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Nach dem Abstieg des VfB Eppingen platzt die Schulden-Bombe

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Das Gastspiel in der 2. Bundesliga kommt den Kraichgau-Club teuer zu stehen. Die Verbindlichkeiten belasten den Verein über Jahrzehnte.

Obwohl sich auch die hoch verschuldete Stadt beteiligte, musste der Stadionausbau zu Teilen in Eigenleistung (rechts Klaus Teichmann) erbracht werden. Foto: Klaus Krüger
Obwohl sich auch die hoch verschuldete Stadt beteiligte, musste der Stadionausbau zu Teilen in Eigenleistung (rechts Klaus Teichmann) erbracht werden. Foto: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

So aufregend das Abenteuer sportlich auch war: Das Jahr in der 2. Bundesliga war für den VfB Eppingen finanziell eine Bruchlandung. Die Vorausberechnungen, die die Verantwortlichen damals angestellt und den Mitgliedern am 30. Mai 1980 bei der Abstimmung über den Aufstieg vorgestellt hatten, stimmten am Ende hinten und vorne nicht. Die Kosten fielen höher aus, die Einnahmen sprudelten längst nicht wie erhofft.

Im Juni 1981 platzte eine Schulden-Bombe, mit 300.000 Mark stand der Verein in der Kreide, wie die Heilbronner Stimme berichtete. Für das eine Zweitliga-Jahr, "müssen die Eppinger schwer büßen", hieß es im Bericht. Tatsächlich wurden die Jahre danach zur Zerreißprobe. In die anschließende Saison in der Oberliga, die der Verein nach seinem überteuerten Gastspiel im Profigeschäft als sportliche Heimat definiert hatte, musste man mit einem Mini-Etat von 315.000 Mark gehen - und wurde sofort in die Verbandsliga durchgereicht. Nur einmal - in der Saison 1990/91 - spielte der VfB nochmal in der Oberliga.

Nachwehen bis zum Clubhaus-Bau 30 Jahre später

Die einst ruhmreiche Vergangenheit hatte Spuren hinterlassen. "Die Altschulden waren im Verein immer ein Thema", sagt der heutige Vorsitzender Steffen Häffner. Selbst beim Bau des neuen Clubhauses 30 Jahre nach dem Ausflug in die zweite Liga sind die Nachwehen von einst noch spürbar. "Die Vorgabe von der Bank für eine Finanzierung war, dass wir auf rund 100.000 Euro Schulden runterkommen", berichtet Häffner. Das gelang, die Altschulden wurden mit in den Kredit über 600.000 Euro für das Clubhaus integriert.

Dass der Verein überhaupt bis dahin gekommen ist, macht Häffner stolz. "Die Führung damals hat den Club am Leben gehalten." Ein Meisterwerk der Sparsamkeit, das ohne Schuldenschnitt, Erlass oder gar einer Insolvenz in all den Jahren ausgekommen ist. "Andere Vereine sind in der Zwischenzeit durchfusioniert worden und haben ganz unten in der B-Klasse neu anfangen müssen", erklärt Häffner. Diesen Weg haben die Kraichgauer nie gehen müssen. Ein Umstand, der alle stolz macht.

Nachhaltigkeit war gefragt, seriöses Wirtschaften

Einfach war es beim VfB dennoch nicht. Die schlimmste Zeit folgte Anfang der Nullerjahre, Häffner war da frisch im Vorstand. "Wir sind mit unserer ersten Mannschaft 2003 in die Bezirksliga abgestiegen, hatten weder eine A-Jugend noch eine zweite Mannschaft - und das Clubhaus war brüchig." Die Eppinger mussten etwas ändern, um nicht in den Niederungen zu versinken oder den Traditionsverein sterben zu lassen. Nachhaltigkeit war gefragt, seriöses Wirtschaften. Der VfB investierte in den Unterbau, die Jugend und etablierte sich in der Landesliga und ist aktuell in der Verbandsliga vorne dabei. Ein langer Weg zurück.

Nicht wenige schielen wieder auf die Oberliga, die Vergangenheit hat die Verantwortlichen aber vorsichtiger gemacht. "Nur um ein Jahr Oberliga zu spielen, würden wir uns finanziell nicht übernehmen", sagt der Vorsitzende. Die Zukunft des Vereins würden sie nicht für kurzfristigen Erfolg aufs Spiel setzen. "Dafür stehen wir nicht", macht Häffner deutlich. Damals sei es aber was anderes gewesen. "Das haben die Mitglieder so entscheiden." Als Kind hat er die Spiele vor 40 Jahren mit großer Begeisterung live im Stadion verfolgt. "Für uns Eppinger war das ein Traum." Da wusste auch niemand, dass das böse Erwachen erst noch kommen würde.

 

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