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Ahmad Ali fährt das auffälligste Taxi von Heilbronn – "mein Markenzeichen"

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Mit seinem zweifarbigen Mercedes fällt er überall auf. Ein Abend mit Taxifahrer Ahmad Ali bringt ungewöhnliche Eindrücke von der Stadt Heilbronn.

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Ahmad Ali fährt seit fünf Jahren Taxi in Heilbronn. Meist steht mit seinem auffälligen Taxi vor der Harmonie.
Ahmad Ali fährt seit fünf Jahren Taxi in Heilbronn. Meist steht mit seinem auffälligen Taxi vor der Harmonie.  Foto: Amelie Lippke

Er fällt auf an jedem Taxistand: der schwarz lackierte Mercedes 220 der E-Klasse mit der Goldfolie auf dem Dach, Motorhaube und den Seitenteilen. "Das habe ich selbst foliert, und das ist auch mein Markenzeichen", sagt Ahmad Ali und lacht. "Ich will den Kunden zeigen, dass man auch mit einem schicken Auto Taxi fahren kann", sagt der gebürtige Syrer. Es ist ein ruhiger Dienstagabend kurz vor 20 Uhr, als der 42-Jährige seinen Einsatzplatz direkt vor der Harmonie anfährt. Ein Kollege im blauen Mercedes steht schon da. Kundschaft ist aber keine in Sicht.

"Das ist unser Stammplatz", erläutert Ali. "Eigentlich müssten wir um die Ecke in der Karlstraße stehen, aber dort sieht uns keiner", erläutert der Familienvater, der 2013 nach Deutschland gekommen ist. Das Ordnungsamt habe dafür Verständnis. Seit fünf Jahren fährt Ahmed Ali in Heilbronn Taxi. Zunächst als Angestellter. Vor drei Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Zuvor hat er in einem Flüchtlingsheim in Neuenstadt am Kocher als Dolmetscher und Betreuer gearbeitet. Bis die Unterkunft geschlossen wurde.

Heilbronner Taxifahrer Ahmad Ali sagt: Einmal Taxi, immer Taxi

Eine Freundin habe ihm dann den Tipp gegeben, Taxi zu fahren, bis er etwas anderes gefunden habe. Seither ist er dem Job treu geblieben. "Einmal Taxi, immer Taxi", sagt der 42-Jährige lachend. Ein beliebter Spruch in der Branche, die stark unter der anhaltenden Inflation leidet. "Seit der Corona-Pandemie ist das Geschäft schlechter geworden, und jetzt merkt man, dass alles so teuer ist", klagt Ali: "Wir müssen schon kämpfen."

Auch an diesem Abend ist es sehr ruhig. "Es ist heiß, viele Leute sind in Urlaub, und Veranstaltungen gibt es auch keine in der Stadt", analysiert Ali die Lage. Keine guten Voraussetzungen für Taxifahrer. Dennoch macht ihm sein Beruf Spaß. "Ich lerne viele Leute kennen und verbessere meine Sprache", sagt Ali. Dass er schon gut Deutsch spricht, verdankt er auch seiner Frau Hulya, die er hier kennengelernt hat. Den deutschen Pass hat er bereits beantragt.


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Seine Einsatzzeiten wählt Ali nach Plan. Dabei spricht man sich immer unter den Kollegen ab. Die Aufträge kommen von der Taxizentrale Heilbronn, die die Einsätze koordiniert. Dabei wird die Reihenfolge, in der die Taxis die einzelnen Standplätze anfahren, strikt eingehalten. Das technische System, das auf Alis Handy aufgespielt ist, ist genial. Auf einen Blick sieht er alle Heilbronner Taxis, die an den verschiedenen Standorten im Einsatz sind. "Es muss gerecht zugehen, und das tut es auch", merkt er an.

Aufträge zu jeder Zeit

Daneben hat er auch Stammkunden, die ihn direkt anfunken oder eine Nachricht schicken. "Die fahre ich dann auch, egal, um welche Tageszeit. Es sei denn ich schlafe", sagt er lachend. Gegen 20.40 Uhr schickt einer dieser Stammkunden eine Nachricht, auf die Ali sofort reagiert. "Morgen um 9 Uhr in der Sontheimer Straße. Das mache ich natürlich und stelle auch gleich den Wecker", freut sich der Taxifahrer.

"Manchmal warte ich auch zwei Stunden ohne Auftrag", sagt er. Seine längste Fahrt hat ihn vor wenigen Wochen nach Kiel geführt - ein Krankentransport. "Solche Touren lohnen sich", sagt er. Doch auch die Fahrt einer gehbehinderten Frau nur eine Straße weiter komme vor.


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Lieblingsmusik für jeden

Und dann kommt sie doch noch, die erste Fahrt an diesem Abend. Ein Stammkunde geht um 20.50 Uhr zielstrebig auf das auffällige Taxi zu. "Und wie geht es dir?", fragt Ali den jüngeren Mann, bevor er losfährt. Nach der Straße muss er dieses Mal nicht fragen. Routiniert gleitet das Taxi die Allee hinunter und biegt in die Weinsberger Straße ein, während das hochmoderne Taxameter im Rückspiegel die gefahrene Zeit zählt.

"Das Auto fährt einfach toll, ich mag das", bekennt der Kunde auf dem Weg nach Neckarsulm. 18.20 Euro zeigt das Taxameter am Ziel an. "Ich find"s schön, wenn man Stammkunden hat, sagt Ali. "Ich habe auch für jeden seine Lieblingsmusik, wenn er möchte", betont der 42-Jährige. Dann geht es in die anbrechenden Dämmerung hinein zurück nach Heilbronn. Nach rund 20 Minuten hat Ahmad Ali seinen Stammplatz wieder erreicht. Es beginnt das Warten auf den nächsten Kunden.

 
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