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Als "s'Männle" mit dem VfB Eppingen gegen die späteren Weltmeister Brehme, Bein und Buchwald spielte

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Als die späteren Fußball-Weltmeister Brehme, Buchwald und Bein gegen den VfB Eppingen spielten: Klaus Teichmann erinnert sich an das Zweitliga-Abenteuer der Kraichgau-Elf, das vor 40 Jahren zu Ende gegangen ist.

Von Marco Merz
An Klaus Teichmann bissen sich die Gegner die Zähne aus. Foto: Klaus Krüger
An Klaus Teichmann bissen sich die Gegner die Zähne aus. Foto: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Es wäre die potenzielle Millionen-Frage: Was war das verbindende Erlebnis der Weltmeister von 1990 Andreas Brehme, Guido Buchwald und Uwe Bein genau ein Jahrzehnt vor ihrem größten Karriere-Erfolg in Rom? Richtig, sie traten allesamt mit ihren damaligen Clubs in der 2. Bundesliga Süd gegen den VfB Eppingen im Waldstadion an.

Und bis auf Uwe Bein (Kickers Offenbach) verließ keiner der späteren Weltmeister den Kraichgau als Sieger. Brehme blieb mit dem 1. FC Saarbrücken (0:4) im in Eppingen ebenso punkt- und torlos wie Buchwald mit den ambitionierten Stuttgarter Kickers (0:1).

Dass das Saisonfinale der für Eppingen geschichtsträchtigen Spielzeit 1980/81 schon 40 Jahre zurückliegt, daran erinnern sich nur wenige Fußballfans. Beim VfB denken die meisten an die Mutter aller Pokalsensationen, als die Kraichgauer den HSV mit 2:1 schlugen.


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Das Mentalitätsmonster brachte Schlappner zur Weißglut

Einer der Protagonisten des Zweitliga-Jahres war der aus Steinsfurt stammende Klaus Teichmann. "S" Männle" nannte der Volksmund den zentralen Mittelfeldspieler respekt- und liebevoll. Und ja, "s' Männle" stand seinen Mann gegen die Großkopferten aus Darmstadt, Offenbach, Stuttgart, Freiburg oder Mannheim.

Heute würde man ihn als Mentalitätsmonster bezeichnen. Einer, der mit seiner Lauf- und Zweikampfstärke auch die späteren Weltmeister Buchwald und Bein bei ihren Gastspielen in Eppingen nicht zur Entfaltung kommen ließ. Und so manchen Star-Trainer hinterher zur Weißglut trieb. "Der Klaus Schlappner war nach der Derby-Niederlage seines SV Waldhof gegen uns so angefressen, dass er sich in der Pressekonferenz über meine Spielweise gegen seinen Strategen Wolfgang Böhni beschwerte", erinnert sich Teichmann. Doch schon wenige Tage später erhielt er die Absolution. "Der beliebte Eppinger Pfarrer Erz schrieb mir einen netten Brief, in dem er mich und meine Spielweise lobte", ist Teichmann diese Geste auch heute noch unvergessen.

Spätere Weltmeister wie Guido Buchwald (rechts), Andreas Brehme und Uwe Bein waren mit ihren Teams zu Gast in Eppingen − und taten sich schwer. Foto: imago images
Spätere Weltmeister wie Guido Buchwald (rechts), Andreas Brehme und Uwe Bein waren mit ihren Teams zu Gast in Eppingen − und taten sich schwer. Foto: imago images  Foto: imago sportfotodienst

Er, der mit seinen 34 Einsätzen mit Torwart-Legende Volker Gebhard sowie Erwin Rupp die meisten Zweitliga-Spiele für den VfB absolvierte, kassierte nur eine Gelbe Karte während der gesamten Saison. Und er erzielte das goldene Tor beim 1:0-Heimsieg gegen das Top-Team Stuttgarter Kickers. "Der Kleinste war der Größte" betitelte die "Bild" damals Klaus Teichmann.

