Heilbronn
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Sportlich hat Heilbronn weiter viel Luft nach oben

Die selbsternannte Sportstadt steht in der Breite gut da, hat in der Spitze aber erheblichen Nachholbedarf. Da sind kleinere Nachbarn wie Ludwigsburg oder Bietigheim deutlich besser aufgestellt.

Stephan Sonntag
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Lesezeit 3 Min
Sportlich hat Heilbronn weiter viel Luft nach oben
Ein Hochsprung-Meeting auf dem Marktplatz? Wird es in Heilbronn wohl nicht geben.  Foto: Montage: Echo

Durch den Triathlon stand der vergangene Sonntag im Zeichen des Sports. Auch wenn die großen Namen der Vergangenheit im Starterfeld fehlten. "Das Event zeigt, welches Potenzial in der Sportstadt Heilbronn steckt", meinte Oberbürgermeister Harry Mergel. Doch abgesehen von solchen Glanzlichtern wird das Potenzial der selbsternannten Sportstadt selten offenkundig. Der große Sport ist in der Nachbarschaft beheimatet, im Profibereich liegt die zweitgrößte Stadt Württembergs weitgehend brach.

 

Infrastrukturell hinkt Heilbronn meilenweit hinterher

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Zu viele Stehplätze, zu wenige Sitzplätze, nicht mehr zeitgemäß: das Heilbronner Eisstadion.  Foto: Seidel

Erstklassigen Basketball gibt es in Ludwigsburg, erstklassigen Handball in Neckarsulm, erstklassiges Eishockey in Bietigheim - vom Fußball ganz zu schweigen. Der Vorzeige-Proficlub der Stadt sind nach wie vor die Heilbronner Falken in der DEL 2 - allerdings ohne reelle Option nach oben. Denn infrastrukturell ist der Verein dem Erzrivalen aus dem 40.000-Einwohner-Städtchen Bietigheim klar unterlegen. Dort war vor zehn Jahren mit der Ege-Trans-Arena eine moderne Mehrzweckhalle errichtet worden - die Voraussetzung für den DEL-Aufstieg der Steelers 2021.

Mit dem namenlosen und aus der Zeit gefallenen Eisstadion am Europaplatz sind für die Falken und den Stammverein Heilbronner EC keine großen Sprünge möglich. Mängelverwaltung heißt die jährlich schwieriger werdende Herausforderung. Davon durften sich die Mitglieder des Gemeinderats erst Ende April bei einem Ortstermin ein Bild machen.

Nein, die Römerhalle bietet nicht alle Möglichkeiten

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Seit 2017 erstklassig, aber künftig ohne Frank Stäbler (rotes Trikot): die Red Devils Heilbronn.  Foto: Bertok, Alexander

Dank einer Ligenreform und Abspaltung einiger Topclubs sind auch die Ringer des VfL Neckargartach seit 2017 erstklassig und zählen unter dem Namen Red Devils zu den besten Teams in Deutschland. Mit den Möglichkeiten in ihrer Heimstätte - der Neckargartacher Römerhalle - sind die Roten Teufel jedoch ebenfalls alles andere als glücklich. Der Satz von OB Mergel aus dem Jahr 2016: "Die Römerhalle bietet alle Möglichkeiten", klingt für die Verantwortlichen wie Hohn.

Viele Jahre war die Buga das Totschlagargument gegen jedes Infrastruktur-Projekt

"Sport ist ein unterschätzter, jedoch wichtiger Standortfaktor", schrieb HSt-Chefredakteur Uwe Ralf Heer den kommunalpolitisch Verantwortlichen schon 2013 ins Stammbuch, "mit der Bundesgartenschau alleine ist es in Heilbronn nicht getan. Damit wird man die Bekanntheit langfristig weniger steigern als mit einem dauerhaft erfolgreichen Profi-Sportangebot".

