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"Ich kann es nicht allen recht machen"

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Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer spricht im Interview über Kritiker, Geleistetes, Lieblingsorte und die Zukunft.

von Armin Rößler
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Bürgermeister Michael Bauer macht gerne Spaziergänge durch den Schlosspark, um in Ruhe nachzudenken. 
Foto: Armin Rößler
Bürgermeister Michael Bauer macht gerne Spaziergänge durch den Schlosspark, um in Ruhe nachzudenken. Foto: Armin Rößler  Foto: Armin Rößler

Seit 2006 ist Michael Bauer Bürgermeister von Ingelfingen. Im Interview mit der Hohenloher Zeitung spricht der 54-Jährige über seine Lieblingsorte in der Gemeinde, über bewältigte Aufgaben und noch anstehende Herausforderungen.

Herr Bauer, was hat Sie 2006 am Amt in Ingelfingen gereizt?

Michael Bauer: Ingelfingen ist eine lebens- und liebenswerte Gemeinde mit sehr guter Infrastruktur und hohem Freizeitwert, zudem eine Weinbaugemeinde. Da habe ich gedacht, das könnte passen. Auch die Familie hat gesagt, ihnen würde es hier gefallen. Damals war ja die Besonderheit, dass meine Frau ebenfalls Bürgermeisterin war. Zwei Bürgermeister in einer Familie waren für viele unvorstellbar, das war einmalig in Baden-Württemberg – wir haben bewiesen, dass es funktioniert.

 

Nach 14 Jahren kennen Sie die Stadt sicher sehr gut. Wo fühlen Sie sich ganz besonders wohl?

Bauer: Natürlich zuhause und hier auf dem Rathaus. Und es gibt ein paar Lieblingsplätze, an denen ich mich aufhalte, um nachzudenken. Das ist zum einen unser Schlosspark oder oben die Aussichtshütte, hoch über der Kernstadt. Wobei ich auch sehr gerne eine Rundfahrt in unseren Ortschaften mache, weil jeder Ort seine schönen Punkte hat.

Wie wirkt sich die Corona-Krise finanziell auf die Stadt aus?

Bauer: Wir prüfen wöchentlich, wie sich die Haupteinnahmequelle, die Gewerbesteuer, entwickelt. Genaues können wir erst am Ende des Jahres sagen. Da ist vieles Kaffeesatzleserei. Wenn das Jahr aber so weitergeht, kommen wir mit einem leicht hellblauen Auge davon.

 

Die Georg-Fahrbach-Schule wird für gut zehn Millionen um- und ausgebaut. Sind die Arbeiten im Plan?

Bauer: Ja. Wir haben die Mensa schon länger fertiggestellt, sie wird nach den Ferien ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben. Wegen der Bauarbeiten waren dort interimsmäßig Klassenräume untergebracht. Der Neubau ist fertig, das Sekundarstufengebäude umgebaut. Aktuell sind wir am Primarstufengebäude dran. Wenn alles normal läuft, sind wir Ende des Jahres fertig.

 

Der Hochwasserschutz hat die Gemeinde zuletzt stark beschäftigt. Wie ist der aktuelle Stand?

Bauer: Im September beginnen wir in Stachenhausen mit einer weiteren Phase. Anschließend wird die Hochwasserschutzmaßnahme in Diebach umgesetzt. Dann haben wir den Hochwasserschutz in der Gesamtgemeinde umgesetzt.

 

Bleiben wir in den Ortsteilen. Was läuft dort an Projekten?

Bauer: Einiges, da wir Schwerpunktgemeinde im ELR-Programm sind. Im Herbst erfolgt die Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses in Hermuthausen. Wir werden dieses Jahr in Stachenhausen mit einem Anbau ans Dorfgemeinschaftshaus beginnen, auch der Neubau der Feuerwehr ist mit dabei, Und wir haben einige Straßenbaumaßnahmen durchgeführt.

 

Wie sieht es mit weiteren Neubaugebieten aus?

Bauer: Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, dass wir die Innen- vor der Außenentwicklung vorantreiben. Man sollte nicht noch mehr Landschaft verbrauchen, wenn innerörtliches Potenzial vorhanden ist. Wenn der Ortskern ausblutet, bringt auch das schönste Neubaugebiet am Rande nichts. Für die Kernstadt ist Lipfersberg die einzige Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Da haben wir gerade die Erweiterung eines Baugebiets fertiggestellt.

 

Was ist mit Platz fürs Gewerbe?

Bauer: Die Gewerbefläche im Kochertal ist ausgereizt. Wir haben ein Gewerbegebiet in Stachenhausen mit rund sieben Hektar, da wollen wir jetzt mit dem Bebauungsplan einsteigen. Die Erschließung soll dann in einzelnen Bauabschnitten möglich sein. Das ist aber eher für mittelständische und kleinere Betriebe gedacht.

 

Ingelfingen lebt auch von der Historie. Wie schwierig ist der Spagat zwischen Vergangenheit und Moderne?

Bauer: Ingelfingen hatte schon immer einen sehr hohen Stellenwert in der Raumschaft, war Residenzstadt der Grafen zu Hohenlohe-Ingelfingen, später Fürstenresidenz. Dadurch haben wir eine historische Altstadt mit sehr vielen denkmalgeschützten Gebäuden. Das ist zum einen sehr schön, zum anderen ist es aber auch sehr schwierig, diese Bausubstanz zu erhalten. Es ist oft schwer zu kommunizieren, dass man auch eine Verpflichtung gegenüber den historischen Gebäuden hat.

 

Herr Bauer, zuletzt gab es immer mal wieder Kritik an Ihrer Person, auch die Hohenloher Zeitung berichtete. Was sagen Sie dazu?

Bauer: Es wird immer so sein, dass ein Bürgermeister es nicht allen recht machen kann.

 

Auf was sind Sie nach 14 Jahren im Amt besonders stolz?

Bauer: Da gibt es natürlich viele Dinge. Wir haben die Gesamtgemeinde sehr positiv weiterentwickelt, haben eine intakte und sehr gute Infrastruktur, eine Gemeinde, in der man gut leben, wohnen und arbeiten kann. Wir haben im Bereich Bildung und Betreuung sehr viel investiert und unsere Ortschaften weiterentwickelt.

 

Was lief weniger gut?

Bauer: Da müssten Sie vielleicht die fragen, die Kritik an meiner Person üben.

 

2022 steht die nächste Wahl an. Werden Sie erneut kandidieren?

Bauer: Jetzt warten wir mal ab, was sich bis 2022 noch alles ergibt. In erster Linie müssen wir gesund bleiben, und ich habe ja noch ein bisschen Zeit, mich da festzulegen.

 

Zur Person
Michael Bauer ist 54 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Ilsfeld. Er ist mit Monika Chef verheiratet, der ehemaligen Bürgermeisterin von Gemmrigheim, zur Familie gehören zwei Söhne. Bauer war Bauamtsleiter in Gemmrigheim, wurde 2006 in Ingelfingen zum Nachfolger von Wolfgang Schneider gewählt und 2014 wiedergewählt.

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