Grabsteine aus Krautheim: Der Familienbetrieb Weirether gehört zu den großen Steinmetzbetrieben in der Region
Seit zweieinhalb Jahren leitet Dominik Weirether den Betrieb, den sein Großvater Ludwig Weirether nach dem Krieg gegründet hat.

Mittagspause ist beim Steinmetzbetrieb Weirether "flexibel", wie Dominik Weirether sagt. Und so arbeitet Eva Nitsch auch kurz nach 13 Uhr schon wieder an einem Grabstein, setzt blaue Strass-Steine auf gravierte Sterne. Sie funkeln für einen kürzlich verstorbenen Mittfünfziger. Einige Stunden wird diese Arbeit am Ende in Anspruch genommen haben. Aufwendigere Gravurarbeiten wie die Lokomotive, deren Entwurf schon bereit liegt, dauern auch mal mehr als einen Tag.
Am Tiefpunkt in den 1980er Jahren
Seit zweieinhalb Jahren leitet Dominik Weirether den Betrieb, den sein Großvater Ludwig Weirether nach dem Krieg gegründet hat. Vater Raimund übernahm Ende der 60er Jahre. Dominik Weirether erinnert sich, wie früher noch die Jagsttalbahn vor der Werkstatt vorbeifuhr.
Erinnerungen an die Zeit vor dem Tiefpunkt der Familiengeschichte Mitte der 80er Jahre. Dominiks Bruder Björn nahm sich damals mit 16 Jahren unter tragischen Umständen das Leben, nachdem er unerlaubt mit dem Auto der Eltern unterwegs war, einen Unfall baute und sich dann zu Hause von der Polizei in die Ecke gedrängt fühlte. "Ab dem Zeitpunkt wollten meine Eltern nicht mehr hier in dem Haus bleiben - das kann wohl jeder nachvollziehen", erzählt der 45-Jährige.

Die Familie hielt trotzdem zusammen - unter verschlungenen Wegen. 1989 wanderten die Eltern mit dem damals elfjährigen Dominik nach Gran Canaria aus. Dessen Bruder Daniel übernahm den Betrieb.
Rückkehr in die Region
Dominik Weirether kehrte nach dem Abitur zurück, machte eine Kochlehre in Schwäbisch Hall. 2002 stieg er dann beim Bruder mit ein. Der wiederum ist seit zweieinhalb Jahren auf der Kanareninsel La Palma und vermietet Ferienwohnungen. Seitdem ist Dominik Weirether am Ruder, führt die Familientradition fort. "Daniel macht aber immer noch Urlaubsvertretung", erzählt der neue Chef.
Perspektiven in der Region
Das Unternehmen ist gewachsen. Nachdem vor wenigen Wochen der Schwäbisch Haller Steinmetzbetrieb Haas übernommen wurde, sind nun 25 Mitarbeiter beschäftigt. "Norbert Haas ist 53, und er hat frühzeitig nach einer Nachfolge gesucht", erzählt Weirether. Mindestens die nächsten drei Jahre werde der Haller Steinmetz- und Bildhauermeister noch weiterarbeiten - "vielleicht auch länger".

Die Arbeiten aus dem Hause Weirether landeten mehrfach weit vorn beim Wettbewerb "Schönster Grabstein Deutschlands", einmal sogar auf dem ersten Platz. Bei schätzungsweise mehr als 500 Grabsteinen, die pro Jahr künftig verkauft werden, ist gute Vorbereitung alles. Entwürfe werden digital erstellt oder zumindest angepasst.
An die Steinmetze in der Werkstatt gehen dann exakte Maßangaben, Ausdrucke im Maßstab eins zu eins - sodass rechtzeitig auch kleinste Ungenauigkeiten entdeckt werden können. "Ich habe ein gutes Auge für Abstände, das habe ich von meiner Mutter geerbt", sagt Dominik Weirether. Er bleibe auf dem Friedhof häufiger an Grabsteinen hängen, bei denen die Buchstaben oder die Ziffern nicht den richtigen Abstand zueinander haben. "So etwas ärgert mich."
Prominente auf den Grabbildern
Auf dem Tisch liegen zwei Porzellan-Grabbilder für Barack Obama und Halle Berry bereit. "Das sind natürlich nur Beispiele." Sein Bruder habe keine Lust mehr gehabt, den Kopf dafür hinzuhalten, meint Weirether augenzwinkernd. Gefragt seien die Grabbilder vor allem bei Spätaussiedler-Familien, wo diese Tradition offenbar ebenso gepflegt wird wie wie in vielen südlichen Ländern.
Vor der Werkstatt und hinterm Haus stehen an die 1500 Steine, aus denen die Kunden den passenden aussuchen können. Andere werden auch auf Wunsch gefertigt - wie kürzlich einer aus blauem Stein mit einem Urlaubsmotiv in Airbrush-Technik. "Das mussten wir genehmigen lassen", erzählt Weirether. Denn die Friedhofssatzungen sind teils sehr streng. Farbe, Größe, Gestaltung sind reglementiert. "Aber in dem Fall war es kein Problem."
Steine nicht aus China
Insgesamt sieht Dominik Weirether zwei Trends. Auf der einen Seite wollen viele eine anonyme und teils auch möglichst günstige Bestattung. Auf der anderen Seite gibt es auch bei den kleinen Urnengräbern inzwischen aufwendige Gestaltungen für 10.000 Euro und mehr - "da hätte man früher locker zwei Einzelgräber dafür bekommen". Weirether gehört zu den großen Steinmetzbetrieben in der Region. Das Familienunternehmen legt Wert auf die Herkunft der Steine. "Wir haben nur deutsche Lieferanten, die dann teilweise zwar auch Steine importieren", sagt Weirether. Allerdings seien so gut wie keine aus China dabei. Indien, Afrika und Südamerika gehörten zu den Herkunftsländern, auch Österreich, Italien, die Schweiz. Aus Deutschland kommen zum Beispiel Muschelkalk und Sandstein - aus der Region.

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