Die Ochsenburger Gaststätte "Stern" leuchtet wieder
Die Weizenbierfreunde Ochsenburg bauen das Gasthaus als eigene Vereinsgaststätte um. Viele Geschichten sind mit dem Haus verbunden. Vereinsmitglieder sind seit 2013 dabei, Haus, Stall und Scheuer zu sanieren.

Noch mit 84 Jahren stieg Rosa Rapp die steilen rutschigen Stufen in den tiefen Gewölbekeller des Gästehauses hinunter, wenn ein neues Bierfass angestochen werden musste. Sie war die letzte, die in der gemütlichen Schenke die Ochsenburger bewirtete.
Vor Jahrhunderten saßen hier die Herren von Sternenfels, in der Zeit, als sie das bis dahin württembergische Lehen Ochsenburg bekamen. Es war ihr Gästehaus. Dann kam hierher die Postkutsche, als das Gasthaus Stern eine Poststation war.
Nach Gästehaus und Poststation wurde daraus dann ein einfaches Wirtshaus mit Bäckerei. In den Geschichtsbüchern erstmals als "Sternenwirt" erwähnt ist 1721 Jakob Sautter.
Bis 2008 blieb das Gasthaus Stern in der Ortsmitte des Zaberfelder Ortsteils Ochsenburg gegenüber der Margaretenkirche als Dorfwirtschaft und Treffpunkt für Jung und Alt erhalten. Gotthilf Rapp, von Beruf Metzger, Landwirt und Gastwirt, und seine Frau Rosa waren die letzten Wirtsleute in dem großen und geschichtsträchtigen Haus an der Ortsdurchfahrt. Zuletzt war es sogar Rosa Rapp alleine. Doch schließlich musste auch sie der Gesundheit Tribut zollen und sperrte 2008 die einzig verbliebene Ochsenburger Wirtschaft für immer zu.
Weizenbierfreunde kaufen alles ab
Das blieb so bis 2013. Dann nahmen sich die Weizenbierfreunde "95 Ochsenburg (WFO) dem "Sternen", wie das Lokal von den Ochsenburgern genannt wird, an und kauften das Gasthaus samt Stall und Scheuer den Erben ab. Schon lange war der Verein um Vorstand Julian Schüle auf der Suche nach einem Vereinsdomizil und Lagerräumen. Außerdem ist die Lokalität für die meisten Ochsenburger Vereinsmitglieder auch noch mit vielen Erinnerungen verbunden.
Julian Schüle ist zum Beispiel das stimmungsvolle Tapetenbild im früheren Saal, eine Landschaft mit Wald und Wildbach, im Gedächtnis geblieben. Frisch renoviert ist aus dem rund 65 Quadratmeter großen Saal inzwischen der Probenraum für die WFO-Band Oxuvatus geworden. Mit dem Wandbild natürlich.
Ausschank in der Scheune
Seit dem Kauf 2013 sind die Vereinsmitglieder mit großem Engagement und viel Muskelkraft dabei, Haus, Stall und Scheuer Stück für Stück zu sanieren. Der ehemalige Kuhstall, im Original belassen, nur ausgeputzt und frisch gestrichen ist jetzt der "Festsaal" beim alljährlichen Glühweinfest am 6. Januar und beim Schlachtfest im Frühjahr. Der Ausschank dazu, die Bar, steht in der Scheune.
Der Hofraum ist neu gepflastert und die baufällige Steintreppe vom Wohn- und Gasthaus in den Hof durch eine neue Stahltreppe ersetzt. Aus dem alten Geländer haben dann pfiffige Mitglieder eine Stahlskulptur gefertigt. Auch eine neue schmucke Haustüre mit dem Vereinswappen ist inzwischen eingebaut. Und an der Außenwand leuchtet ein neues "Gasthaus Stern"-Schild.
Erinnerungsstücke werden hochgehalten
Neu und in Edelstahl glänzt die sanierte Wirtshausküche. Ihr Flair behalten soll die rustikale Gaststube samt Theke, deshalb wird sie auch nicht verändert. Erinnerungsstücke, wie die lange Eckbank ringsum, die nostalgische Coca-Cola-Uhr und alte Bilder haben es den Vereinsverantwortlichen angetan. "Das gibt unser Vereinslokal", sagt Julian Schüle. Weitere Vereinsräume wie Sitzungszimmer, Büro und ein Raum für Übernachtungsgäste sind im Obergeschoss in der ehemaligen Wohnung geplant.
Der Verein
Die Weizenbierfreunde Ochsenburg sind ein eingetragener Verein, der 1995 gegründet wurde. 173 Mitglieder zählte der Club Ende 2019. Die Weizenbierfreunde gehören zur Dorfgemeinschaft wie der traditionelle Männergesangverein oder der Sportverein. Alljährlicher Höhepunkt im Vereinsleben (außer in diesem), ist natürlich das dreitägige Weizenbierfest auf der vereinseigenen Festwiese. 2010 gründete sich im Verein eine Rock- und Pop-Band, die sich 2011 umbenannte in Oxuvatus – nach dem Ritter, der der Sage Ochsenburg gründete.

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