Volksnahe Jungs, die Feierabend-Fußballer waren

Die Heldentat war an seinem Arbeitsplatz bei Bosch tags darauf das große Gesprächsthema. "Meine Vorgesetzten und Arbeitskollegen haben mich begeistert darauf angesprochen", erinnert sich der heute 66-Jährige, der wie all seine Mannschaftskameraden als Feierabend-Fußballer in der 2. Bundesliga agierte. Was heute unvorstellbar ist, war damals zumindest beim VfB Normalzustand: Die volksnahen Jungs aus der Region arbeiteten allesamt bei regionalen Arbeitgebern.

"Wir hatten während der Saison zwei- bis dreimal abends Training. Also in etwa so, wie es heute bei einer Landesliga-Mannschaft der Fall ist." Umso mehr war und ist Teichmann, der läuferisch und kräftemäßig mit Ausnahmespielern wie Bein, Buchwald, Brehme &. Co. mithielt, "stolz auf das, was ich sportlich und beruflich geleistet habe".

Empfindlichen Niederlagen standen Highlight-Duelle gegenüber. Insbesondere in den Heimspielen im häufig vollen Käfig im Waldstadion tobten sich die Eppinger gegen die "großen Tiere" wie ein hungriges Rudel aus - und trotzten sogar dem späteren souveränen Meister Darmstadt 98 in einem begeisternden Spiel ein 2:2 ab.

Käfig-Ambiente, selbst erarbeitet mit Schaufel und Spaten

Stolz durfte aber auch der gesamte Verein auf den enormen organisatorischen Kraftakt sein, mit dem die aufwendigen logistischen Voraussetzungen für das Abenteuer in kürzester Zeit in bewundernswerter Eigenleistung geschaffen wurden. So griffen die Mitglieder, Sympathisanten und auch gelegentlich die Zweitliga-Spieler zu Schaufel und Spaten, um den Stadionausbau zügig voranzutreiben und schufen somit das noch heute in der Fußballszene sehr geschätzte "Käfig-Ambiente" im Stadion an der Waldstraße.

Nach einem Eckstoß traf der VfB Eppingen gegen die favorisierten Stuttgarter Kickers spät zum 1:0-Sieg, die Fans waren aus dem Häuschen. Foto: imago images
Nach einem Eckstoß traf der VfB Eppingen gegen die favorisierten Stuttgarter Kickers spät zum 1:0-Sieg, die Fans waren aus dem Häuschen. Foto: imago images  Foto: imago sportfotodienst

In der Tat: Wer einmal im Eppinger Käfig spielen durfte, der weiß, dass da heute wie damals Fußball pur erleb- und spürbar ist. Dass damals aufgrund der neu eingeführten eingleisigen 2. Bundesliga die Chancen des VfB auf den Klassenerhalt nur theoretischer Natur waren, war früh klar.

Während der Saisonstart noch sehr respektabel verlief (bis zum 10. Spieltag war die Punktebilanz relativ ausgeglichen), war in der Endphase ein sportlicher Substanzverlust unverkennbar. In den letzten zwölf Saisonspielen blieb das Team von Trainer Heiner Ueberle sieglos, kassierte zehn Pleiten und beendete die Saison auf dem letzten Platz.

Der Schlusspunkt war ein 1:5 bei Wormatia Worms

Am 30. Mai 1981 fiel mit dem letzten Spieltag der Vorhang dieses in vielerlei Hinsicht einmaligen Zweitligajahrs. Es endete mit einer 1:5-Niederlage bei Wormatia Worms, wobei Gerhard Schäfer den letzten Treffer in der kurzen Zweitliga-Historie des VfB Eppingen markierte.

 


Gefeiert wurde meist beim Zornikel

Daten, Fakten und Anekdoten aus der außergewöhnlichen Saison 1980/81, in der der VfB Eppingen in der zweiten Bundesliga spielte. Auch Stefan Kuntz war damals mit Borussia Neunkirchen zu Gast.

