Ralf Rangnick und Hansi Flick stehen als Löw-Nachfolger in der Region hoch im Kurs
Experten aus der Region trauern dem scheidenden Bundestrainer Joachim Löw nicht groß hinterher. Als Nachfolger fallen immer dieselben Namen. Wer wäre die beste Wahl?
Das Land braucht einen neuen Bundestrainer. Wer soll es ab Sommer als Löw-Nachfolger machen? Und warum? Wir haben uns in der Region umgehört. Und eindeutige Favoriten als Antwort erhalten.
Karlheinz Förster (62, Vize-Weltmeister 1982 und 1986, Spielerberater aus Schwarzach)
"Mich überrascht der Zeitpunkt, weil Jogi Löw vor wenigen Monaten noch gesagt hat, er macht ohne Einschränkungen weiter. Ich finde das jetzt, drei Monate vor der EM, ein bisschen unglücklich. Wir sind 1984 zur EM gefahren, da war auch klar, dass Jupp Derwall hinterher aufhört. Wir sind dann nach der Vorrunde ausgeschieden. Man sieht ja gerade bei Marco Rose in Gladbach, dass es nicht immer gut ist, wenn man solch eine Entscheidung frühzeitig bekanntgibt. Als Nachfolger gibt es für mich persönlich nur zwei Kandidaten: Hansi Flick oder Ralf Rangnick. Ich kenne Ralf seit meinem 17. Lebensjahr. Ralf hat Ahnung, der weiß wie das geht. Das hat er als Trainer und als Sportdirektor so oft bewiesen. Ralf hat absolut die Qualifikation für diesen Job."
Gerd Doll (66, Ex-Trainer des VfB Eppingen)
"Für mich kommt das aus heiterem Himmel. Bisher war Herr Löw in diesen Dingen eher stur. Er hat seinen Erfolg gehabt, aber irgendwann muss er aufhören und im Moment läuft es wirklich nicht mehr rund. Als Nachfolger kommen für mich nur zwei Leute in Frage: Ralf Rangnick und Jürgen Klopp. Rangnick hat bei seinen Vereinen - ob in Hoffenheim, Leipzig, sogar auf Schalke - immer viel bewegt, er könnte auch die Leistungszentren im Nachwuchs mit seinen Ideen voranbringen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das bei ihm oder Klopp auch mit Oliver Bierhoff klappt. Eher schon mit Hansi Flick. Wäre Bierhoff konsequent, würde er gleich mitgehen. Löw und er hätten dann ihre Ära gehabt, eine neue Zeitrechnung könnte beginnen."
Joachim Löw (58, Sportlicher Leiter Jugend Bambini bis F-Junioren der Neckarsulmer Sport-Union)
"Aufgrund der Namensgleichheit verbindet mich mit Herrn Löw so manche Anekdote, aber ich bin nicht traurig, wenn er nach der EM abtritt. Jedoch überrascht mich die Ankündigung zum jetzigen Zeitpunkt, bei seinen letzten Interviews vermittelte er noch einen hochmotivierten Eindruck. Ich glaube, die letzten Monate haben ihn zermürbt, er kommt emotional nicht mehr an die Spieler ran. Ein geeigneter Nachfolger wäre Jürgen Klopp, der ist zwar nicht frei, aber dessen Mannschaft Liverpool tut aktuell alles dafür, dass es soweit kommt. Um den deutschen Fußball voran zu bringen, reicht es jedoch nicht, nur einen neuen Bundestrainer zu suchen. Auch die Nachwuchsförderung muss sich ändern. Wer Erfolg haben will, muss auf eine gute Grundausbildung Wert legen, da haben wir den Anschluss verloren. Der Fußball hat sich weiterentwickelt, der DFB nicht."
Karlheinz Sprügel (72, Manager des FSV Hollenbach)
"Es wird höchste Zeit, dass er aufhört. Jogi Löw hat seine Verdienste gehabt, aber irgendwann sollte man wissen, wann es gut ist. Was er mit Müller, Boateng und Hummels gemacht hat - die drei so abzufertigen - das war unterste Gürtellinie. Klopp wäre für mich genau der richtige Nachfolger. Auch, wenn er jetzt erstmal abgewunken hat - man sagt im Fußball ja viel und das ändert sich mitunter relativ schnell. Wenn ich momentan die Probleme in Liverpool sehe, weiß ich nicht, ob das nicht eigentlich eine Traumlösung für beide Parteien wäre. Hansi Flick würde ich auch noch als guten Mann für das Amt ansehen, Julian Nagelsmann ist mir noch zu jung. Einen Bundestrainer über 60, so wie es Ralf Rangnick wäre, brauchen wir aber auch nicht, wenn man in Zukunft auf so junge Leute setzen will."
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