Unternehmerfreundliche Mitarbeiter in Hohenlohe
In Mulfingen haben Jako und EBM-Papst es bisher geschafft, die infrastrukturellen Nachteile des ländlichen Raums wettzumachen. Doch manches könnte auf dem Land noch schneller gehen.
Viele Male sind Jako-Chef Rudi Sprügel und EBM-Papst-Gründer Gerhard Sturm gemeinsam beim EBM-Hallen-Masters gesessen und haben mitgefiebert. Das ist vorbei, die Traditionsveranstaltung ist Geschichte, auch wenn Sprügel mit Wehmut daran zurückdenkt. Hier fanden Sport und Wirtschaft im nordöstlichen Hohenlohekreis unkompliziert zusammen.
Ein Lob für die eigenen Mitarbeiter
Vielleicht schweißt es ein bisschen zusammen, so weitab von den großen Städten eine namhafte Firma aufzubauen. Für Rudi Sprügel war es nie eine Frage - wo hätte der "Ur-Hollenbächer" denn sonst seine Firma vor 30 Jahren ansiedeln sollen, als in seinem Heimatort. Und er bereut es bis heute nicht, dass er von dem Mulfinger Ortsteil aus mit knapp 250 Mitarbeitern seine Sportartikel vertreibt.
"Wir haben hier super Arbeitskräfte", sagt Sprügel, der Ende des Jahres das operative Geschäft an seine Töchter übergibt. Er geht sogar so weit zu sagen, es gebe hier "eine sehr unternehmerfreundliche Arbeitnehmerschaft, die mitzieht und das Geben und Nehmen zu schätzen weiß".
Gerhard Sturm war noch einmal 26 Jahre früher dran. 1963 gründete er mit Heinz Ziehl den Ventilatorenhersteller "Elektrobau Mulfingen", kurz EBM, als der Ort noch komplett landwirtschaftlich geprägt war. Die Auflage aus dem Landwirtschaftsministerium war deshalb, dass EBM nicht mehr als 85 Mitarbeiter beschäftigen dürfe - eine Grenze, die schon nach zwei Jahren erreicht war.

Heute gehört EBM-Papst zu den größten Arbeitgebern im Hohenlohekreis. Hier sind mehr als 3600 Menschen beschäftigt, weltweit arbeiten für den Weltmarktführer bei Ventilatoren mehr als 15.000 Leute.
Gegenseitige Unterstützung in der Krise
Damit hat das Unternehmen und seine Gründerfamilie Sturm auch die finanziellen Mittel, Jako in der letzten großen Krise 2008/09 Stabilität anzubieten. "Gerhard Sturm" hat damals angefragt, ob sich seine Familie beteiligen kann", erzählt Sprügel.
Seitdem sind er und Sturm nicht nur über den Fußball verbunden, sondern auch geschäftlich. Über eine Kapitalerhöhung erwarb Sturm 30 Prozent der AG. "Zum Glück mussten wir die Hilfe noch nie wirklich in Anspruch nehmen", sagt Sprügel. Trotzdem sei die Corona-Krise ein typischer Anlass, zu dem man sich austauscht und von den Erfahrungen des anderen profitiert.
Sind die Grenzen den Wachstums erreicht?
Was die Wachstumspläne für den Ort angeht, so gerät zumindest EBM-Papst zuletzt an gewisse Grenzen. Weit entfernt ist nicht nur die Autobahn, weit ist es auch zur Wissenschaft. Die neue agile Tochter Neo wurde in Essen angesiedelt. Innovationen brauchen inzwischen eben den Input von außen. Trotzdem schätzen die Unternehmer im Ort die kurzen Wege - auch ins Rathaus. "Die Leute ticken hier normal", sagt Sprügel. Bei den übergeordneten Behörden lasse die Geschwindigkeit - etwa was Genehmigungen angeht - deutlich nach. "Da ist viel Luft nach oben."

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