Stimme+
Hardthausen
Lesezeichen setzen Merken

Der Einstieg in die regionale Energiewende

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die 18 Anlagen im Harthäuser Wald waren lange Zeit umstritten. Für die Zeag ist seit diesem Projekt klar, wo die Zukunft der Stromerzeugung liegt.

   | 
Lesezeit  3 Min
Windpark Harthäuser Wald Drohnenaufnahme vom Seehaus und der Freifläche, wo künftig eine große PV-Anlage Strom erzeugen soll.
Windpark Harthäuser Wald Drohnenaufnahme vom Seehaus und der Freifläche, wo künftig eine große PV-Anlage Strom erzeugen soll.  Foto: Andreas Wagner/Zeag

Am und im Harthäuser Wald, teils auf Hardthausener Gemarkung, drehen sich 18 Rotoren und produzieren Strom für Tausende Haushalte. Es ist seit drei Jahren der leistungsstärkste Windpark im Südwesten.

Für die Zeag, die den Windpark gemeinsam mit den Kommunen betreibt, war dieses Projekt eine Wende. Zeag-Chef Franc Schütz sagt, die Erneuerbaren sind heute eine der tragenden Säulen des Heilbronner Energieversorgers.

Bürgerinitiative wurde gegründet

Die Genehmigung für die 18 Windräder gab es damals nicht geschenkt. Finanziell nicht - fünf Millionen kostete jeder Standort in etwa - aber auch die Reaktion in der Bevölkerung auf die Pläne fiel gemischt aus. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die sich nach kurzer Zeit als Verein organisierte.

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald machte es sich fortan zur Aufgabe, den Wald vor der Windkraft-Nutzung zu bewahren. Bei vier Erörterungsterminen erläuterten ihre Vertreter teils über viele Stunden die Einwände. Am Ende wurden fast alle Anlagen trotzdem genehmigt. Erfolg hatte die Schutzgemeinschaft mit einer Reihe von Verbesserungsvorschlägen für Amphibien, Fledermäuse und andere Tiere.

"Das Projekt hat aus der Zeag eine Erneuerbare-Energien-Gesellschaft gemacht", sagt Harald Endreß, der Projektverantwortliche bei der Zeag, rückblickend. "Seit diesem Windpark steht das ZE in Zeag für Zero Emission." Null Emission als Ziel. Und obwohl die Fronten lange verhärtet waren, sei inzwischen auch wieder Ruhe im Ort eingekehrt. Endreß wohnt in Hardthausen und musste auch die heiße Zeit hautnah miterleben.

Prognosen anfangs nicht erreicht

Ein Erfolgsfaktor in den Augen der Zeag ist die Bürgerbeteiligung bei solchen Projekten. Vorreiter war der Energieversorger mit der Konstruktion, die Kommunen in die Betreibergesellschaften aufzunehmen und Bürgerenergiegenossenschaften vor allem finanziell zu beteiligen. 20 solcher beteiligten Genossenschaften gibt es bereits, die 21. steht in Eberstadt nun vor der Gründung.

Das Problem im Harthäuser Wald bisher: Der Wind blies weniger als prognostiziert, die Abschaltungen zum Schutz der Fledermäuse reduzierten den Ertrag zusätzlich. Entsprechend geringer fielen die Ausschüttungen aus.

Auch mit den Windrädern geht es nach einer Durststrecke weiter. Im September wurden drei Anlagen in Krautheim genehmigt und eine weitere in Ilshofen - wo die Zeag vor zehn Jahren ihr erstes Windrad in Betrieb genommen hat.

Ziele der Energiewende insgesamt infrage gestellt

Windpark Harthäuser Wald Drohnenaufnahme von der Anlage bei Sindringen
Windpark Harthäuser Wald Drohnenaufnahme von der Anlage bei Sindringen  Foto: Andreas Wagner/Zeag

Für Zeag-Vorstandschef Franc Schütz ist es dennoch klar, dass mit solchen Zubau-Zahlen die Ziele der Bundesregierung und der EU nicht zu erreichen sind. 2050 soll die Null bei den CO2-Emissionen stehen, und viele würden nun denken, dass ja bereits die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien kommt, erläutert Schütz.

Nur ein Drittel der derzeit in Deutschland verbrauchten Energie sei aber elektrisch. "Grüner Strom macht nur 15 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland aus. Wir müssen also bald diese 85-Prozent-Frage klären", sagt Schütz.

Fehlt die Akzeptanz in der Bevölkerung?

Zu erreichen sei das Ziel nur durch einen Ausbau der Erneuerbaren. "Und der Zielkonflikt zwischen hohen Kosten, Versorgungssicherheit und Umweltschutz ist heute keiner mehr", sagt Schütz. Die Kosten seien gesunken, die Versorgungssicherheit könne auch mit den Erneuerbaren gewährleistet werden.

Allerdings gibt es Schütz zufolge ein viertes Problem: "Die Akzeptanz in der Bevölkerung fehlt." Dass jetzt schon wieder eine Bürgerinitiative gegen die Verlegung des Suedlink-Kabels durch das Salzwerk gegründet wurde, verstehe er einfach nicht. "Die Alternative würde doch so viele Menschen betreffen."

Öffentlichkeitsarbeit am Widderner Seehaus

Um Werbung für die grüne Energie zu machen, baut die Zeag nun im Harthäuser Wald ein Info-Zentrum Erneuerbare Energien - am Seehaus auf Widderner Gemarkung. Dort soll auch das Zusammenspiel mit dem Wasserstoff-Projekt auf dem DLR-Gelände in direkter Nachbarschaft - ein weiteres Prestige-Projekt, an dem die Zeag beteiligt ist - greifbar werden.

Gleich daneben baut die Zeag eine Neun-Megawatt-Photovoltaikanlage - die größte Freiflächenanlage des Unternehmens. Es soll eines von vielen Projekten sein. "In den nächsten fünf Jahren werden wir dann noch einmal 70 bis 80 Millionen Euro in die Erneuerbaren Energien investieren", verspricht Franc Schütz.

Hintergrund

"Die acht Windkraftanlagen auf Hardthausener Gemarkung haben im ersten Halbjahr mehr Strom erzeugt, als im Ort von Privathaushalten und Gewerbe im ganzen Jahr verbraucht wird", sagt Harald Endreß, Geschäftsführer der Zeag Erneuerbare Energien GmbH. Insgesamt hätten die 18 Windräder im Halbjahr 56 Prozent der für das ganze Jahr prognostizierten Strommenge ins Netz eingespeist, also mehr als 60 Millionen Kilowattstunden. "Jetzt hoffen wir auf einen guten Herbst", so Endreß. Damit würden auch die 500 Bürger, die über Genossenschaften am Erfolg der Anlagen beteiligt sind, eine etwas höhere Rendite erwarten können.

 
Kommentare öffnen
  Nach oben