Ein Goldblech wird zum Schmuckstück der Liebe
Gold oder Platin, mit Brillanten oder eingravierten Namen und Daten? Die Möglichkeiten, seine Trauringe bei Manfred Rose schmieden zu lassen, sind vermutlich so individuell wie es auch jede Beziehung ist.

Seit beinahe 50 Jahren schwingt der Goldschmiedemeister den Hammer, um Liebespaaren ein einzigartiges Symbol der Verbundenheit zu kreieren, das im besten Fall bis zum Lebensende getragen wird.
Besonderen Wert legt der 64-Jährige dabei auf den handwerklichen Charakter: „Ich schmiede ausschließlich auf traditionelle Art und Weise mit dem Hammer. Heutzutage werden auch viele Trauringe gegossen und mit sogenannten Gussbäumen vervielfältigt. Bei mir ist jedes Stück ein handgefertigtes Unikat“, erklärt Rose, der 1976 seine Ausbildung beim Juwelier Luithle in Heilbronn gemacht und später den Meister abgelegt hat. „Ich konnte Dinge schon immer gut zu Papier bringen und handwerklich umsetzen“, berichtet er.

Individuelle Vorstellungen
Doch obwohl Rose inzwischen pensioniert ist, lässt ihn seine Leidenschaft für das Schmiedehandwerk nicht los, weshalb er regelmäßig angehende Ehepaare in seiner heimischen Goldschmiede in Sachen Trau(m)ringe berät. In den zwei bis drei Stunden bespreche man individuelle Vorstellungen und Wünsche und auch, was preislich im möglichen Rahmen ist. Rose präsentiert dabei auch eine Auswahl an bereits geschmiedeten Trauringen, um der Vorstellungskraft auf die Sprünge zu helfen, denn das Gestaltungs-Spektrum sei bei Trauringen sehr groß. Auch Kombinationen aus verschiedenen Varianten seien möglich. „Während des Gesprächs fertige ich eine Skizze der Wunschringe auf Papier an.“
Manfred Rose: „So ein Ring ist unkaputtbar.“
Damit das Schmuckstück später auch exakt passt, nimmt Rose zudem das benötigte Maß. „Ich messe die Ringgröße nicht nach Durchmesser, sondern nach Umfang, das ist genauer“, so Rose, der auch die Eheringe von sich und seiner Frau Roswitha selbst geschmiedet hat. Sind alle Details geklärt, dann zieht sich Rose in seine heimische Goldschmiede-Werkstatt zurück: ein vom Wohnzimmer abgehender Raum, der mit zahlreichen Werkzeugen und Gerätschaften für die Schmiedearbeiten ausgestattet ist. Für Trauringe verwende er nur Legierungen wie 750er Gelbgold oder 950er Platin. „Diese Materialien haben im Alltag die beste Widerstandsfähigkeit und chemische Beständigkeit. So ein Ring ist unkaputtbar“, so Rose.
So läuft der Schmiede-Prozess ab
„Im ersten Schritt säge ich also aus einem Goldblech eine Lochscheibe mit einer fein gezahnten Laubsäge aus“, erklärt er. Die feinen Goldspäne, die dabei entstehen, fängt er in einem Beutel auf, denn dieser ,Abfall´ ist buchstäblich goldwert. „Ich schicke die Hobelspäne an eine Scheideanstalt zurück, die aus den Resten wieder neue Goldbleche herstellen. Deshalb wasche ich mir auch nach getaner Arbeit meine Hände in einer Schüssel, wo sich die wertvollen Späne absetzen.“

Die fugenlose Lochscheibe schiebt Manfred Rose im zweiten Schritt auf einen Ringriegel und schmiedet sie mit einem Hammer auf die entsprechende Ringgröße und -dicke. „Wenn ich die benötigte Größe durch das Schmieden allein nicht erreiche, muss der Ring zwischendrin durchgeglüht werden, wodurch sich das Material weiter ausdehnt.“ Dafür nutzt Rose ein spezielles Gerät, das Wasserstoff produziert. Den Wasserstoff, der aus einer kleinen Düse geblasen wird, zündet er an und erhitzt den Ring damit auf bis zu 3000 Grad.
Gute Passform
In einer kleinen Wasserschüssel wird der Ring anschließend abgelöscht, dann wird weiter geschmiedet. „Mit Feile und Schmirgel wird der Ring für eine gute Passform und ein angenehmes Tragegefühl noch innen ausgerundet und außen abgerundet.“

Mattierung, Brillant oder Lebenslinie?
Je nach Kundenwunsch bearbeitet Manfred Rose die Oberfläche des Rings – etwa indem er sie mit Lebenslinien in Form von Wellen, einem Muster oder einer Mattierung gestaltet. Oder er setzt lupenreine Brillanten ein. „Diamanten sind Symbole der Haltbarkeit, sie implizieren die Dauerhaftigkeit der Ehe.“ Apropos Dauer: Für die Kreation eines Traurings benötigt Rose von sechs bis zu 40 Stunden Zeit, „das hängt vom Aufwand ab“. Daran und am Materialeinsatz bemesse sich auch der Preis. „Ein Ring kann 1000, aber auch 4000 Euro und mehr kosten.“
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