Jetzt ist Detektivarbeit gegen die Hopp-Hasser gefragt

Fußball  Nach dem Skandal von Sinsheim: Wie ermittelt die Polizei die Täter aus dem Bayern-Block? Ein Sprecher erklärt, warum die Polizei nicht einschritt.

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Vermummte Feuerteufel: Bayern-Fans brennen am Samstag Bengalos ab. Die Polizei will nun ermitteln, wer sie sind.

Foto: Andreas Veigel

Eine drängende Frage nach den unschönen Szenen beim Bundesligaspiel TSG Hoffenheim gegen den FC Bayern München lautet: Wie ermittelt die Polizei eigentlich die Täter im Bayern-Block?

Noch am Sonntag wurde eigens die Ermittlungsgruppe "Kurve" in Sinsheim mit sieben szenekundigen Beamten eingerichtet, die bei ihren Ermittlungen eng mit Münchner Kollegen zusammenarbeitet. Die Vorgänge im Bayern-Block wurden allesamt von der Polizei gefilmt. Sequenz für Sequenz wird nun in den nächsten Wochen das Videomaterial gesichtet, ermittelt. Es geht dabei nicht nur um die Beleidigungen gegen Dietmar Hopp, sondern auch um das wiederholte Abbrennen von Pyrotechnik durch Fans im Bayern-Block.

"Da wird das Videomaterial nun Sequenz für Sequenz vor- und zurückgespult. Das ist Detektiv- und Puzzlearbeit", sagt Norbert Schätzle, Pressesprecher bei der Polizei Mannheim.

Kaum Probleme mit Hoffenheimer Ultras

Ermittlungen gab es in Sinsheim übrigens einst auch gegen Hoffenheim-Fans, die zuvor Schmähgesänge gegen RB-Leipzig-Stürmer Timo Werner anstimmten. Dieser verzichtete damals allerdings auf eine Strafverfolgung.

Die TSG 1899 Hoffenheim hat kaum Probleme im Umgang mit den eigenen Ultras. "Auch in unserer Fanszene gibt es selten, aber hier und da falsche Äußerungen oder unschöne Symbolik. In solchen Fällen wird versucht, Verursacher ausfindig zu machen und gezielt anzusprechen", sagt Hoffenheims Pressesprecher Holger Kliem. Manchmal reicht aber auch das nicht.

Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren vier Mal Stadionverbote gegen eigene Fans verhängt. Nach rechtsextremen Äußerungen von vier TSG-Fans im November 2018 am Rande des Champions-League-Spiels in Lyon griff die TSG durch und verhängte gegen drei Personen bundesweite Stadionverbote für ein bis drei Jahre.

Dieses Mittel kommt nach Meinung von Dietmar Hopps Anwalt Christoph Schickhardt viel zu selten zum Einsatz. Er sieht hierbei auch die Sportverbände stärker in der Pflicht. "Das Verbandsrecht kann ein bundesweites Stadionverbot aussprechen. Das ist ein sehr scharfes Schwert", sagte der 64-Jährige aus Ludwigsburg am Sonntagabend in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten".

Polizeisprecher: Identifizierung im Stadion ein Ding der Unmöglichkeit

Viele Stadionbesucher haben sich am Samstag gefragt, warum die Polizei nicht einschritt, nachdem wiederholt Banner gegen Dietmar Hopp gezeigt wurden. Vor dem Gästeblock die Personalien der Ultras aufzunehmen, ist in solchen Fällen keine Option. "Wie soll man von 3000 Fans im Gästeblock die Personalien feststellen?", fragt Norbert Schätzle. Die Täter vor Ort zu identifizieren, sei ein Ding der Unmöglichkeit.

"Die sind dann nicht mehr vermummt, haben etwas anderes angezogen. Wir können ja auch nicht verhindern, dass sie sich vermummen", weiß Schätzle aus jahrelanger Erfahrung. Undenkbar und unverhältnismäßig wäre es auch gewesen, den Bayern-Gästeblock nach den wiederholten Beleidigungen gegen Dietmar Hopp von der Polizei räumen zu lassen. Schätzle malt ein drastisches Szenario: "Wenn wir dort als Polizei reinmarschieren würden, dann würde es blutig mit Verletzten und Schwerverletzen." Solidarisierungsaktionen Umstehender und Chaos wären die Folge gewesen.

Hopp will nicht mehr mit Kritikern sprechen

Gesprächsbereitschaft mit seinen vielen Kritikern ist bei Dietmar Hopp übrigens verständlicherweise nicht mehr vorhanden. "Ich hatte im Jahr 2010 schon mal ein solches Gespräch, bei dem rein gar nichts herauskam, weil die Herren ihre vorgefertigte Meinung vertraten und sich nicht einen Millimeter bewegen wollten", ließ Hopp am späten Sonntag mitteilen. Er sehe keinen Sinn darin, sich "mit Menschen auseinanderzusetzen, denen ich noch nie etwas getan habe, die mich seit Jahren grundlos massiv beleidigen und gar keinen Konsens wollen".

 

Info

Die Ermittler in Sinsheim sind auch auf die Mithilfe von Zeugen angewiesen. Insbesondere Personen, die private Videos mit ihren Handys von den Ereignissen im Gästeblock gefertigt haben, werden gebeten, diese der Ermittlungsgruppe unter sinsheim.prev.skb@polizei.bwl.de zur Verfügung zu stellen. Zeugenhinweise sind auch telefonisch unter 07261/690-0 möglich. 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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