Wie bei Jako gute Geschichten in Form gebracht werden
Beim Trikot kommt es auf Details an. Chefdesigner David Blanch hat das Auge und das Händchen dafür.

An der Wand im Design-Raum hängt die Kollektion für das kommende Jahr. Erst tags zuvor hatten drei Jako-Mitarbeiter mit besonderen Körpermaßen ihren Arbeitsplatz am Schreibtisch gegen eine kurze Modeltätigkeit eingetauscht und die Muster anprobiert.
Die neuen Trikots sollen statt bedruckter Stoffe künftig Jaquard-Einsätze bekommen, bei denen das Stoffmuster auch fühlbar ist. Es geht um Details. Das ist Designer David Blanch besonders wichtig. Er ist für die Begutachtung der neuen Kollektion nach Hollenbach gekommen.
Eine Socke besteht am Computer aus 20 Teilen
In der Regel benötigt der Brite, der inzwischen in der Dordogne in Frankreich seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat, nicht viel mehr als seinen Computer für die Arbeit. Meetings funktionieren überwiegend per Skype und Teams. Programme wie Clo 3D bieten die Möglichkeit, jedes Kleidungsstück digital zu entwerfen, inklusive aller gestalterischen Feinheiten und Farbnuancen.
"Eine Socke besteht heute aus 20 Teilen", erklärt Blanch. Sind sie zusammengesetzt, können sie virtuell auch gleich anprobiert werden - mitunter an individuell eingescannten Füßen. "So können wir die Passform optimieren und müssen uns nicht mehr darauf verlassen, dass der Produzent in Asien das schon richtig macht."
Als erstes hat er das Logo überarbeitet
Blanch war früher für Umbro, Speedo und Nike tätig, gründete dann sein Design-Studio. Vor mehr als zehn Jahren fanden er und Jako zusammen, und gleich zu Beginn sollte er das Logo überarbeiten. Seit 2001 stehen zwei Streifen-Elemente für die Flüsse Jagst und Kocher, zwischen denen Jako 1989 gegründet wurde - und die abgekürzt auch den Namen bilden. Später wanderten die zwei Flüsschen in einen Kreis. "Von weitem war das aber kaum erkennbar", sagt Blanch.
Er drehte also kurzerhand die Farbgebung um, aus den zwei Streifen wurden zwei Auslassungen, das Logo wurde "solid", wie er auf englisch erklärt. Um diesen Effekt zu unterstreichen, fügte er vier Punkte hinzu, die - kleiner werdend - Dynamik und Bewegung signalisieren. "Das sieht man dann auch wirklich von weitem."
Linien mit Bedeutung

Jako legt viel Wert darauf, dass das Design aus der Entfernung wie auch aus der Nähe seine Wirkung entfaltet. Blanch hat beispielsweise das Wappen des VfB Stuttgart, das die Brust ziert, neu entworfen. Der Designer hat sich dazu das erste Wappen des Traditionsvereins angeschaut und bemerkt, dass es viel gedrungener war.
Diese Form nahm er als Ausgangspunkt in der Mitte, Linie für Linie zieht sich nun darum, bis außen die neue Umrandung erreicht wird. Wer diese Geschichte nicht erzählt bekommt, würde wohl nie darauf kommen. "Aber man muss es ja auch nicht wissen", sagt Blanch. "Wer sich aber damit beschäftigt, dem erzähle ich gerne von dieser Geschichte."
Etwas offensichtlicher sind da auf der Brust die grafischen Anspielungen auf Cannstatter Kanne, Wasen, Stuttgarter Fernsehturm oder Bibliothek. Daneben spielen Stoffauswahl, Nähte und vor allem die Farbe eine Rolle. Leuchtende Beispiele für Gelb, Grün, Blau oder Rot sind ein paar Meter weiter im sogenannten Messraum zu finden. Die Muster füllen einen ganzen Schrank.
Verbände haben strenge Vorgaben
Die meisten Farben werden auf jeden Fall von weitem erkennbar sein. Hier aber werden sie ganz genau untersucht - mit einem Spektralfotometer. Das Farbmessgerät erfasst präzise die kleinsten Nuancen und Unterschiede. Das ist wichtig für die Bestellung der Ware, aber auch im Kontakt mit Verbänden wie Fifa oder Uefa.

Die Fußballverbände achten penibel auf den Kontrast beispielsweise zwischen Trikotfarbe und Rückennummer und zwischen den Trikots verschiedener Mannschaften untereinander. Damit die Clubs nicht erst vor Ort überrascht werden, berücksichtigt Jako solche Vorgaben. David Blanch kennt sich damit aus. Seit mehr als 20 Jahren ist er im Fußballgeschäft unterwegs.
Teamsport-Spezialist
Jako wurde 1989 von Rudi Sprügel gegründet. Seit 2021 führt seine Tochter Nadine Sprügel das Unternehmen. Der Name Jako weist auf die geographische Lage des Gründungsorts Stachenhausen hin - zwischen Jagst und Kocher. Nach seinem Umzug nach Hollenbach liegt der Unternehmenssitz genau genommen nur noch an der Jagst. Jako hat sich auf Teamsport-Bekleidung spezialisiert. Die Firma rüstet also nicht nur große Bundesliga-Clubs aus, sondern auch Tausende kleine Vereine, die sich mit ihren Mitgliedern einheitlich präsentieren wollen.


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