Tops und Flops

Mit sieben Siegen, acht Unentschieden und 23 Niederlagen beendete der VfB die Saison auf dem letzten Platz. Die höchsten Siege feierten die Ueberle-Schützlinge im heimischen Waldstadion gegen den 1. FC Saarbrücken (4:0) und den FSV Frankfurt (5:1); die deftigsten Pleiten kassierte man bei den Stuttgarter Kickers (0:6) sowie zu Hause gegen den FC Homburg und die SpVgg Bayreuth (jeweils 0:5). Vom 5. bis zum 9. Spieltag hielt mit zwei Siegen und drei Remis die längste Erfolgsserie an, während sich die längste Durststrecke in den letzten zwölf Spielen ergab, von denen zehn verloren gingen.

Die Rekordspieler

Volker Gebhard (37 Einsätze), Erwin Rupp, Gerhard Schäfer und Klaus Teichmann (alle 34) waren die Spieler mit den meisten Einsätzen in jener Saison. Die meisten Tore erzielten Erwin Rupp (8 Tore), Wolfgang Loes (7), Harry Griesbeck (6) und Peter Jakob (5).

Rohrbach, Reihen und die Region

Von weit her kamen sie nicht, Griesbeck, Nachbar, Gebhard, Kübler & Co. Kaum ein Zuschauer, der nicht irgendeinen Bezug hatte zu einem der Spieler, die beispielsweise aus Reihen (Peter Jakob), Eppingen- Rohrbach (Erwin Rupp), Steinsfurt (Klaus Teichmann), Sulzfeld (Rainer Götter) oder aus dem Unterland stammten (Martin "Batze" Kübler, Otis Nachbar, Klaus Rechkemmer und Harry Griesbeck).

Die Stars

Die späteren Weltmeister Brehme, Bein und Buchwald waren die erfolgreichsten Spielerpersönlichkeiten, die mit ihren damaligen Mannschaften im Eppinger Waldstadion antraten. Aber auch ein gewisser Stefan Kuntz (späterer Bundesliga-Torschützenkönig und Europameister 1996) war in der Saison 80/81 mit Borussia Neunkirchen ein Kontrahent des VfB, an den sich Klaus Teichmann jedoch nicht mehr erinnern kann "Echt? Der Stefan Kuntz? Den hatte ich nicht mehr auf dem Schirm", äußert sich Teichmann heute verblüfft.

Zudem spielten Klaus Täuber und der Neckarsulmer Dieter Dollmann (beide Stuttgarter Kickers), Roland Dickgießer, Günter Sebert, Alfred Schön (alle Waldhof), Darmstadts Sturmlegende Peter Cestonaro, Franz Gerber (Ingolstadt), Michael Kutzop (Offenbach) und Fred Schaub (SpVgg Fürth) gegen den VfB Eppingen.

Die Toptrainer

Mit Heinz Lucas (SpVgg Fürth), Jörg Berger (SSV Ulm 1846), Bernd Hoss (Freiburger FC), Franz Brungs (Kickers Offenbach), Heinz Elzner (FC Augsburg), Werner Olk (Darmstadt 98) und Klaus Schlappner (SV Waldhof) waren einige Trainer-Persönlichkeiten mit vormaliger oder späterer Bundesliga- oder gar Europapokal-Tätigkeit in Eppingen zu Gast.

Treffpunkt Talschenke

Ob es eingefleischte VfB-Fans noch wissen, dass sich das Team vor den Auswärtsspielen zur Bus-Abfahrt nicht am Waldstadion, sondern regelmäßig vor der Gaststätte und Metzgerei Talschenke in der Eppinger Talstraße traf? "Abgefahren sind wir immer an der Talschenke, abgehangen haben wir nach der Rückkehr aber meistens beim Didi im Zornickel", erinnert sich Teichmann gerne an so manch feucht-fröhlichen Abend in Eppingens Kult-Kneipe.

Einmal, nach dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg, wurde dort auch die Geburt seiner Tochter Nadine gebührend gefeiert - nachdem Teichmann frühmorgens vor der Abfahrt seine Ehefrau Monika noch schnell zur Entbindung ins Krankenhaus gefahren hatte, um danach direkt in den Mannschaftsbus zu steigen.

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