Landesstraßen müssen zusätzlichen Verkehr am Lidl-Neubau aushalten
Wenn 1500 Lidl-Mitarbeiter ihre Arbeit in der neuen Zentrale in Bad Wimpfen aufnehmen, ist mit deutlich mehr Verkehr und steigenden Pendlerströmen zu rechnen. Trotzdem sind für die Rappenauer und Bonfelder Straße keine Maßnahmen geplant.

Ende 2020 soll die neue Hauptverwaltung von Lidl Deutschland ihre Arbeit in Bad Wimpfen aufnehmen. Es ist ein Großbetrieb, der Arbeitsplätze für rund 1500 Mitarbeiter vorsieht - und das wird aller Voraussicht nach Auswirkungen auf das umliegende Straßennetz haben. Deutlich mehr Verkehr und steigende Pendlerströme werden erwartet. Das könnten auch die Landesstraßen L 503 (Rappenauer Straße) und L 1107 (Bonfelder Straße) betreffen. Sie münden vom neuen Standort der Lidl-Hauptverwaltung in die L 549 und zur Autobahn A 6, vorbei an Bad Rappenau und an Bonfeld.
Dass diese Straßen künftig unter der Last zusammenbrechen, kann sich Bad Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter "wahrlich nicht vorstellen." Das Wimpfener Verkehrsgutachten, das die Stadt dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart vorgelegt hat, sehe vor, dass die beiden Landesstraßen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen gut kompensieren können. Es sei nicht zu erwarten, dass sich ihre Leistungsfähigkeit verschlechtere. Das Regierungspräsidium plant daher keine weiteren Umbaumaßnahmen infolge der Lidl-Ansiedlung. Probleme sieht Claus Brechter vielmehr an den Knotenpunkten in der Innenstadt.
Die Idee eines autonom fahrenden Shuttles sorgt für Aufsehen
Mobilitätspakt soll alles im Blick haben
Bereits 2017 beschlossen Audi und das Verkehrsministerium einen Mobilitätspakt, der unter anderem Maßnahmen für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Verbesserung der Verkehrssituation im Wirtschaftsraum Heilbronn-Neckarsulm vorsieht. Darauf basiert auch das Mobilitätskonzept, das Lidl für seine neue Verwaltungszentrale erstellt und im November unter großem Interesse im Wimpfener Gemeinderat vorgestellt hat.
Für Entlastung auf den Straßen in und um Bad Wimpfen sollen unter anderem ein Shuttlebus vom Bahnhof zur Dienstzentrale und ein autonomes Shuttle sowie eine Leihfahrradstation sorgen. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens prüfte Lidl zudem die verkehrstechnischen Rahmenbedingungen und erstellte ein Gutachten. Es erfasst das Umfeld von Bad Wimpfen, zu dem eben auch Bad Rappenau gehört. "Gemäß dieses Gutachtens haben die umliegenden Straßen die Kapazität, die zusätzlichen Autos aufzufangen", gibt die Lidl-Pressestelle zur Auskunft.
Vekehr in Richtung A 6 könnte zunehmen
Roland Deutschmann vom Ordnungsamt Bad Rappenau rechnet trotz alldem damit, dass die Landesstraßen deutlich mehr Verkehr werden abfangen müssen. "Wie viele Autos das in der Praxis mehr sein werden, wissen wir nicht. Aber wir können uns vorstellen, dass der Verkehr von Richtung Autobahn zunehmen wird." Das Gros der Autofahrer, so schätzt Deutschmann, fährt allerdings nicht durch die Ortschaften. "Und ein anderer Teil wird weiterhin aus Richtung Osten über die B 27 anreisen oder bestenfalls den ÖPNV nutzen." Die Stadtverwaltung sei also nicht gänzlich in Panik verfallen, sagt Roland Deutschmann.
Ganz zurück lehne man sich aber auch nicht. "Wir beobachten die Situation natürlich", sagt Deutschmann. Für das überörtliche Straßennetz sind Landratsamt und Regierungspräsidium zuständig. Die Stadtverwaltung habe auf die Erwartungen hingewiesen, dass mehr Verkehr auf den Landesstraßen kommt. Sollte Handlungsbedarf bestehen, werde man den Akteuren zu Maßnahmen raten.

Stimme.de
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