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Wie wär es denn mit einem Wein aus dem eigenen Geburtsjahrgang?

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Zum Jubiläum der WG Heilbronn: Wovon sich der Begriff Wein-Schatzkeller ableitet und wie in der Rebschule heimische Traditionssorten gerettet werden.

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Über dem Eingang der Genossenschaftskellerei steht "Wein-Schatzkeller". Deutschlands größte Weingärtnergenossenschaft verfügt nämlich nicht nur über ein Tankvolumen von 27 Millionen Litern, Lager für 4,3 Millionen Flaschen und schmucke Präsentationsräume mit verzierten Holzfässern. In den weit verzweigten Kellern findet sich auch ein 300 Quadratmeter großes Raritätenkabinett, ein richtiger Wein-Schatzkeller. In Betonregalen mit 1100 quadratischen Fächern lagern insgesamt 40 000 Flaschen mit 1100 verschiedenen Etiketten von 1959 bis heute: jeweils die Jahrgangsbesten, aus besseren Jahren wie 1971 bis zu 36 Etiketten, aus weniger erlesenen weniger.


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Fotos: Holger Guenther/WG Heilbronn
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Tropfen aus fast jedem Jahrgang zu kaufen

"Alle vier, fünf Jahre wird der Bestand von vorne bis hinten durchprobiert", berichtet Vorsitzender Justin Kircher. Die WG lagert die alten Weine nicht nur zum Erkenntnisgewinn und für eigene genussfreudige Anlässe. Viele werden zum Verkauf angeboten. Der Preis errechnet sich aus dem damaligen Listenpreis plus 50 Cent Zuschlag im Zwei-Jahres-Rhythmus. Nachgefragt werden die Raritäten etwa als Geschenk aus dem jeweiligen Geburtsjahrgang, für Jubiläen und für besondere Proben.

Rebschule mit 500 000 "Schülern"

Kircher, Drautz & Co. haben noch eine andere Besonderheit: eine Rebschule, die 2016 vom Süden Heilbronns an die Binswanger Straße verlegt wurde, wobei die Felder, in die jährlich 500 000 Reben "eingeschult" werden, in Oedheim liegen. Die Setzlinge werden jedes Frühjahr von Schulleiter Wolfgang Keicher und seinem Team aus fünf Zentimeter langen Edelreisern und 30 Zentimeter langen Unterlagsreben wie ein Puzzle zusammengefügt. Das Ergebnis nennt man Pfropfrebe.

Ohne diese raffinierte Methode gäbe es in Europa keine Traditionssorten mehr: wegen der Reblaus. Der Schädling wurde im 19. Jahrhundert aus Amerika eingeschleppt und hat europaweit katastrophale Schäden verursacht - bis findige Forscher feststellten, dass die Amerikanerrebe resistent gegen die Laus ist. Kurzerhand propfte man auf diese heimische Sorten auf: ein Verfahren, das sich bis heute bewährt hat. Die Amerikanerrebe kultivieren die Heilbronner in einem "Muttergarten".

Raffinierte Technik

Bis eine Pfropfrebe im Wengert gepflanzt werden kann, vergeht ein Jahr. Im März und April wird sie veredelt, die Schnittstelle in Wachs getunkt und bei 2,5 Grad gelagert. Ende April hilft man den Trieben mit Wärme auf die Sprünge, um sie Mitte Mai im Rebschulfeld "einzuschulen". Bald bilden sich Wurzeln und Triebe. Im Herbst, wenn das Laub abgefallen ist, werden die jungen Reben "geerntet" und im folgenden Frühjahr an Weingärtner abgegeben. kra

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