"Die Gundelsheimer sind sehr bodenständig"
Gundelsheims Bürgermeisterin Heike Schokatz spricht im Stimme-Interview über die Menschen in ihrer Heimat und ihre Lieblingsplätze.

Seit 13 Jahren leitet Heike Schokatz als Bürgermeisterin die Geschicke im Rathaus Gundelsheim. Im Interview charakterisiert sie die Menschen und spricht über die vielen schönen Plätze.
"Man hat es verstanden, in Gundelsheim Ursprüngliches zu bewahren, ohne dem Modernen abweichend gegenüberzustehen." Mit diesem Slogan wirbt die Stadt Gundelsheim im Internet. Was bedeutet das?
Heike Schokatz: Wir verbinden Historisches mit der Neuzeit. Nehmen wir die Altstadt oder das Schloss Horneck. Bei uns war der Deutsche Orden beheimatet. Das bewahren wir, damit werben wir touristisch. Zugleich sind wir eine sehr moderne Stadt, in der Jung und Alt sehr gerne leben.
Die Öffnungszeiten des Freibads waren ein strittiges Thema, über die Brücke über die Bahngleise wurde genauso diskutiert. Sind die Gundelsheimer ein streitbares Völkchen?
Schokatz: Nein. Meiner Ansicht nach sind die Gundelsheimer sehr bodenständig und heimatverbunden. Sie sind ehrenamtlich engagiert und leben ihre Traditionen. Sie sind stolz auf ihre Stadt und fühlen sich mit ihr verbunden. Sie wollen gern Vorhandenes bewahren. Das gilt für das Freibad ebenso wie für die Straßenbrücke. Die Verkürzung der Freibadöffnungszeiten war aus personeller und finanzieller Sicht ein unbedingtes Muss. Zur Straßenbrücke gab es letztlich keine machbare Alternative. Bei aller ursprünglichen Kritik arrangiert man sich dann doch mit den Veränderungen.
Unterscheiden sich die Einwohner in den Ortsteilen zu denen in der Kernstadt?
Schokatz: Die Einwohner der Stadtteile zeigen ein ganz besonders großes ehrenamtliches Engagement in und für die Vereine. Daher ist der Anteil der Eigenleistungen der Vereine für öffentliche Einrichtungen auch sehr groß. Allgemein spricht man vom Modell Krumme Ebene.
Haben Sie ein Beispiel?
Schokatz: Nehmen Sie die vereinseigenen Gebäude. Natürlich beteiligt sich die Stadt Gundelsheim an Investitionen, aber vor Ort wird sehr viel in Eigenregie geleistet, um sie zu erhalten. Das gibt einen besonderen Zusammenhalt.
Gundelsheim will Familien neue Bauplätze bieten. Warum ziehen so viele Menschen hierher?
Schokatz: Wir sind eine Stadt für alle Generationen, deshalb spüren wir einen enormen Bedarf an Wohnbauflächen. Unsere Stadt macht gerade dieser eine Punkt aus: Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Die Stadt hat eine besondere Lage. Wir bespielen das Thema Wein, die Historie ist für uns wichtig. Man findet in der Gesamtstadt Kindertageseinrichtungen, wir haben eine Grund-, Haupt-, Werkreal- und Realschule, außerdem gibt es viele Arbeitsplätze. Ein besonderes Schmuckstück ist das Freibad, das uns von anderen Städten in der Region unterscheidet. Es wird gern besucht. Insgesamt hat unsere Infrastruktur einen hohen Standard, und die Verkehrsanbindung mit der Regional- und der Stadtbahn ist gut.
Was fehlt in Gundelsheim?
Schokatz: Im Moment haben wir keinen Drogeriemarkt, und aufgrund des großen Zuzugs müssen wir am Ausbau unserer Infrastruktur arbeiten.
Wie können Kinder und Jugendliche von Gundelsheim profitieren?
Schokatz: Wir haben ein reges Vereinsleben mit über 50 Gruppen, und die Feuerwehr hat in allen Teilorten Abteilungen. Es gibt Jugendtreffs. In jedem Stadtteil haben wir eine Kita, das ist für junge Familien interessant. Wir haben einen hohen Freizeitwert, das spüren wir gerade beim Tourismus. Wir zählen viele Besuchergruppen, übrigens nicht nur im Sommer, sondern das ganze Jahr über.
Wo befindet sich in Gundelsheim Ihr Lieblingsplatz?
Schokatz: Das ist schwierig. In der Stadt haben wir so viele schöne Möglichkeiten, an denen man sich aufhalten kann. Ein schöner Platz für mich ist meine Dachterrasse mit dem Blick auf die Altstadt. Vom Michaelsberg blicke ich gern auf das Schloss, die Altstadt und den Neckar. Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Wallfahrtskirche in Höchstberg. Es fällt mir schwer, mich auf einen Platz festzulegen. Es gibt viele tolle.
In den vergangenen zwei Jahren haben Sie sich auf andere Stellen im Großraum Stuttgart beworben. Nehmen wir mal an, es hätte geklappt und sie wären weggezogen: Was würden Sie von Gundelsheim vermissen?
Schokatz: In den vergangenen 13 Jahren habe ich viele Menschen kennengelernt und auch Freunde gefunden. Sie alle würde ich vermissen, würde ich nicht mehr in Gundelsheim leben. Im Rathaus habe ich ein tolles Mitarbeiterteam. Ich fühle mich sehr wohl in meiner Wohnung mitten in der Altstadt. Das ist gelebte Bürgernähe. Wir haben eine tolle Festkultur. Ich hätte aber vor allem eine hoch interessante Aufgabe aufgegeben. Daher schaue ich auch nicht zurück, sondern bin sehr zufrieden, weiterhin Bürgermeisterin in Gundelsheim zu sein.

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