Die Buga 2019 war über Jahre das Totschlag-Argument gegen eine neue Mehrzweckhalle. Die hatte Harry Mergel ebenfalls 2016 als "Großprojekt für eine zweite Amtszeit" in Aussicht gestellt. Geschehen ist bis dato allerdings nichts. Vielmehr bremst die Stadt einen potenziellen Investor mir ihrer Weigerung aus, sich in irgendeiner Weise am Betrieb einer solchen Halle zu beteiligen. Als Geschenk wie so viele Hochschulbauten wird es die aber nicht geben.

DAV hat gezeigt, wie zukunftsweisend gebaut wird

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Lohnende Investition: Die Boulderhalle der DAV-Sektion Heilbronn ist ein Anziehungspunkt.  Foto: Seidel

Dass sich solche Großprojekte auszahlen, hat die Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins mit der Erweiterung der Kletterarena bewiesen. Knapp vier Millionen Euro wurden 2018 in eine Boulderhalle und einen Kletterturm investiert. Mit mehr als 16.000 Mitgliedern ist die Sektion der größte Sportverein in der Region Heilbronn-Franken und kam vergleichsweise gut durch die Pandemie. "Wir können positiv in die Zukunft schauen", sagte der Sektionsvorsitzende Bernd Bührer kürzlich bei der Mitgliederversammlung.

Heilbronn wird also auch mittelfristig allenfalls die (Breiten)-Sportstadt bleiben. Denn auch die immer wieder gerne beschworenen Sport-Leuchttürme wie der eingangs erwähnte Triathlon, der Trollinger-Marathon oder der Stimme-Firmenlauf sind ja zuallererst Veranstaltungen für Hobbysportler.

Neckar-Cup Finals
Der Neckar-Cup wird auf dem Gelände des TC Heilbronn ausgetragen.  Foto: Mario Berger

Seit 2014 hat sich zudem der Neckar-Cup als Nachfolger der Heilbronn Open in Talheim etabliert. Das Challenger-Turnier auf dem Gelände des TC Heilbronn am Trappensee ging in diesem Jahr bereits zum achten Mal über die Bühne und wurde bereits mehrfach zum besten ATP-Challenger-Turnier weltweit gewählt. Dass es dieses Aushängeschild gibt, ist allerdings zuvorderst dem Engagement der Turnier-Organisatoren Mine und Metehan Cebeci sowie Tom Bucher zu verdanken.

Kommunale Hilfen in Corona-Zeiten

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Nach Corona-Zwangspause wieder zurück: im Mai fand der 20. Trollinger-Marathon statt.  Foto: Seidel, Ralf

Bei aller Kritik muss der Stadt allerdings zugute gehalten werden, dass sie während der Corona-Pandemie 2020 beispielsweise dem Heilbronner Eishockey mit 30.000 Euro unter die Arme gegriffen oder mit dem Sportpass innovativ versucht hat, dem Mitgliederschwund bei den Vereinen entgegenzuwirken. Mit der Abschaffung der Hallengebühren 2019 wurde vielen der knapp 70 Sportvereinen zudem eine schwere Bürde abgenommen.

Der große Wurf soll nun der für Herbst angekündigte Sportentwicklungsplan 2030 sein, der wissenschaftlich begleitet die mittelfristigen Perspektiven aufzeigen soll. Ein zentraler Punkt darin ist "die Unterstützung sportlicher Großveranstaltungen wie des Leistungs- und Spitzensports zur Schaffung von Identifikation und einer Fankultur". Wie das konkret gelingen soll, darf mit Spannung erwartet werden.


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Zwar gibt es im Frankenstadion immer noch kein Flutlicht, dafür aber eine hübsche blaue Laufbahn.  Foto: Marcel Tschamke

Fußball im Aufwind

Mit dem VfR Heilbronn 96/18 e.V., der gerade in die Landesliga aufgestiegen ist, gibt es endlich wieder ein ambitioniertes Projekt in der einstigen Fußball-Hochburg. Als Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern allerdings lediglich einen Siebtligisten als höchstklassigsten Verein zu beherbergen, ist noch immer kein Ruhmesblatt. 

 
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