trainer Thomas Kettner sieht eine gute Entwicklung.

Die Pink Ladies drehten vergnügt ihre Ehrenrunde auf dem heimischen Grün. Die Regionalliga-Fußballerinnen des TSV Neuenstein ließen sich wie nach einem Sieg feiern. Dabei war es lediglich ein Punktgewinn. Aber es war ein 1:1 gegen den bisherigen Tabellenführer Hessen Wetzlar. Und den Teilerfolg hatten sich die Neuensteinerinnen redlich verdient und ehrlich erarbeitet.
Nach 6:0 Toren und sechs Punkten zum Start ins Jahr, war dies ein Rückschlag für das Team aus Hessen. Durch einen 2:0-Sieg im Gipfeltreffen gegen den SV Hegnach eroberte sich der SC Freiburg II die Spitzenposition. Dementsprechend enttäuscht zeigten sich die Wetzlarerinnen, ließen sich niedergeschlagen auf den Rasen sinken und Trainer Dennis Peter erschien auch nicht zur Pressekonferenz, die dann Thomas Kettner alleine mit Moderator Dirk Sinzinger abhielt.
Klassenerhalt wird trotz Punktgewinn immer unwahrscheinlicher
"Wir waren näher am Dreier als Wetzlar", sagte der Neuensteiner Coach. "Es ist toll, dass wir den Punkt geholt haben, aber es waren eigentlich zwei zu wenig." Vor allem wenn man auf die Tabelle schaut und noch auf den Klassenerhalt hofft. Denn der Karlsruher SC auf dem ersten Nichtabstiegsplatz hat den TSV Jahn Calden mit 1:0 geschlagen und seinen Vorsprung so auf zehn Punkte vergrößert. Aber den Neuensteinerinnen geht es inzwischen in erster Linie darum, die Runde ordentlich zu Ende zu spielen - unabhängig vom Tabellenplatz.
Neuenstein verteidigte kompakt und konzentriert. Die Pink Ladies ließen in der ersten Halbzeit nur wenig zu. Sicher, Wetzlar fand auf der rechten Seite immer wieder Lücken, doch den Flanken fehlte die Präzision. Zudem fehlte in der Mitte meist eine Abnehmerin. Die Gäste hatten zwar mehr Ballbesitz, doch sie wussten dies nicht zu nutzen. Andererseits blieben auch Vorstöße der Neuensteinerinnen Mangelware.
Keine Tore in unterhaltsamer erster Hälfte
Doch zwei, drei Mal verströmten auch sie Gefahr. So hieß es nach einer temporeichen und trotz der wenigen Höhepunkte in den Strafräumen unterhaltsamen ersten Hälfte 0:0. "Auch wenn Wetzlar natürlich viel Qualität hat, waren wir richtig gut auf die vorbereitet", lobte Kettner. "Die sind sehr gefährlich im Umschaltspiel, wir haben es geschafft, dies zu unterbinden."
Die Gastgeberinnen kamen dann mit mehr Schwung, mit mehr Mut aus der Kabine und machten mächtig Druck. Schon in der 47. Minute verpasste Nadine Hilkert bei einer Ecke von Jana Uhl den Ball nur knapp. Wetzlar war überrascht, der Tabellenführer wusste sich in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte kaum zu befreien.
Gegentor in eigener Drangphase
So flog dann auch ein Freistoß von Franka Ziegler nur knapp vorbei. Insgesamt waren die Neuensteiner Abschlüsse aber zu harmlos. Gefährlich war dann ein Freistoß von Sophie Gronbach in der 57. Minute, der knapp am Tor vorbeiflog. Oft wussten sich die Gäste in dieser Phase nur mit Fouls zu helfen, so groß war der Druck des TSV, der schon im Mittelfeld aggressiv presste. Aber den Neuensteinerinnen fehlte vor lauter Euphorie im Vorwärtsgang die Ruhe. Die Pässe in die Spitze waren zu ungenau.
Erst langsam fand Wetzlar wieder zu seinem Spiel, wurde griffiger und war bei Kontern immer gefährlich. So schob Selina Weiser den Ball knapp am Pfosten vorbei. Und wie so oft, wenn eine Drangphase nicht genutzt wird, gab es den Rückschlag für die Pink Ladies. Erst parierte Torhüterin Elisa Mandarello prima, dann retteten zwei Spielerinnen auf der Linie, klemmten dabei aber den Ball ein. So gab es nach 68 Minuten einen indirekten Freistoß.
Torjägerin Anna Efimenko fand die Lücke in der Mauer und schloss überlegt zur Wetzlarer Führung ab. Doch die Pink Ladies ließen sich davon nicht beeindrucken. Wieder einmal gab es einen Freistoß aus 18 Metern.
Kettner lobt Engagement und Laufleistung
Erneut nahm Gronbach Maß, versuchte es direkt und traf unter die Latte - das 1:1 in der 71. Minute. Danach wurde es ein offener Schlagabtausch. Kein Team wollte sich mit dem Unentschieden zufriedengeben. Am Ende freuten sich die Pink Ladies trotzdem mehr über das 1:1 als Wetzlar. "Wir sind unheimlich viel gelaufen", lobte Kettner. "Ich bin der Meinung, dass wir in den Themen Leidenschaft und Engagement in der Rückrunde zugelegt haben und deshalb in einem besseren Fahrwasser sind."
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