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Im zweiten Anlauf soll es klappen mit biologischen Weinbau bei der Burg Wildeck

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Wo Biodiversität groß geschrieben wird: Das Abstatter Versuchsweingut Burg Wildeck der Weinsberger Weinbauschule stellt auf biologische Bewirtschaftung um. Welche Herausforderungen sind dabei zu meistern?

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Johannes Wolf (links) und Jochen Konradi von der LVWO inspizieren unterhalb der Burg Wildeck die Riesling-Reben, die schon biologisch bewirtschaftet werden.
Foto: Kunz
Johannes Wolf (links) und Jochen Konradi von der LVWO inspizieren unterhalb der Burg Wildeck die Riesling-Reben, die schon biologisch bewirtschaftet werden. Foto: Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Wer hier hoch fährt, fährt der Welt mit jeder Kehre ein wenig davon. In sommersatter Stille steht der wuchtige Turm der Burg Wildeck hoch überm Schozachtal - so wie er es seit Hunderten von Jahren tut. Zu seinen Füßen ranken Reben gegen den blauen Himmel, in den Rebzeilen zirpen die Grillen. Zwischen den Reben stehen Johannes Wolf und Jochen Konradi. Für sie ist die Bilderbuchansicht Teil ihres Arbeitsalltags.


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Die beiden Experten der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) erklären, warum am Standort Burg Wildeck bei Abstatt im Lauf der nächsten paar Jahre alles anders wird. Zwischen Rieslingreben erzählen sie, warum die Umstellung dieses Mal gelingen soll. In zwei Schritten werden die zwölf Hektar Ertragsfläche auf biologischen Anbau umgestellt.

Start vor einem Jahr

Die Gräser in den Rebzeilen stehen hoch - ein deutlicher Hinweis, dass dieser Bereich bereits biologisch bewirtschaftet wird. "Im August 2021 haben wir damit begonnen", sagt Jochen Konradi. Der Agrarbiologe ist bei der LVWO verantwortlich für den ökologischen Weinbau. Im konventionell bewirtschafteten Wengert sind die Gräser in der Regel gemäht oder mit Herbiziden behandelt - man will es im Unterstockbereich möglichst trocken haben. Begrünung ist dagegen ein Grundpfeiler der ökologischen Bodenpflege - was im Weinbau Probleme bereiten kann. Johannes Wolf, LVWO-Referatsleiter Weinbau und Rebschutz, erklärt"s: "Wenn die Gräser hoch wachsen, wird es unterm Stock feuchter. Damit steigt die Gefahr von Pilzkrankheiten." Pilze sind aber die Feinde des Weinbaus - "und des biologischen besonders".

Der LVWO geht es bei der Umstellung nicht in erster Linie darum, einen bestimmten Bereich des Marktes abzudecken und einer bestimmten Anzahl Flaschen ein schickes Öko-Label zu verpassen. Das Land Baden-Württemberg hat sich in seinem Gesetz zur Stärkung der Biodiversität zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 der Anteil der ökologischen Landwirtschaft auf 30 bis 40 Prozent ausgebaut sein soll. Da muss eine Landeseinrichtung wie die LVWO natürlich Flagge zeigen. Wenn die Flächen bei der Burg Wildeck sowie ein Teil der Anbaufläche in Weinsberg umgestellt ist, "dann erreichen wir die 30 Prozent", so Johannes Wolf.

Versuche sind geplant

Eine Lehr- und Versuchsanstalt sollte in den verschiedenen Produktionsmethoden kompetent sein, um Weingütern, Schülern oder Studenten Kompetenzen an die Hand geben zu können - eben auch in den ökologischen. Geplant sind Versuche im ökologischen Weinbau. Konradi: "Die großen Themen sind Biodiversität und die herbizidfreie Bearbeitung des Unterstockbereichs - vor allem in Steil- und Terrassenlagen." Schließlich geht es auch um den Erhalt der Kulturlandschaft.

Die LVWO hatte es ab 1993 bei der Burg Wildeck schon einmal mit Öko-Anbau versucht - und gab nach ein paar Jahren wieder auf. Das war lange vor Wolfs und Konradis Zeit, weshalb sich die beiden mit einer Reflexion schwer tun. "Man hatte nicht die Traubenqualität, die man wollte", sagen sie. Die Wildeck sei kein einfacher Standort, so Wolf, "zum Beispiel wegen der Feuchtigkeit durch den nahen Wald. Doch dafür müssen wir als Staatsbetrieb Lösungen finden."

Die neuen Piwi-Sorten

Der große Vorteil 2022 gegenüber 1993: Die Rahmenbedingungen sind andere. Konradi: "Inzwischen stehen wirksame ökologische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung." Zudem seien die Bodenbearbeitungsgeräte besser geworden. "Überhaupt hat sich bei der technischen Ausstattung viel geändert", sagt Winzer, Phytomediziner und Önologe Johannes Wolf. So kommen zum Beispiel Drohnen und Raupenfahrzeuge zum Einsatz.

Und dann sind da die Trauben selbst. Ein Hektar Rebfläche wurde im Zuge der aktuellen Umstellung mit fünf Piwi-Sorten neu angelegt. Diese pilzwiderstandsfähigen Sorten benötigen weniger Pflanzenschutzmittel. Im Keller in Weinsberg werden Ausbauversuche mit den Piwis gemacht.

Brücken sollen gebaut werden

Um eine Sache geht es laut Wolf und Konradi bei der Umstellung auf alle Fälle nicht: konventionellen und biologischen Anbau gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil: "Wir wollen Brücken bauen. Teilweise sind die Unterschiede auch gar nicht mehr so groß."

Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg ist eine Ausbildungs- und Forschungseinrichtung. Die LVWO ist ein Landesbetrieb und nahm 1868 den Betrieb als Königliche Weinbauschule auf. Landläufig wird die Einrichtung auch heute noch als Weinbauschule bezeichnet. Es ist die älteste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Die LVWO hat verschiedene Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote im Portfolio.

Ihre Aufgabe ist es auch, die Weinbaukartei zu führen und die Qualitätsweinprüfung im Weinanbaugebiet Württemberg vorzunehmen. Forschung und Praxis werden in Weinsberg eng verzahnt. Zur LVWO gehören neben dem Obstversuchsgut in Heuchlingen auch rund 50 Hektar Rebfläche. Die Weine werden unter dem Namen Staatsweingut vermarktet. Ein großer Teil der Weinberge befindet sich in Weinsberg (Schemelsberg), ein Teil in Gundelsheim (Himmelreich). Etwa 15 Hektar liegen rund um die Burg Wildeck bei Abstatt. Zwölf Hektar stehen dort im Ertrag; die Hauptsorte ist Riesling. 2021 hat im Versuchsgut Wildeck die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung begonnen. Die ersten Trauben, die als Biowein deklariert werden dürfen, werden 2024 gelesen, denn der Umstellungsprozess dauert drei Jahre. Ab 2025 sollen von der Wildeck nur noch Bioweine abgefüllt werden.

Für eine Auswertung ist es noch zu früh

Was die Umstellung kostet, dazu können die LVWO-Fachmänner Johannes Wolf und Jochen Konradi nach eigenen Angaben nichts sagen: "Das wurde noch nicht ausgewertet. Dazu ist es noch zu früh." Ein Kostenfaktor ist, dass in der Umstellungsphase Etliches doppelt benötigt wird, Spritzen etwa. Grundsätzlich bedarf es im Weinbau eines längeren Betrachtungszeitraums, da Aufwand, Ertrag und Qualität ja extrem witterungsabhängig sind.

 

 
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